Das iranische Regime hat im vergangenen Jahrzehnt in verschiedene Konflikte im Nahen Osten eingegriffen, um in der Region an Einfluss zu gewinnen. Doch die Durchsetzung der eigenen MachtansprĂĽche erweist sich vielfach als schwierig, vor allem in Syrien.

Armee Gottes: Offiziell Teil der iranische Armee, sind die Revolutionsgarden (Pasdaran) in Wahrheit eine militärische Parallelstruktur, die über eigene Unternehmen und daher auch über eine unabhängige ökonomische Basis verfügt. Sie sind der Aufrechterhaltung des islamischen Systems verpflichtet, dessen Ausdehnung dem Verständnis des Regimes nach nicht auf die Grenzen nationaler Souveränität reduziert ist.
Wer weiß, ob die Tränen echt waren, aber das Bild war bezeichnend: Gramgebeugt saß Qasem Soleimani, der Chef der al-Quds-Einheit, bei der Trauerfeier für den Revolutionswächter Hassan Shateri. Das hochrangige Mitglied der iranischen paramilitärischen Spezialeinheit war in der vergangenen Woche in Syrien, vermutlich von Aufständischen, in einem Hinterhalt erschossen worden.
Es läuft derzeit nicht gut für die iranische Machtpolitik im Nahen Osten, die das Regime im Laufe des vergangenen Jahrzehnts aggressiv betrieben hat, um die Rolle des regionalen Hegemons zu setzen. Spätestens seit Beginn der Umbrüche in den arabischen Ländern fällt das mit großen Kosten und Mühen errichtete kleine iranische Imperium, das zuletzt gehofft hatte, durch Kontakte zur Hamas und Hizbollah seinen Einfluss am Mittelmeer zu stärken, langsam in sich zusammen.
Die Hamas, die der Iran jahrelang aufwendig unterstützte, hat mehr oder minder die Seiten gewechselt und verspricht sich mehr von der Annäherung an Katar. Die Stabilität des Irak ist bedroht, und dass die Islamische Republik Iran auf eine andere irakische Regierung wieder so viel Einfluss haben wird, wie es derzeit der Fall ist, ist unwahrscheinlich.
Als reale VerbĂĽndete des Iran bleiben Bashar al-Assad und die Hizbollah.
In Bezug auf Bahrain und die Proteste der dortigen schiitischen Bevölkerungsmehrheit sind der iranischen FĂĽhrung die Hände gebunden: Dort sind derart vitale Interessen der Golfstaaten bedroht, dass eine iranische Einmischung nicht hingenommen wĂĽrde. Der Jemen beklagt regelmäßig die iranische Einmischung in Form von Waffenlieferungen an die schiitischen Houthi-Rebellen, während sich der Iran vor einigen Tagen „empört“ an den UN-Sicherheitsrat gewandt und Berichte von UN-Beobachtern zurĂĽckgewiesen hat, die iranische Waffenlieferungen an die somalischen Islamisten festgestellt haben wollen.
Was diese vermutlich von den Revolutionswächtern koordinierten Aktionen dem iranischen Regime letztlich bringen, ist unklar. Dasselbe gilt für die globalen Ambitionen von Präsident Mahmoud Ahmadinejad: Seit der andere große Führer der iranisch-lateinamerikanischen Achse, Hugo Chávez, seinem Tod entgegengeht, sind diese Pläne ebenfalls dem Tod geweiht. Schließlich hat die jüngste Annäherung Ahmadinejads an Ägypten zwar zu einer neuen Kontaktaufnahme und gegenseitigen Besuchen, aber de facto zu keinen konkreten Ergebnissen geführt. Dass in Kairo ein Schuh auf Ahmadinejad geworfen wurde, verdarb dazu noch die mediale Wirkung des Staatsbesuchs.
Als reale Verbündete des Iran bleiben Bashar al-Assad und die Hizbollah. Die Hizbollah muss vorsichtig sein, sie agiert in einem extrem komplexen Umfeld und hat eigene Interessen zu verteidigen. Und Assad wird früher oder später stürzen.
