Willis Tipps
: November 2017

Mali mit Streichquartett

Das „Kronos Quartet“, ein renommiertes US-amerikanisches Streichquartett, ist nicht nur für seine Einspielungen zeitgenössischer „ernster“ Musik berühmt, sondern auch für seine Kooperationen mit Musikern aus dem Bereich der Weltmusik. Wenn es daher ein Ensemble wie das Trio Da Kali, das zuvor lediglich eine EP veröffentlicht hat, auf ihrem Debutalbum begleitet, muss dieses eine ganz besondere Formation sein. Zum Trio Da Kali gehört Hawa Kassé Mady Diabaté, die zweifellos eine der besten Vokalistinnen Malis ist und deren Vater schon eine westafrikanische Sängerlegende war. Aus Guinea stammt der Ballaphon-Meister Fodé Lassana Diabaté, der schon viele große Namen Westafrikas begleitet hat und hier alles zeigt, was auf dem dem Instrument möglich ist. Mamadou Kouyaté, der Sohn des malischen Bandleaders Bassekou Kouyaté, spielt dazu tragende Läufe auf seiner Bass-Ngoni. Ladilikan heißt das Album, das dieses exzellente Trio zusammen mit dem Kronos Quartet eingespielt hat und es ist ein wahres Meisterwerk geworden!

Trio Da Kali and Kronos Quartet – Ladilikan (World Circuit)


Iranisch-türkische Berührungspunkte

Die Schwestern Marjan und Mahsa Vahdat sind die führenden internationalen Botschafterinnen des in Iran weitgehend unterdrückten Frauengesangs. Sie haben einige Platten gemeinsam aufgenommen, sind aber auch getrennte Wege gegangen. Auf Endless Path kooperiert Mahsa Vahdat nun mit dem türkischen Sänger Coskun Karademir, der auch die Kopuz-Laute spielt, und mit einem dreiköpfigen traditionellen Ensemble. Abwechselnd tragen sie Vertonungen von Gedichten Dschalal ad-din Rumis und Yunus Emres vor. Rumi, der im 13. Jahrhundert lebte, gilt als einer der bedeutendsten persischen Dichter. Sein Zeitgenosse Yunus Emre war einer der ersten, der in türkischer Sprache dichtete; der Sage nach ist er sogar Rumi persönlich begegnet. Die Platte wurde in Oslo im Emanuel Vigeland Mausoleum aufgezeichnet, das einen atemberaubenden Hall aufweist. Wenn zwei große Stimmen Verse legendärer Poeten unter solchen akustischen Bedingungen aufnehmen, entsteht etwas wirklich Großartiges.

Mahsa Vahdat & Coskun Karademir- Endless Path (Kirkelig Kulturverksted)


Irlands lebendige Tradition

Eoin Dillon gehörte 1987 zu den Gründungsmitgliedern der Dubliner Gruppe Kila und hat als Gastmusiker schon U2, Sinead O’Connor und Baaba Maal begleitet. Dillon spielt die Tin Whistle und die Uilleann Pipes, diesen besonderen Typ des irischen Dudelsacks, der durch einem unter dem rechten Arm befestigten Blasebalg mit Luft versorgt wird. Auf Dillons drittem Soloalbum sind insgesamt 16 weitere Musiker mitbeteiligt, die neben den üblichen, im irischen Folk gebräuchlichen Instrumenten gelegentlich Blechblasinstrumente, das Hackbrett und das Cembalo erklingen lassen. Auf Pondelorum finden sich 10 Instrumentalstücke; darunter melancholische Airs wie auch flotte Jigs und Reels, die von Dillon selbst komponiert wurden. Das ist genau das richtige Album für Leute, die erstklassig eingespielte, traditionelle irische Musik mögen, aber nicht auf puristischer Instrumentierung bestehen.

Eoin Dillon – Pondelorum (Buda Musique)


November Top 20

1. Saeid Shanbehzadeh – Pour-Afrigha (Buda Musique) Iran
2. Trio Da Kali and Kronos Quartet – Ladilikan (World Circuit) Mali/USA
3. Lo’Jo – Fonetiq Flowers (World Village) Frankreich
4. Tribalistas – Tribalistas (Phonomotor) Brasilien
5. Saz’iso – At Least Wave Your Handkerchief At Me (Glitterbeat) Albanien
6. Tony Allen – The Source (Blue Note) Nigeria
7. Omar Faruk Tekbilek – Love Is My Religion (Alif) Türkei
8. Canzoniere Grecanico Salentino – Canzoniere (Ponderosa Music) Italien
9. Magín Díaz – El Orisha de la Rosa (Noname) Kolumbien
10. Frigg – Frost on Fiddles (Frigg) Finnland
11. Bokanté – Strange Circles (GroundUp) USA/Karibik
12. Gwyneth Glyn – Tro (Bendigedig) GB/Wales

13. Jupiter & Okwess – Kin Sonic (Glitterbeat) Kongo
14. Khalid Kouhen & Marylène Ingremeau – Sillage (Ouï-Dire / UVM) Marokko/Frankreich
15. Moh! Kouyaté – Fe Koti (Foli Son Production) Guinea-Conakry
16. Anouar Brahem – Blue Maqams (ECM) Tunesien
17. Baraka Moon – Wind Horse (Baraka Moon) Russland
18. V.A. – Abatwa (The Pygmy) – Why Did We Stop Growing Tall? (Glitterbeat) Ruanda
19. Ghalia Benali & Mâäk – MwSoul (W.E.R.F) Tunesien/Belgien
20. ’Ndiaz – Son’Rod (Paker Prod) Frankreich/Bretagne

Die TWMC TOP 20/40 bei: http://www.transglobalwmc.com/ und bei Facebook „Mondophon auf Radio ARA“ und www.woxx.lu/author/Klopottek.


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