KOLLEKTIVAUSSTELLUNG: Verborgene Talente

Der „Faachmaart Robert Steinhäuser“ in Leudelange stellt bis zum 30. März die Werke der Hobbykünstler des „Free Room“ aus.

Beim Betreten des Ausstellungsraums fällt einem als erstes die Vielfalt der Farben auf, die aus dem strahlend weißen Hintergrund hervorstechen. In den über hundert ausgestellten Werken sind alle möglichen Techniken, Formate und Unterlagen vertreten. Die Ausstellung kommt einer persönlich interpretierten Rundfahrt durch die Kunstgeschichte gleich. Bleistift-Porträts, surrealistische oder impressionistische Landschaften, expressionistische Abstraktionen, organische Aquarelle, Collagen ? Verschiedenes erinnert an große Künstler wie Gauguin, Géricault oder Monet. Ob meditativ, aggressiv, träumerisch oder fröhlich – alle haben eine unleugbare ästhetische Qualität, sei es im Strich, in den Formen, in der Farbauswahl oder in den Texturen. Hartpappe, Leinwände, Zeichenpapier, eingerahmt oder einfach an die Wand gehängt oder gelehnt, geben dem ganzen Aufbau Dynamik. Vielfältig doch nicht chaotisch. Die Werke sind in der Reihenfolge der KünstlerInnen angeordnet. Da es sich um unbekannte MalerInnen handelt, hat jedeR AusstellerIn eine kleine Beschreibung über sich und seine Werke hinzugefügt, was in dieser verblüffenden Verschiedenheit Klarheit verschafft.

Das eigentlich Erstaunliche aber ist, dass all diese Bilder im gleichen Raum und im selben Kontext entstanden sind, von Kunstschaffenden verschiedener Altersgruppen, Milieus, Kulturen und sozialen Schichten. Alle Arbeiten sind im „Free Room“ entstanden. Ein Ort für Streetwork geschaffen, aber für jeden frei zugänglich. Er gewährt nicht nur Unterschlupf, sondern fördert Kreativität, Austausch, Zusammenleben und Teilen. Das Zusammenkommen im „Free Room“ erlaubt außer dem Malen auch das Lernen – und das, obwohl es keine Lehrperson gibt. Jeder kann seiner Kreativität freien Lauf lassen und durch Austausch mit den Anwesenden über seine Arbeiten nachdenken. Es geht eigentlich weniger darum, die Leute zu beschäftigen, als ihnen die Chance zu geben, zu zeigen, was sie drauf haben. Mit letztlich geringen Mitteln können die Teilnehmenden ihre Fähigkeiten beweisen.

Ebenso, wie die Ausstellung ermutigend und befriedigend für die Kreativen ist, bietet sie auch einen erfrischenden und positiven Blick auf die Gesellschaft. Deren Entgegenkommen hat zum Schaffen von Kunst geführt, und diese wiederum ermöglicht einen Austausch, sei es unter den KünstlerInnen selbst, sei es mit dem Publikum. Wenn auch die Werke individuell und persönlich sind, steht hinter der gesamten Aktion doch ein Kollektiv. Die Beteiligten, der Gründer des „Free Room“ und die „Fondation Thierry van Werveke“, haben seit über einem Jahr auf dieses Vorhaben hin gearbeitet. Mit Unterstützung von der „Stëmm vun der Strooss“ und der Firma Steinhäuser wurde es zu einem konkreten Unternehmen.

Das Außergewöhnliche an dieser Ausstellung sind nicht nur ihr Konzept und das bunte Resultat, sondern die Tatsache, dass sich eine Kunstmanifestation einmal nicht zu ernst nimmt und stattdessen Lebensfreude und Begeisterung für Kunst und Kreativität ausstrahlt. Eigentlich ist es sogar mehr als das, denn die „Free Room“-Expo vermittelt ein Stück Humanität und entspricht so wohl Beuys Vorstellungen: „Die Kunst ist nach meiner Meinung die einzig evolutionäre Kraft. Das heisst, nur aus der Kreativität des Menschen heraus können sich die Verhältnisse ändern.“

Bis zum 30. März im Fachmaart Robert Steinhäuser in Leudelingen.


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