BRASILIEN: Wahlkampf mit Spottsperre

von | 01.10.2010

Der Sieg von Dilma Rousseff bei der PrĂ€sidentschaftswahl in Brasilien scheint so gut wie sicher. Das „System Lula“ bleibt erhalten – unter anderem auf Kosten des Umweltschutzes.

Profitiert von Lulas PopularitĂ€t: Die Wirtschaftswissenschaftlerin Dilma Rousseff ist die Wunschkandidatin des amtierenden brasilianischen PrĂ€sidenten fĂŒr seine Nachfolge.

Wer zu Marcelo Tas geht, muss sich auf etwas gefasst machen. Der Moderator der brasilianischen Fernsehshow „CQC“ stellt den prominenten GĂ€sten seiner Sendung in der Regel unbequeme und nicht selten politisch unkorrekte Fragen. Zu der Satire-Sendung gehört auch, dass das Publikum intervenieren darf. Ein Zuschauer fragte kĂŒrzlich den PrĂ€sidentschaftskandidaten JosĂ© Serra, ob dieser ein Vampir sei. Serra musste schlucken und entgegnete nach einigem Zögern: Nein, ein Blutsauger sei er nicht, aber er stehe auf FrauenhĂ€lse. Seinen eigenen Hals hat der 68-JĂ€hrige damit in Macho-Manier aus der Schlinge gezogen. Doch ein Ă€hnliches Risiko sich zu blamieren will der ehemalige Gesundheitsminister und Gouverneur des Bundesstaates SĂŁo Paulo nicht noch einmal eingehen. Ein Gesetz kommt ihm dabei zupass. Das verbietet es, bis zu den brasilianischen PrĂ€sidentschaft-, Parlaments- und Regionalwahlen am 3. Oktober im Fernsehen und Radio Witze ĂŒber die Kandidaten und ihre Parteien zu reißen.

Die Spottsperre dauert drei Monate und kann teuer fĂŒr jeden werden, der dagegen verstĂ¶ĂŸt: Hunderttausend ReĂĄis Strafe, also umgerechnet 44.000 Euro, blĂŒhen den Humoristen, die sich nicht an das Gesetz halten. KĂŒrzlich sind sie in Rio de Janeiro auf die Straße gegangen, um gegen den Maulkorberlass zu demonstrieren. „Keine Demokratie dieser Welt hat so ein Gesetz“, schimpft Showmaster Marcelo Tas. Und sein Kollege HĂ©lio de la Peña, der dafĂŒr bekannt ist, Ronaldinho und PĂ©lĂ© zu parodieren, giftet empört: „Das Gesetz ist ein Erbe der Diktatur. Es schadet dem Ruf unseres Landes.“

Dabei hat Luiz InĂĄcio „Lula“ da Silva einiges getan, um Brasiliens internationale Reputation aufzupolieren. Das Land wird als kommende Supermacht gehandelt. Lulas Landsleute danken es ihrem PrĂ€sidenten: Mit einer Zustimmungsquote von 80 Prozent ist der bald 65-JĂ€hrige das beliebteste Staatsoberhaupt der brasilianischen Geschichte. Seit er 2003 in den PrĂ€sidentenpalast einzog, hat er seine PopularitĂ€t steigern können. Die GrĂŒnde dafĂŒr liegen auf der Hand: Den meisten Brasilianern geht es besser als vor seinem Amtsantritt. Obwohl Brasilien nach wie vor zu den LĂ€ndern mit der höchsten Einkommenskonzentration und extremer Ungleichheit gehört, erlebten unter Lulas Ägide mehr als 20 Millionen der insgesamt 192 Millionen Einwohner einen gesellschaftlichen Aufstieg aus der Armut; mit Sozialprogrammen wie „Fome Zero“ und „Bolsa Familia“ sowie einer Steigerung des Mindestlohns um 54 Prozent wurde die Kaufkraft der unteren Schicht erhöht. Die Zahl der unterernĂ€hrten Kinder ging um die HĂ€lfte zurĂŒck.

