Manfred Kirschner: Bob und die Saumkernperforation im Maschennetz

von | 28.06.2002

(greta) – Eine Umgestaltung der besonderen Art: Manfred Kirschner möbliert das Innere der Galerie 19 rouge nach eigenem Gusto: Bettmatratze, Obstsalatschüssel, Trashbild, Sperrmülltisch, Schallplattenspieler, Vinyl-Scheiben, Nippes, halbleere Teetasse … gestalten den Ausstellungsraum. Kunst und Wohnen in perfekter Symbiose?

Der Bremer Künstler arrangiert ein sehr persönliches Stillleben. Diverse Exponate wie z.B. die LP-Sammlung sind Jugendreliquien der 70er Jahre. Extatischer Technosound als Begleitmusik im Hintergrund lässt auf die heutige Zeit schließen. Vergangenheit und Gegenwart vermischen sich. Es entsteht eine neue Patchwork-Kultur. In seinen Bildern, Installationen und Performances thematisiert Kirschner das Auflösen und Verwischen von Grenzen: Beispielsweise zwischen Kunst, Kitsch und Werbung, Realität und Fiktion, Design und Immaterialität. So ironisiert er auf humorvolle Weise das Leben mit der Kunst als Produzent und Konsument. Eine bemalte Wand mit bunten Spiralformen deutet auf eine frühere Arbeit Kirschners (2001) hin. Sie überdeckt er mit Zeichnungen, die auch auf alten Küchenstühlen Platz finden. Exklusiv sind die künstlerischen Motive. Die Bildinhalte zeigen runde Häkeldeckchen: Diese Art der Handarbeit gilt mittlerweile als stupide Freizeitbeschäftigung, obgleich die Kreationen der Netzmuster auf komplexen Zeichensystemen basieren. Statt zur Nadel greift Kirschner zum Kugelschreiber. Papier ersetzt Garn. Mit Wortbotschaften, Floskeln à la „Thank you…“ von Postkarten, Bierdeckeln, Teppichmatten… Piktogrammen, Emblemen, Kreditkartenlogos schafft er im Grafikstil der 70er Jahre „neue“ Häkelmodelle. Keck betitelt er die Maschenwerke „Kunsttheorieuntersetzer“ und verleiht ihnen ein eigenes Grundalphabet wie man es auch bei Häkelschriften vorfindet. Dem Künstler geht es nicht um die Imitation oder die Nachahmung, sondern um die Interpretation der Dekorationsstücke. Denn wo bleibt letztlich die Kunst? Ribbelt sie sich allmählich im globalen Netz der Patchwork-Gesellschaft auf? Oder verknäult sie sich auf Nimmerwiedersehen in den Nähkästen dieser Welt?

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