
(© Dörlemann Verlag)
In einer farbenfrohen, doch nicht zu verschnörkelten Sprache erzählt Sabine Eschbach in ihrem Romandebüt „Seerauchen“ die Geschichte eines Jungen, der anders als die anderen Kinder einer Dorfgemeinschaft ist. Josef Leible fängt erst mit sieben Jahren zu sprechen an, besucht zwei Jahre später erstmals die Schule, sieht Töne – gesprochene Worte voll Häme und Feindseligkeit sind für ihn grün oder blau – und lebt die meiste Zeit in seiner eigenen Welt, zu der selbst seine Mutter Martha kaum Zugang hat. Mit dem Aufstieg der Nationalsozialisten kippt die Stimmung im Dorf, wobei schon zuvor Menschen, die durch ihr Verhalten auffielen, für ihr Anderssein bestraft und ausgeschlossen worden waren. Für Josef wird die Situation immer gefährlicher – bis sich der Hass gegen ihn endgültig Bahn bricht. Eschbach zeichnet in „Seerauchen“ nicht nur auf äußerst stringente Weise die schrittweise Eskalation einer ideologisch unterfütterten Gewalt nach, sondern entwirft auch ein äußerst komplexes wie berührendes Porträt eines besonderen Jungen, der sich zurechtfinden muss in einer für ihn fremdartigen Welt. Dabei birgt das Buch auch Trost und Hoffnung. Eine zwischen unterschiedlichen Stimmungslagen fein austarierte Geschichte.