Die einen loben Lula fĂŒr seine Außenpolitik, mit der er Brasilien ein stĂ€rkeres Gewicht in der internationalen Politik bescherte und selbst zum VorkĂ€mpfer der aufstrebenden SchwellenlĂ€nder wurde, die meisten aber schwĂ€rmen fĂŒr seine StabilitĂ€tspolitik. Zwar schlug er in dieser Hinsicht dieselbe Richtung wie sein VorgĂ€nger Fernando Henrique Cardoso ein, aber Lula beendete die von diesem losgetretene Welle der Privatisierung von Staatsbetrieben. In seiner zweiten Amtszeit forcierte der frĂŒhere GewerkschaftsfĂŒhrer seine wachstumsorientierte Politik und stĂ€rkte die Rolle des Staates als treibende Kraft in der Wirtschaft. In den acht Jahren unter Lula wurden nach SchĂ€tzungen 14 Millionen ArbeitsplĂ€tze geschaffen.

Die brasilianische Volkswirtschaft hat aufgrund eines starken Binnenmarktes, einer diversifizierten Ökonomie und eines umfassenden Investitionsprogramms die weltweite Krise relativ unbeschadet ĂŒberstanden: Die Wirtschaft wĂ€chst nach Angaben von Finanzminister Guido Mantega 2010 um sieben Prozent. FĂŒr die kommenden Jahre wird ein Wachstum von jeweils mehr als fĂŒnf Prozent erwartet. Brasilianische Konzerne wie Petrobras (Öl), Vale (Bergbau), Ambev (Bier), JBS (Fleisch) und Embraer (Flugzeuge) erobern die Welt. Die Wirtschaft besteht aus einem Mix aus Rohstoffkonzernen, Dienstleistungsunternehmen und verarbeitender Industrie mit eigener Forschung und eigenen Produkten. Mehr als symbolischen Wert haben zwei Errungenschaften auf internationalem Parcours: 2014 richtet Brasilien die Fußballweltmeisterschaft aus und Rio de Janeiro 2016 die Olympischen Spiele. In beiden Ereignissen steckt ein enormes Potenzial fĂŒr Investitionen.

Vor dem 3. Oktober, wenn außer dem StaatsprĂ€sidenten der Nationalkongress, der Senat und die Gouverneure der 26 Bundesstaaten und des Hauptstadtdistrikts gewĂ€hlt werden, kann der Amtsinhaber also gut lachen. Seine Nachfolge scheint so gut wie geklĂ€rt zu sein. Er selbst darf laut Verfassung nach zwei Amtszeiten nicht mehr zur Wahl antreten. An seiner Stelle hat er Dilma Rousseff aus seiner Arbeiterpartei (PT) ins Rennen geschickt. Sie verfĂŒgt als Managerin des „Programms zur Beschleunigung des Wachstums“ ĂŒber ein vorzĂŒgliches Empfehlungsschreiben. Nach den Umfragen der vergangenen Wochen könnte sich die frĂŒhere Energie- und PrĂ€sidialamtsministerin den Sieg bereits im ersten Wahlgang sichern. DafĂŒr braucht sie mindestens die HĂ€lfte aller gĂŒltigen Stimmen. Die fĂŒr den 31. Oktober vorgesehene Stichwahl wĂ€re dann nicht mehr nötig. Rousseff lag Anfang September mit etwa 50 Prozent vor dem bereits 2002 gegen Lula unterlegenen JosĂ© Serra, der fĂŒr die rechte sozialdemokratische Partei PSDB antritt und auf kaum 30 Prozent kommt. Auf Platz drei folgt die Kandidatin der GrĂŒnen, Ex-Umweltministerin Marina Silva, mit weniger als zehn Prozent.

In den vergangenen acht Jahren wurden in Brasilien circa 14 Millionen ArbeitsplÀtze geschaffen.

Lulas Wunschkandidatin Rousseff ist also auf gutem Wege, das erste weibliche Staatsoberhaupt Brasiliens zu werden. Dabei sah es vor ein paar Monaten noch ganz anders aus: Ihrem Ruf als farblose und umstĂ€ndliche Technokratin hatte Rousseff alle Ehre gemacht. In den Umfragen hatte sie einen RĂŒckstand von rund 20 Prozent auf Serra. Bis die Marketingexperten aus Lulas Wahlteam der einstigen GuerillakĂ€mpferin gegen das MilitĂ€rregime und Tochter eines bulgarischen Einwanderers das Image einer „Mutter der Nation“ verpassten.

