KARIKATUREN: Brücken zeichnen

Sollten wir nicht besser Brücken bauen, fragt der junge Mann achselzuckend – in seinem Rücken eine über mannshohe, Stacheldraht bewehrte Mauer. Der wohl einfallsloseste Cartoon der aktuellen Ausstellung in der Abtei Neumünster in Luxemburg könnte nichtsdestotrotz als ihr überschreibendes Motto dienen. Im Kreuzgang der Abtei werden derzeit Arbeiten einiger der berühmtesten Cartoonisten der Welt gezeigt, die mit flinkem Strich ihre Ansicht zum Nahost-Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern zum Ausdruck gebracht haben.

Die Ausstellung mit dem Titel „Cartooning in Conflict“ entstand mit Unterstützung der israelischen Botschaften Belgiens und Luxemburgs unter der Schirmherrschaft von „The Parents Circle Families Forum“, einem Zusammenschluss von mehr als 600 palästinensischen und israelischen Familien, die alle mindestens ein Familienmitglied in diesem Konflikt verloren haben. Sie setzen auf Dialog, Toleranz und Aussöhnung statt Vergeltung, Rache und Hass.

Zwangsläufig stehen sich diese beiden Positionen diametral gegenüber und werden dementsprechend vehement in beiden Lagern der Konfliktparteien diskutiert, aber im Grunde doch nur eingenommen. Was sich gegenseitig ausschließt kann nicht mit einem Kompromiss gelöst werden.

Wer dabei die Vernunft auf seiner Seite hat, weiß immer der andere am besten. Allerdings lassen die gezeigten Arbeiten an der Einstellung und Meinung der Künstler selbst keinen Zweifel aufkommen. Auch daran nicht, dass Vergeltung nur ein Euphemismus für Rache ist und Rache zwangsläufig zu einem Teufelskreis führt, der kaum zu durchbrechen ist. Wie in der Zeichnung des Türken Tan Oral, auf der sich abwechselnd zwei Männer immer wieder gegenseitig auf den Kopf schlagen, oder bei Jim Morin, wo sich ein Israeli und ein Palästinenser Steine werfend gegenüberstehen und der eine den anderen fragt, in welcher Runde man gerade sei. Fast folgerichtig hat Morin aus diesem Kreislauf auch direkt einen Familienstammbaum des Nahen Ostens erstellt. Bei vielen Cartoons ist gerade die Herkunft der Künstler interessant, lassen sich die Aussagen ihrer Arbeiten doch oft auch auf ihre Heimatländer beziehen.

Die andere Seite nährt die Hoffnung auf Frieden. Da bleibt auch die obligatorische weiße Taube mit dem Ölzweig im Schnabel nicht aus. Zum Teil wird sie recht klischeehaft dargestellt, aber dann auch gut verpackt und tiefgefroren oder mit Helm und schusssicherer Weste auf der Flucht vor den sie umschwirrenden Kugeln, wie in den Cartoons des Palästinensers Baha Boukhari.

Ein weiterer großer Teil der gezeigten Arbeiten widmet sich dem Thema der eingangs beschriebenen Karikatur vom Brücken bauen und Mauern einreißen. Dabei wird oft aneinander vorbei gebaut oder Puzzlestücke passen nicht zusammen. Es ist ein Kraftakt, den der Mexikaner Dario sogar mit der Erweckung des Adam vergleicht. So wundert es nicht, dass man nach Hilfe von außen schielt. Dabei ist erstaunlich, dass die Cartoonisten, die sich dieses Themas angenommen haben, weniger die Heilserwartungen der Welt an US-Präsident Obama aufs Korn nehmen, als ihr selbst zu verfallen – allerdings in der guten Gesellschaft der Nobelpreisrichter.

In den über vierzig Cartoons kommen natürlich auch die Themen Siedlungsbau, geteiltes Land oder der Fundamentalismus, der in beiden Parteien gegenwärtig ist, nicht zu kurz und werden bissig kommentiert. So bleibt kaum eine Facette des Nahost-Konflikts unberücksichtigt und macht das Wandeln durch den Kreuzgang der Abtei zu einem lohnenden Besuch.

Und eine Lösung für den Konflikt wird von dem Südafrikaner Zapiro gleich mitgeliefert, allerdings nur in dem ausstellungsbegleitenden Kalender: König Fußball verbindet beim gemeinsamen Jubeln. Das hofften schon die Alten Griechen.

Noch bis zum 8. April im CCRN.


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