État de la nature: „Vakanz doheem“ in einem fiktiven Staat

Die Natur- und Forstverwaltung hat einen neuen Staat erfunden, um die Einwohner*innen Luxemburgs während der „Vakanz doheem“ in die Natur zu bringen. Einen neuen Reisepass gibt es gratis dazu.

Der Pass und die Karte des État de la nature. (Foto: ANF)

Sogenannte Mikronationen gibt es einige. Mit dem Begriff werden Nationen bezeichnet, die – ob als Scherz, Kunstprojekt oder ganz im Ernst – territorialen Anspruch auf ein kleines Stück Land stellen. Meistens gibt es eine Regierung, eine eigene Flagge und teilweise auch Pässe. Bekanntestes Beispiel dürfte das „Fürstentum Sealand“ sein, das auf einer verlassenen Seefestung im Meer vor England gegründet wurde. Ein erfolgreicheres Beispiel ist die Freistadt Christiania inmitten von Kopenhagen, die ein gewisses Maß an Autonomie oder Duldung genießt.

Auch Luxemburg musste sich bereits mit dem Phänomen beschäftigen: 2008 rief der Künstler Jerry Frantz die „République Libre de Clairefontaine“ aus und gründete Botschaften in diversen Kulturinstitutionen. Keinen Staat, aber ein neues Ministerium gründete der Mouvement écologique letztes Jahr: Mit dem „Ministère de la Croissance“ wurde gegen eine wachstumszentrierte Wirtschaftspolitik demonstriert.

Anerkannte Staaten, die über ein sehr kleines Staatsgebiet verfügen, werden übrigens als „Zwergstaaten“ bezeichnet – Luxemburg fällt nicht unter diesen Begriff, da unser Staatsgebiet über den Schwellenwert von 1.000 Quadratkilometern fällt. Seit dem 31. Juli ist eine weitere fiktive Nation hinzugekommen: der „État de la nature“. Diese (fiktive) Staatsgründung geht auf die Natur- und Forstverwaltung (ANF) zurück, die mit dem Konzept dazu einladen will, die Natur Luxemburgs zu erkunden.

Herzstück der Aktion ist ein Pass des „État de la nature“, der gratis im Office du tourisme oder in den fünf

Das Passbüro des DobausseMinistärs. Foto: ANF

Besucher*innenzentren der ANF (Burfelt in Insenborn, A Wiewesch in Manternach, Mirador in Steinfort, Ellergronn in Esch und Biodiversum in Remerschen) abgeholt werden kann. Zusätzlich gibt es „Botschaften“ des „État de la nature“ in den Naturschutzgebieten um die fünf Zentren der ANF. Dort lassen sich Stempel für den Pass sammeln. Neben Informationen zu den einzelnen Naturschutzgebieten finden sich Fragen, deren komplette Beantwortung für die Teilnahme an einem Gewinnspiel qualifiziert.

Dafür ist allerdings der Besuch einer sechsten Botschaft vonnöten, die wiederum einem anderen fiktiven Staat gehört: Das „Dobaussenministär“ des Kunstkollektives Antropical. Das hatte bereits beim Kolla Festival 2019 eine Botschaft eröffnet und einen ähnlichen Pass herausgegeben. Das „Dobausseministär“ wird über den Sommer durch das ganze Land ziehen – der aktuelle Standort lässt sich auf der Website des Projektes finden.

Neben dem Pass verteilt die ANF auch eine Karte Luxemburgs, auf der sich Naturschutzgebiete und Wanderrouten finden. Der „Vakanz doheem“ steht also nichts mehr im Wege – ob mit oder ohne Pass eines fiktiven Staates.


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