Paul Thomas Anderson bringt in seinem neuen Film eine ebenso bewegende wie vielschichtige Geschichte auf die Leinwand – über politische Umbrüche, familiäre Bindungen und gesellschaftliche Gräben.

Perfide ist leider eine unnötig stereotype und sexualisierte Figur. (© Warner Bros.)
Mit „One Battle After Another“ liefert Paul Thomas Anderson seinen bis dato vielleicht mutigsten Film – ein wilder, politisch aufgeladener Genre-Mix, der gleichermaßen als Actionthriller, absurde Komödie und Familiengeschichte funktioniert. Die erzählerische Wucht ist unbestritten. Trotzdem bleibt ein schaler Beigeschmack.
Im Zentrum stehen Pat Calhoun (Leonardo DiCaprio), genannt „Ghetto Pat“ oder „Rocketman“, ein Bombenexperte der linksradikalen Widerstandsgruppe French 75, und seine Kampfgefährtin und Geliebte Perfidia Beverly Hills (Teyana Taylor). Die Gruppe überfällt Banken, sabotiert Infrastrukturen – alles im Namen einer gerechteren Welt. Doch der Widerstand forderte seinen Preis.
Der Film beginnt mit wuchtigen, perfekt choreografierten Rückblenden auf die revolutionären Aktionen der French 75. Anderson entfesselt hier eine kinetische Energie, wie man sie sonst eher bei Genre-Regisseuren wie Kathryn Bigelow oder George Miller erwartet – weit entfernt von der introvertierten Langsamkeit früherer Werke wie „Phantom Thread“ oder „There will be Blood“.
Vom Revoluzzer zum Stoner
Dann wird der Film jedoch kleiner, persönlicher. Bob, wie Pat sich mittlerweile nennt, lebt inzwischen in der kalifornischen Provinz, zusammen mit seiner sechzehnjährigen Tochter Willa (Chase Infiniti). Aus dem Revolutionär ist ein dauerbekiffter Vater geworden, der kaum noch weiß, wie er mit der Gegenwart umgehen soll. Die Szenen, in denen er versucht, Willas Freund*innen mit den richtigen Pronomen anzusprechen, sind komisch und schmerzhaft ehrlich zugleich. Es ist diese Spannung – zwischen revolutionärem Erbe und Gegenwart –, die dem Film seine Tiefe gibt.

Ein spannender, witziger und politisch aufgeladener Film über Revolution, Familie und Ohnmacht. (© Warner Bros.)
Wie in „Punch-Drunk Love“ oder „The Master“ interessiert sich Anderson weniger für Auflösungen als für Spannungen – zwischen Figuren, zwischen Welten, zwischen Ideologien. Der eigentliche „Kampf“ spielt sich im Inneren der Figuren ab. Was Anderson hier gelingt, ist beeindruckend: Er verknüpft knallharte Action mit einer reflektierten Auseinandersetzung über politische Gewalt, staatliche Repression und elterliche Verantwortung.
Gleichzeitig ist der Film eine Abrechnung mit dem historischen Scheitern der amerikanischen Linken. Die Vergangenheit – etwa Bobs heroische, aber chaotische Einsätze oder Perfidias blindwütige Ideologie – wirkt ebenso glorreich wie tragisch. Der Film spielt mit dieser Nostalgie, zeigt aber auch: Die Kämpfe hören nie auf. „One battle after another“ – der Titel ist Programm.
Leonardo DiCaprio spielt Bob mit einer Mischung aus müder Liebenswürdigkeit und slapstickhafter Verwirrung – ein Mann, der lieber seine Tochter beschützt, als nochmal die Welt retten zu wollen. Seine Performance ist eine der facettenreichsten seiner Karriere – bewegend, witzig, verletzlich. Er wird unterstützt von Benicio del Toro als stoischer Karate-Lehrer und heimlicher Held des Films.
Doch trotz all seiner Qualitäten ist „One Battle After Another“ kein unproblematischer Film. Gerade in der Darstellung der Schwarzen Frauenfiguren – insbesondere Perfidia – ist oft fragwürdig und stereotyp. Teyana Taylor spielt mit Verve, aber die Figur selbst bleibt eindimensional. Dass sie in einem Moment Revolutionsparolen ruft und im nächsten nach Sex verlangt, während eine Bombe tickt, lässt weniger Tiefe als Provokation vermuten. Hier zeigt sich, dass Anderson zwar mutig in die politische Debatte eingreift, aber bei Fragen intersektionaler Repräsentation ins Straucheln gerät. Seine Fortschrittlichkeit endet zu oft beim weißen, männlichen Protagonisten.
„One Battle After Another“ ist ohne Zweifel ein beeindruckender Film – visuell, erzählerisch, thematisch. Er ist spannend, lustig, erschütternd. Anderson gelingt ein Kunststück: ein politischer Blockbuster, der nicht belehrt. Aber so überzeugend die Struktur, so wuchtig das Thema, so faszinierend die Inszenierung – Andersons Blick auf Schwarze Frauenfiguren bleibt eine Schwachstelle.
Trotzdem: „One Battle After Another“ ist ein Ereignis. Ein komisch-trauriger Film über den Kampf – gegen den Staat, gegen die Vergangenheit, gegen die eigene Ohnmacht. Am Ende geht es weniger um Sieg oder Niederlage, sondern um das Weiterkämpfen.

