VIDEO/INSTALLATION: Spiel mir das Video vom Schmerz

In den 60er und 70er Jahren diente psychische und physische Gewalt sowie Schmerz in der Kunst vor allem dem Protest gegen den Staat und seine Politik. Heutzutage beabsichtigen Künstler wie
Ellen Blumenstein mit diesen Sujets Emotionen zu wecken und zu provozieren.

Eine rechte Hand schlägt im Sekundentakt auf einen nackten Oberschenkel. Unaufhörlich. Passend zum Rhythmus des Liedes von Poplegende Brenda Lee, das im Hintergrund ertönt. Nach einigen Schlägen färbt sich der Schenkel in den Farben schwarz und blau – von den Blutergüssen. Acht Minuten dauert das Ganze und dann beginnt es wieder von vorne. Eine Endlosschleife.

„The Pain Game? dagegen, läuft nach einem festgelegten Muster. Die Spielregeln lauten: Es gibt nur einen Spieler, der Würfel fällt nach seinen eigenen Regeln und das Spiel dauert sieben Minuten. Jeder der den Raum betritt, spielt automatisch mit. Ausnahmen gibt es nicht. Jeder Versuch auszusetzen ist zwecklos. Schon einmal gespielt? Wohl kaum, schließlich ist das Spielbrett eine Galerie für zeitgenössische Kunst und die Spielfiguren sind die ausgestellten Werke.

Seit Anfang Mai ist das neue Projekt der deutschen Künstlerin Ellen Blumenstein in der Galerie Nosbaum & Reding Art Contemporain zu sehen. Unter dem Namen „The Pain Game? stellt Blumenstein Werke von acht KünstlerInnen aus. Zwei Kunstwerke darunter stammen sogar noch aus den 70er Jahren: Der am Anfang geschilderte Film von Ulrike Rosenbach sowie das Werk „The Pain Game?, das der Ausstellung auch ihren Namen verliehen hat und eigentlich nur aus zwei eingrahmten Fotos und einem kleinen Würfel mit einer knappen Spielanleitung besteht.

Etwas enttäuscht ist man zugegebenermaßen schon, wenn man sich unter dem Namen der Ausstellung psychisch darauf eingestellt hat, Schmerzensschreie zu hören oder gar Blut fließen zu sehen. Nichtsdestoweniger stellt man sich beim erstmaligen Besuch kurz die Frage, ob es sich nicht doch um eine Folterkammer handelt. Denn die Ausstellung befindet sich nicht etwa in den oberen Räumen der Galerie – dort erklärt bereits Damien Deroubaix, Bilder mit Skeletten für Kunst – sondern die Aufsicht der Galerie geleitet einen in einen Hinterhof, in dem sich hinter einer grauen Holztür das Grauen verstecken soll. Unheimlich ist es doch ein wenig, wenn man sich anschließend alleine in einem großen Raum befindet, in dem ein jalousienartiges Gebilde mit Lamellen aus schwarzem Latex von der Decke hängt.

Besucher mit einer Arachnophobie dürften beim Anblick der achtbeinigen Insekten, die sich in einer Ecke eingenistet haben, jedenfalls auf ihre Kosten kommen. Teil der Ausstellung sind sie jedoch nicht. Und, dass die ausgestellten Werke Kunst sein sollen, kann man noch nachvollziehen, es steckt aber keine große Kunst dahinter, all diese Werke in einem kleinen Raum im Hinterhof aufzustellen, besonders wenn sie eigentlich zum Verkauf gedacht sind. Wer sein heimisches Wohnzimmer mit einem zwei Meter großen Bild des nackten Oberkörpers einer abgemagerten Frau zieren möchte hat nun die Gelegenheit dazu.

Bis zum 4. Juli in der Galerie Nosbaum & Reding.


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