Vor einigen Monaten erkrankte die 62-JĂ€hrige an Krebs, gilt jedoch mittlerweile wieder als geheilt. Zurzeit schwimmt sie auf der PopularitĂ€tswelle des derzeitigen Amtsinhabers. Am stĂ€rksten ist sie im armen Nordosten, wĂ€hrend die Opposition eher im SĂŒden dominiert. Rousseff will die Politik ihres VorgĂ€ngers fortsetzen und auch das BĂŒndnis mit der Zentrumspartei PMDB weiterfĂŒhren. Der Allianz mit dieser Partei der regionalen Eliten und mit anderen Mittel-Links-Gruppierungen sicherte der Regierung Lula das Überleben, als seine PT in mehrere Korruptionsskandale verwickelt wurde. Nicht zuletzt basiert das „System Lula“ auf einem BĂŒndnis mit unterschiedlichen politischen und ökonomischen Akteuren, vornehmlich mit Unternehmern, Großgrundbesitzern und Bankiers.

Die Regierung mag zwar wirtschaftlich glĂ€nzen. Doch vor allem im eigenen Lager haben sich viele ehemalige Mitstreiter enttĂ€uscht von Lula abgewandt. Darunter ist die Senatorin und Umweltaktivistin Marina Silva, die im Mai 2008 als Ministerin zurĂŒck- und aus der PT austrat, unter anderem, weil ihr die ZustĂ€ndigkeit fĂŒr das Amazonasprogramm entzogen worden war. Die einstige Chefin des Umweltressorts entstammt einer Familie von Kautschukzapfern und kam im westbrasilianischen Urwald zur Welt. Sie war Mitstreiterin des 1988 ermordeten Regenwald-Aktivisten Chico Mendes. Marina Silva ist eine eifrige Verfechterin der nachhaltigen Entwicklung und AnhĂ€ngerin der evangelikalen Kirche „Assemblea de Deus“. In der Regierung war sie Gegenspielerin von Dilma Rousseff. Nach ihrem RĂŒcktritt wurde die integre Politikerin, die auf eine enge Zusammenarbeit mit NGOs setzt, von der bisher unbedeutenden GrĂŒnen Partei mit offenen Armen aufgenommen. Nun treten beide Rivalinnen zur Wahl ums höchste Staatsamt gegeneinander an. Sie reprĂ€sentieren dabei zwei grundverschiedene Politikstile: Rousseff schloss sich zwar in ihrer Jugend der Guerilla gegen das MilitĂ€rregime an und saß dafĂŒr einige Zeit im GefĂ€ngnis, gilt aber heute eher als technokratische Strippenzieherin, Silva wird von manchen als idealistische Heilige bezeichnet. KĂ€me es zu einer Stichwahl, spielten die AnhĂ€nger der GrĂŒnen das ZĂŒnglein an der Waage.

Auch die Landlosenbewegung „Movimento Sem Terra“ (MST) ist nicht mehr gut auf ihren einstigen HoffnungstrĂ€ger Lula zu sprechen und schwankt gegenĂŒber der PT-gefĂŒhrten Regierung zwischen UnterstĂŒtzung und Widerstand. Die erwartete Landreform ist ausgeblieben. Die Konzentration des Landbesitzes hat sogar noch zugenommen – nicht zuletzt wegen des Anbaus von Zuckerrohr und Soja fĂŒr die Herstellung von Agrotreibstoffen. Durch die Expansion der Zuckerrohr-Plantagen und Sojafelder werden noch immer Kleinbauern und Indios von ihrem Land verdrĂ€ngt. Angebaut wird vor allem im SĂŒdosten und in Zentralbrasilien. Auch die ViehzĂŒchter drĂ€ngten im Zuge dieser Entwicklung weiter nach Norden in die Amazonas-Region.