Symbolisch fĂĽr diesen verlorenen Kampf der iranischen Machthaber steht derzeit jener Hassan Shateri, der die Galerie der iranischen Helden, die im „Kampf gegen Imperialismus und Zionismus“ gefallen sind, gerade bereichert hat. Er war ein Kommandeur der al-Quds-Einheit, der fĂĽr Operationen im Ausland zuständigen Abteilung der Revolutionswächter. Je nachdem, wie man seine Tätigkeit gewichtet, wird er in den Nachrufen mal als „Ingenieur“, mal als „General“ bezeichnet. Offiziell war er fĂĽr den mit iranischer Hilfe erfolgten Wiederaufbau in schiitischen Gebieten im Libanon zuständig, die 2006 von Israel bombardiert worden waren. Eine saudische Zeitung glaubt nun aber zu wissen, Shateri habe die FĂĽhrung der Hizbollah politisch beraten, wobei die eine Tätigkeit die andere nicht ausschlieĂźen muss.
Dass er sich allerdings vor seiner Ermordung in Aleppo aufgehalten habe, um dort den Wiederaufbau vorzubereiten, klingt dann doch eher seltsam; schlieĂźlich sorgt das syrische Regime in seinem Ăśberlebenskampf derzeit dafĂĽr, dass Aleppo weiter zerstört wird. Und nach dem Ende Assads wird es fĂĽr einen iranischen Revolutionswächter wohl kaum Möglichkeiten geben, etwas in Aleppo „wiederaufzubauen“. Auch ĂĽber die Umstände des Todes Shateris gibt es Unstimmigkeiten. Wahrscheinlich ist er nahe der libanesischen Grenze von syrischen Aufständischen erschossen worden; einem Sprecher der oppositionellen „Free Syrian Army“ zufolge ist er jedoch bereits bei dem israelischen Bombardement auf einen mutmaĂźlichen syrischen Waffentransport fĂĽr die Hizbollah Ende Januar umgekommen. Das iranische Regime hat Israel bereits „Vergeltung“ angedroht. Die ganze Affäre spielte sich wie die ĂĽbrige Hilfestellung des Iran fĂĽr seine VerbĂĽndeten in der Region im Zwielicht ab.
Ein weiteres Beispiel war die so spektakulär wie dubios klingende Meldung der „Washington Post“ ĂĽber eine 50.000 Kämpfer starke Miliz, die der Iran angeblich bereits fĂĽr die Zeit nach Assad in Syrien aufstelle. Konkrete Hinweise auf die Existenz einer Miliz in dieser Größenordnung gibt es jedoch nicht, sieht man von vollmundigen AnkĂĽndigungen aus dem Lager der Revolutionswächter vom vergangenen Jahr ab, die von einer entstehenden syrischen Basij-Armee sprachen. Die Basij sind jene iranischen Miliz- und Schlägertrupps, die im Jahr 2009 maĂźgeblich halfen, die Demonstrationen der „GrĂĽnen Bewegung“ zu unterdrĂĽcken.
Vermutlich jedoch ist die Idee fĂĽr eine syrische Basij-Miliz bloĂź einem weiteren Zwist innerhalb des iranischen Establishments entsprungen, nämlich der Konkurrenz zwischen AuĂźenminister Aki Akbar Salehi, der fĂĽr eine gemeinsame regionale Friedensinitiative warb und den Revolutionswächtern, die dabei mitentscheiden wollten. Dass es eine iranische militärische Hilfe fĂĽr das syrische Regime gibt, steht jedoch auĂźer Zweifel, die Iraner selbst haben es längst zugegeben. Syrien gilt den Ideologen des Regimes schlieĂźlich als „Irans 35ste und strategisch wichtigste Provinz“, wie der Chef eines iranischen Think Tanks jĂĽngst vor Basij-Angehörigen demonstrativ verkĂĽndet hat.
Was das syrische Regime selbst von den iranischen Instrumentalisierungen hält, ist eine andere Frage. Berichte aus Gebieten unter Regierungskontrolle deuten darauf hin, dass bis auf kleinere schiitische Gruppen die mittlerweile entstandenen Milizen oder „Volkskomitees“ direkt vom syrischen Regime abhängig und keineswegs iranische Dependancen sind. Die unverschleierten weiblichen Milizionärinnen, die ein Journalist des „Guardian“ kĂĽrzlich in Homs bei StraĂźenkontrollen beobachtete, dĂĽrften jedenfalls nicht ganz den orthodoxen iranischen Vorstellungen entsprechen.
Oliver M. Piecha ist freier Autor und schreibt unter anderem fĂĽr den Blog
http://freeirannow.wordpress.com.

