Glanz iranischer Frauenstimmen
Quasi im Alleingang haben die beiden Schwestern Mahsa und Marjan Vahdat seit mehr als 20 Jahren den Gesang iranischer Frauen auf dem Globus bekannt gemacht. Wegen der repressiven und besonders frauenverachtenden Politik des Mullah-Regimes, das in Iran sogar Sologesang von Frauen verbietet, mussten beide ins Ausland gehen und in Norwegen aufnehmen und veröffentlichen. Während der letzten Jahre haben beide getrennt, oft a cappella oder sparsam instrumentiert aufgenommen. Nun ist aber wieder ein gemeinsames Album unter dem Titel Heart’s Endless Garden, Woven Verses erhältlich, an dem sie fünf Jahre lang gearbeitet haben. Begleitet werden sie darauf von einem fünfköpfigen Instrumentalensemble, bei dem die Ud und die Kanun-Kastenzither Akzente setzen. Die Kompositionen wurzeln in der alten Tradition. Die Texte stammen von zeitgenössischen iranischen Poeten sowie von den legendären Dichterfürsten Rumi und Hafez. Sie spiegeln die tiefe Beziehung der Sängerinnen zu ihrem Heimatland und die Hoffnung auf die Überwindung der herrschenden Unterdrückung. Ergreifende Lieder und zwei glänzende iranische Frauenstimmen.
Mahsa & Marjan Vahdat – Heart’s Endless Garden, Woven Verses – Kirkelig Kulturverksted
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Istanbul psychedelisch
Baba Zula wurde 1996 in Istanbul gegründet und ist die psychedelische Vorzeigegruppe der türkischen Musikszene im Ausland. Als Rockbands in Europa psychedelische Sounds spielten, bedienten sie sich orientalischer Vorbilder. Baba Zula muss aber nichts importieren, denn diese schwebenden, entrückten Klänge, wie beispielsweise in der Sufi-Musik, sind in ihrer Heimat zu Hause, ebenso wie ungerade Rhythmen. Jetzt hat die Gruppe zum dreißigsten Jubiläum ihr dreizehntes Album unter dem Titel XXX herausgebracht. Viele ihrer älteren Platten, die in der Türkei erschienen sind, sind nur schwer zu finden, die letzten gibt es aber auf dem Glitterbeat-Label. Der Kern der Band, die 2005 in Fatih Akins Istanbul-Film „Crossing the Bridge“ prominent vertreten war, besteht aus dem Perkussionisten Levent Akman und Murat Ertel mit Gesang und der elektrischen Saz, die den Sound der Band prägt. Außerdem erklingt der einhundert Jahre alte Klangerzeuger Theremin. Ümit Adakale bedient vor allem die Darbuka-Trommel und Esma Ertel singt und deklamiert hier und da. Wieder ein erstklassiges Album mit authentisch-anatolischen Trance-Grooves zum dreißigsten Geburtstag!
Baba Zula – XXX – Glitterbeat
Tönender afghanischer Zorn
Sieben Jahre hat man warten müssen, bis das britische Trio Kefaya und die afghanische Sängerin Elaha Soroor nun endlich ein zweites Album herausgebracht haben. Kefaya besteht aus Al MacSween an Synthesizern, Giuliano Modarelli, der die Gitarren bedient, und Joost Hendrickx am Schlagzeug. Am Mikrofon steht Elaha Soroor, die der afghanischen Volksgruppe der Hazara angehört und ihre Heimat 2010 nach Todesdrohungen verlassen musste. Während die erste – preisgekrönte – Platte im weitesten Sinne eher im World-Jazz zu verorten war, ist die neue mit dem Titel Our Freedoms Must Be Won rockig bis punkig. Es ist eine laute und zornige Reaktion auf die von westlichen Staaten schulterzuckend ermöglichte Rückkehr der Taliban. Das Plattencover zeigt einen brennenden Bengalo in Signalrot und die Band spielt aggressiv rockig. Passend dazu singt und shoutet Soroor Songs, die das Quartett unter Einfluss afghanischer Folklore komponiert hat. Unverständlich bleibt, warum man nur online einige wenige der kämpferischen Songtexte finden kann. So muss man sich weitgehend auf den rauen Sound verlassen, um den Zorn nachempfinden zu können. Aber der geht unter die Haut!
Kefaya & Eleha Soroor – Our Freedoms Must Be Won – Radio International
Franko-algerischer Fusion-Rock
Sidi Bemol stammt aus der algerischen Hauptstadt Algier, lebt in Paris und ist einer der großen Namen der Weltmusik in Frankreich. Sein eigentlicher Name ist Hocine Boukella und er nahm zunächst den Künstlernamen Cheikh Sidi Bemol an, den er dann zu Sidi Bemol verkürzte. Als in Frankreich junge Immigrant*innen begannen, die Musik der alten Heimat mit Rock zu verbinden, wie das Orchestre National de Barbès, das von seinem Bruder gegründet worden war, startete auch Bemol als Liedermacher, Sänger und Gitarrist seine Karriere. In seinen Stücken bezog er sich auf verschiedene Stile Algeriens, wie die Musik der Gnawa und Berber und den populären Chaâbi. Diese Elemente verband Bemol mit Rock und Blues und veröffentlichte seine erste Platte 1998. Jetzt gerade ist sein dreizehntes Album erschienen, das den Titel Guellal Montreal trägt. Bemol singt, spielt Gitarre und wird begleitet von einer weiteren Gitarre, Bass und Drums und zusätzlich von zwei Musikern an Guellals, Röhrentrommeln, die bei den Berbern gebräuchlich sind. Zudem hat Bemol auf Reisen in Kanada die Lyrik der dortigen indigenen Bevölkerung kennengelernt, die er einfließen lässt. Sehr interessant!
Sidi Bemol – Guellal Montreal – CSB Productions
World Music Charts Europe Oktober – Top 20
1. Baba Zuka – XXX – Glitterbeat
2. King Ayisoba – Pure Confusion – Mais Um
3. Officina Zoè – Mari e marenne – Linfa
4. Germán DĂaz & Benxamin Otero – Outras trece canciĂłns bonitas – Producciones Efimeras
5. Bronagh Slevin – Rewilding – Bronagh Slevin
6. Tuleje – Nagle Przejasnienia – Gusstaff Records
7. New Era Quartet – Bridge to Sevdah – Snail Records
8. Marcos Coll – Ronsel – Galileo
9. Bandua – Bandua II – Ajabu!
10. Hilal Kaya – Sümbül – CPL-Music
11. V.A. – Folks of Bengal – Banglanatak
12. Kefaya & Elaha Soroor – Our freedoms must be won – Radio International
13. Spectrum Quartett, Ulijanky, Nogaband & Simona Hulejová – Obrázky zo Slovenska – RealMusicHouse
14. BudaPesme – Makedonoja – Balkan Heritage Cultural Center
15. Cocanha – Flame Folclore – Bongo Joe
16. L’Alba – Vivu – Buda Musique
17. Gaoussou Sobra Kouyate – Django Blues – One World Records
18. Riccardo Tesi & Paolo Zampini – Camerock – Visage Music
19. Dobrila & Dorian – Wind to blow – SJF Records
20. Melkutus Party – Mahti – Nordic Notes