Auf internationaler Ebene, vor allem in Europa, war es mit der Euphorie um den Agrartreibstoff schnell vorĂŒber. Der kurz zuvor noch hoch gelobte Sprit vom Acker wurde schnell verantwortlich gemacht fĂŒr gestiegene Lebensmittelpreise und Hunger weltweit, fĂŒr brennende RegenwĂ€lder und moderne Sklavenhaltung. Aller Kritik zum Trotz preist die brasilianische Regierung Ethanol als Wunderwaffe gegen die Armut und den Klimawandel an. Die Emissionen im eigenen Land sollen bis 2020 um 36 bis 39 Prozent gesenkt werden, kĂŒndigte Dilma Rousseff an. Ein entsprechendes Gesetz trat bereits in Kraft. Der nationale Plan zum Klimawandel sieht zudem vor, die Entwaldung zu reduzieren, sowie den Anteil von erneuerbaren Energien und den Verbrauch von Agrartreibstoffen zu steigern. Brasiliens Ziel ist es, bis 2025 etwa zehn Prozent der globalen Nachfrage aus Ethanol zu decken. Um dies zu erreichen, mĂŒsste die AnbauflĂ€che fĂŒr Zuckerrohr verfĂŒnffacht werden.

Dies hĂ€tte wiederum die fortschreitende Entwaldung und einen verstĂ€rkten Einsatz von Pestiziden zum Einsatz und stĂŒnde im direkten Widerspruch zu dem Ziel, den Regenwald zu retten. Die jĂ€hrliche Abholzung soll unter anderem mit Hilfe des so genannten Amazonas-Fonds bis 2020 um 80 Prozent gesenkt werden. Zwar wies Brasilien in den vergangenen zehn Jahren – vor allem unter Umweltministerin Marina Silva – so viele Naturschutzgebiete wie noch nie zuvor aus. Trotzdem ist es das Land mit dem viertgrĂ¶ĂŸten Kohlendioxidausstoß weltweit. Drei FĂŒnftel der Emissionen sind auf die Brandrodung, die Abholzung und die expandierende Viehwirtschaft zurĂŒckzufĂŒhren.

Umweltorganisationen sehen die RinderzĂŒchter und Sojafarmer als Hauptverantwortliche und fordern, die FlĂ€chen fĂŒr die Viehhaltung und den Sojaanbau stabil zu halten. Doch die Agrarlobbyisten sitzen auch kĂŒnftig direkt am Kabinettstisch. Zu Rousseffs BĂŒndnispartnern zĂ€hlt nicht nur die Zentrumspartei, sondern auch die Republikaner des „Soja-Königs“ Blairo Maggi. Der schwerreiche Unternehmer ist Gouverneur des Bundesstaates Mato Grosso und bei den UmweltschĂŒtzern verhasst. Greenpeace zeichnete ihn vor einigen Jahren mit der „Goldenen MotorsĂ€ge“ aus – als grĂ¶ĂŸter Urwaldvernichter. Mittlerweile hat sich Maggi gewandelt. Er befĂŒrwortet ein Sojamoratorium, das besagt, kein Soja zu verkaufen, welches auf abgebrannten RegenwaldflĂ€chen angebaut wird. Doch wie grĂŒndlich dies kontrolliert wird, ist fĂŒr die meisten Beobachter schwer einzuschĂ€tzen.

Auf dem Energiesektor fĂ€hrt Brasilien mehrgleisig. Durch die Entdeckung riesiger Erdölvorkommen im Santos-Becken vor der KĂŒste von Rio de Janeiro mit einem Volumen von schĂ€tzungsweise 4,5 Milliarden Barrel kann Brasilien zu einem der grĂ¶ĂŸten Erdölexporteure der Welt werden. Allerdings liegen die Ölfelder in bis zu siebentausend Metern Tiefe unter einer dicken Salzschicht. Um die technisch schwierige Erschließung zu finanzieren, hat der halbstaatliche Erdölkonzern Petrobras auslĂ€ndische Investoren an Land gezogen und sein Kapital um umgerechnet fast 79 Milliarden US-Dollar aufgestockt. Es ist die grĂ¶ĂŸte Kapitalerhöhung aller Zeiten.

Brasilien ist das Land mit dem viertgrĂ¶ĂŸten Kohlendioxidausstoß weltweit.

