Math-Rock
: Fast schon Zugpferde

Die Math-Rocker von Foals aus Oxford legen bei ihrer aktuellen Tour auch wieder einen Stop in Luxemburg ein, wo sie am Samstag im Atelier aus dem Erfahrungsschatz von mittlerweile vier Alben schöpfen werden.

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Auf dem Weg zum Stadionrock: Foals.

Gerade erst vor wenigen Tagen ist das neueste Album der britischen Band erschienen, und „What Went Down“ sorgt bereits jetzt mächtig für Gesprächsstoff in der Fachpresse. Während es die einen mehr und die anderen weniger goutieren, ist jedenfalls klar, dass das Quintett um den charismatischen Frontmann Yannis Philippakis keine Standardware abgeliefert hat. Doch das war eigentlich auch nicht zu erwarten von den kreativen Briten, die in zehn Jahren Bandgeschichte einige Entwicklungen mitgemacht haben.

Als sie sich 2005 noch in leicht anderer Besetzung zusammenfanden, ließen die kommerziellen Erfolge auf sich warten. Erst mit der Veröffentlichung des Albums „Antidotes“ im Jahr 2008 gelang der Durchbruch. Auf ihrem Plattendebüt ging es noch deutlich mathematischer zu, schön erkennbar waren aber hier bereits ihre Signatur-Gitarrenriffs im Spannungsfeld zwischen Eingängigkeit und Komplexität. Das zweite Album „Total Life Forever“ festigte ihren Stand, wirkte zwar weniger hermetisch, zeigte aber gleichzeitig mit Songs wie „Spanish Sahara“ oder „Afterglow“ die kompositorische Stärke der Band. Mit „Holy Fire“ setzten sie 2013 noch eins drauf und erreichten ihre bis dato höchsten Chartsplazierungen. Die Band wirkte und klang hier reifer, gefestigter, hatte aber auch keine Angst davor, sich weniger hochkomplexen Spielereien zu öffnen.

Nun also ist Album Nummer vier heraus, und die Entwicklung hin zu massenkompatibleren Sounds lässt sich deutlicher erkennen. Während Songs wie „London Thunder“ immer noch an die ausgeklügelten Kombinationen der Vorgängeralben erinnern, geht der Titelsong „What Went Down“ mehr in Richtung eines zugänglicheren Stadionrocks. Unverkennbar und immer noch Spannung erzeugend ist aber die prägende Stimme von Sänger Philippakis. Interessant dennoch, dass die nicht mehr ganz so jungen Fohlen nun auch verbal Abstand nehmen zu ihren Anfängen: So distanziert sich Gitarrist Jimmy Smith in einem Interview mit dem Musikmagazin Intro vom Hitsong „Cassius“ aus dem ersten Album, den er als „die nervigste Kombination von Noten, die jemals aufs Papier gebracht worden ist“ bezeichnet.

Foals mögen vielen als brave Hipster vorkommen, doch besonders Yannis Philippakis zeigt gelegentlich seine raue Seite – Rock‘n‘Roll verpflichtet – und nimmt kein Blatt vor dem Mund – weder wenn es für erforderlich hält, Kritik von Musikerkollegen zu kontern, noch wenn er Kontroversen in der Musikszene, wie etwa die um das Musikstreaming-Portal Spotify, kommentiert. Hier positioniert er sich deutlich auf der Seite der Gegner, sieht in dem Modell eine Missachtung der geleisteten Arbeit und letztlich eine unverzeihliche Ausbeutung der Künstler.

Die Band ist bekannt für ihre hervorragenden Live-Shows, bei denen Sänger Philippakis den Kontakt mit dem Publikum nicht scheut. Schon mehrfach für Preise für ihre Live-Performances nominiert, hat die tourfreudige Band in den letzten Jahren sehr viele große und kleine Locations zu füllen und zahllose Zuhörer zu begeistern vermocht. Wer also noch eine Karte ergattern konnte, darf sich auf einen besonderen Abend freuen – und sollte ja nicht verpassen, den Frontmann beim Crowdsurfen aufzufangen.

An diesem Samstag, dem 5. September im ausverkauften Atelier

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