MALEREI / FOTOGRAFIE: Nothing more than feelings

Gefühle sind Bestandteil und Grund für jede soziale Handlung, und sogar ihr scheinbares Fehlen ist ein Beweis für ihre Anwesenheit. Sie sind der Klebstoff, der unsere Gesellschaft zusammenhält. Man kann ihnen ausgeliefert sein oder sie für eigene Zwecke nutzen, spielt mit ihnen oder wird durch sie zu Besonderem motiviert. Jeder, nicht nur Künstler sind beeinflusst von Emotionen, doch gerade Künstler schöpfen daraus und leben von ihnen. Im Grunde wird jeder kreative Prozess von Gefühlen bestimmt und gelenkt. Demzufolge drückt auch jedes Kunstwerk Gefühle aus und soll diese meist auch bewusst vermitteln. Umso bemerkenswerter ist es Kunstwerke unter dem Titel „Emotions“ in einer Ausstellung zusammenzufassen, und diese Arbeiten, dann auch noch verschiedenen Gefühlen oder gefühlsbeladenen Momenten zuzuordnen.

Aktuell werden im historischen Teil der Villa Vauban während eines ganzen Jahres ausgewählte Werke aus dem 17. bis 19. Jahrhundert neben Arbeiten zeitgenössischer Fotografen präsentiert. Dabei hat man für die Gemälde auf den Bestand der Villa Vauban selbst zurückgegriffen, die Fotografien stammen aus dem Archiv des CNA.

Die Themenfelder sind klar umrissen mit Schlagworten wie „Lebensfreude, Trauer, Melancholie“ oder „Sehnsucht und Fernweh“. Natürlich dürfen auch „Liebe, Lust und Leid“ nicht fehlen, die hier auch räumlich „Familie und Paare“ einschließen.

Mag man als Besucher zunächst davon ausgehen oder erwarten, dass die Fotografien die Emotionen der Gemälde nachstellen, zeigt sich schnell, dass beide Richtungen für sich alleine stehen und schlicht die verschiedenen Gefühle auf unterschiedliche Weise darstellen sollen. Der Vergleich der Arbeiten zeigt neben dem offensichtlichen Wandel des Mediums auch eine mit der Zeit differenzierte Herangehensweise an das Thema Emotionen und damit letztlich auch einen gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit Gefühlen und vor allem der damit verbundenen Intimität. Dabei geht es nicht nur um die kleinen Geheimnisse in den eigenen vier Wänden, sondern vielmehr darum, wie die Menschen selbst mit ihren Gefühlen umgegangen sind und noch umgehen.

Ein anderer Aspekt sind die erweiterten Perspektiven, die sich den Menschen heute bieten. Genügte in der Romantik ein Blick aus dem Fenster ist es heute eine Collage aus allem was der Prospekt eines Reiseveranstalters hergibt. So zeigt besonders Justine Blau mit ihrer Arbeit, dass sich das Fernweh von einst gewandelt hat hin zum nahezu unstillbaren Hunger nach allem.

Interessant ist auch der Wandel in dem, was der Künstler mit seinen Arbeiten von sich selbst preisgibt, wie etwa der Fotograf Bruno Baltzer mit den Aufnahmen seines alzheimerkranken Vaters in einem sich füllenden Swimmingpool.

Betrachtet man allerdings die Aufnahmen von kleinen Gruppen junger Menschen, die Gerson Bettencourt auf einer finnischen Ausflugsinsel gemacht hat, drängt sich der Eindruck auf, dass sich im Laufe der Zeit eben doch nicht so viel verändert hat, wie man gemeinhin annimmt. Sollen diese Bilder im Prinzip für Lebensfreude stehen, sitzen ihre Protagonisten ähnlich gefühlskalt beieinander, wie die Urgroßeltern auf dem Familienporträt.

Hier zeigt sich auch, dass die Arbeiten viel zu oft den Rahmen der angelegten Themenkomplexe sprengen und der schematischen Einteilung damit einen fast willkürlichen Charakter geben. Auf der anderen Seite wird der Besucher so gezwungen quer zu lesen und animiert, auch mal zwischen den Räumen hin und her zu wechseln. So erfüllt die Ausstellung dann tatsächlich ihr Hauptanliegen, „dem Besucher neue und überraschende Sichtweisen“ und Bezüge zwischen den ausgestellten Werken zu ermöglichen.

Zu sehen in der Villa Vauban noch bis zum 7. Mai 2012


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