Die Energieprobleme des Landes dĂŒrften damit jedoch nicht behoben sein. Sie wurden am 11. November vergangenen Jahres wieder offenbar, als ein Stromausfall weite Teile des Landes ins Chaos stĂŒrzte: Durch den „Bleckaute“ fielen in Hunderten von StĂ€dten – darunter die großen Metropolen – Licht, Telefon, AufzĂŒge, Ampeln und U-Bahnen aus. Ein Unwetter hatte drei Stromleitungen von dem Wasserkraftwerk ItaipĂș ins Landesinnere unterbrochen. Es war nicht der erste Stromausfall, aber eine Blamage fĂŒr die aufstrebende Supermacht. Seither scheint die Stromversorgung noch mehr Vorrang zu haben. So steckt die Regierung eine halbe Milliarde Dollar in den Ausbau des Atomprogramms. Zwischen Rio de Janeiro und SĂŁo Paulo stehen die Atomkraftwerke Angra I und Angra II. Ein drittes soll 2013 ans Netz gehen. Bis 2030 will Brasilien vier weitere AKWs bauen.

Den Großteil seines Stroms gewinnt das Land jedoch nach wie vor aus der Wasserkraft. Als Energieministerin hat Dilma Rousseff schon viele StaudĂ€mme eingeweiht. Ihr grĂ¶ĂŸter Coup dĂŒrfte das von ihrem Ministerium und von den beiden Stromkonzernen Electrobras und Electronorte vorangetriebene Kraftwerk Bela Monte im Bundesstaat ParĂĄ sein. Die PlĂ€ne sind seit Jahrzehnten Gegenstand heftiger Proteste und gerichtlicher Auseinandersetzungen. Die Regierung erteilte im Februar die Baugenehmigung am XingĂș-Fluss, einem der grĂ¶ĂŸten NebenflĂŒsse des Amazonas. Mit einer Spitzenleistung von elf Gigawatt wĂ€re Belo Monte das drittgrĂ¶ĂŸte Wasserkraftwerk weltweit. Die Baukosten werden auf neun bis zwölf Milliarden Euro geschĂ€tzt. Das Konsortium EnergĂ­a Norte hat fĂŒr 35 Jahre das Nutzungsrecht. Durch den Bau, der 2015 fertig sein soll, mĂŒssten mindestens 20.000 Menschen umgesiedelt werden. FĂŒr die Indios bedeutete dies den Verlust ihrer Lebensader. UmweltschĂŒtzer warnen vor schweren SchĂ€den im Amazonasgebiet. Mehr als 400 Quadratkilometer Regenwald sind von der Überflutung bedroht, die FischbestĂ€nde gefĂ€hrdet.

Nach dem Beschluss ĂŒber das Wasserkraftwerk kippte Greenpeace Mist vor das Parlament in Brasilia. Der Belo Monte, der schöne Berg, sei in Wirklichkeit ein Misthaufen, behaupten die Gegner des Projekts. Zwar sollen die Indios mit umgerechnet 570 Millionen Euro entschĂ€digt werden. Aber auch bei frĂŒheren Projekten wurden Kompensationen versprochen. Ausbezahlt wurden sie fast nie. So demonstrieren neben Umweltorganisationen auch Menschenrechtsgruppen gegen das Wasserkraftwerk. Der Hollywoodregisseur James Cameron demonstrierte mit Speer und Kriegsbemalung an der Seite der Indios und anderer Prominenter. Vielleicht fĂŒhlte er sich an sein Science-Fiction-Spektakel „Avatar“ erinnert.

Eher an Horrorfilme erinnern die Videos ĂŒber die beiden PrĂ€sidentschaftskandidaten Dilma Rousseff und JosĂ© Serra, die zurzeit online kursieren. Das Verbot fĂŒr Politikerwitze, ĂŒbrigens aus dem Jahr 1997 stammend, also lange nach dem Ende der MilitĂ€rdiktatur, gilt nicht fĂŒrs Internet. Serra ist seit seinem Auftritt bei Marcelo Tas hĂ€ufig als Vampir zu sehen, Rousseff als hilfloses Opfer. Doch in RealitĂ€t hat die Vertreterin des „System Lula“ ihren Kontrahenten lĂ€ngst abgehĂ€ngt, dessen Programm sich trotz aller Polemiken von beiden Seiten nur wenig von ihrem unterscheidet. Fragt sich nur, ob Dilma Rousseff in Zukunft auf wirtschaftliches Wachstum ohne Wenn und Aber setzt oder Brasilien auch auf ökologischem Gebiet eine „superpotĂȘncia“ wird – eine Supermacht.

Bustos Domecq ist freier Autor der woxx.

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