MALEREI: Weltgemälde

Trotz des oft beschworenen Endes der Malerei widmet sich der Österreicher Manfred Hebenstreit seit mehr als zwanzig Jahren diesem Medium. Immer auf der Suche nach neuen Farben und Formen schöpft der Künstler die besondere Inspiration, die er für seine Arbeit benötigt, aus seinen Reisen. Die Ausstellung „Die Welt als Gemälde“, die derzeit in der Galerie Clairefontaine zu sehen ist, zeigt Arbeiten, die zum großen Teil von Hebenstreits letzter Reise nach Australien inspiriert sind.

Der begeisterte Hobbytaucher entführt den Betrachter in seine Interpretation der Welt des Great Barrier Reef, zeigt Quellen im Regenwald, Höhlen und Grotten, aber auch seine Eindrücke des Monsuns, der zur Zeit seines Besuches in Australien besonders schwer gewütet hat. Immer erkennt man die energische Handschrift des Künstlers, seine impulsive Pinselführung, die aber nie den Eindruck erweckt, beliebig zu sein, wenn er auch dem Zufall seinen Raum zur Entfaltung gewährt.

Durch dieses Vorgehen beherrscht Hebenstreit die Elemente. So verleihen seine Linien dem wild sprudelnden Wasser in einem Bild zusätzliche Dynamik oder glätten in einem anderen die Wogen. Ebenso überlegt handhabt Hebenstreit die Materialien, die er zur Umsetzung seiner Bildwelten einsetzt. Sei es das Holz, das den Panoramen aus seiner Serie „Terra Australis“ eine gewisse Rohheit verleiht oder die Unterwasserbilder auf Glas, die unterlegt mit Fotografien von hinten beleuchtet eine widersprüchliche Stimmung von Beklemmung und Beruhigung vermitteln.

Aufmerksamkeit verdient dabei die besondere, von Hebenstreit ursprünglich für eine Auftragsarbeit entwickelte Form der Glasmalerei. Dafür bringt er seine Farben auf das in der Herstellung noch fast geschmolzene, heiße Glas auf und brennt sie schließlich mit ein. Diese Technik ist aufwändig und zeitintensiv, besonders bei eventuell erforderlichen Korrekturen, gibt den Bildern aber durch die zwangsläufige Verlagerung des Blickwinkels eine größere Tiefe und Plastizität.

Diese Technik lässt aber auch eine weitere Verarbeitung der Glasplatten zu und so finden sich in der Ausstellung auch drei kegelförmige Stelen die Hebenstreit aus solchen Platten gebogen hat. Eine besondere Überraschung bietet ein Triptychon an der Rückwand des „Espace 1“ der Galerie, das nach Meinung der Direktorin Maria Ruiter zu den beeindruckendsten seiner Bilder gehört und schon den ein oder anderen Besucher leicht getäuscht zurückgelassen hat.

Hebenstreit schafft Neues, in dem atemlose Stille sowohl Spannung als auch Ruhe bedeuten kann – verfremdet, teilweise surreal oder abstrakt, aber nachvollziehbar und wiederzuerkennen. Ihm geht es dabei nicht darum eine Deutung oder gar Bewertung dessen, was er sieht und ihn inspiriert, vorzunehmen. Es geht ihm um Kunst, und man sieht, dass er dazu fähig ist.Ihm kann es auf diese Weise tatsächlich gelingen, das Ende der Malerei noch etwas hinauszuzögern.

„Die Welt als Gemälde“ ist noch bis zum 14. November in der Galerie Clairefontaine zu sehen.


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