Im Kino: Ich bin dein Mensch

„Ich bin dein Mensch“ wirft interessante Fragen über künstliche Intelligenz und romantische Beziehungen auf. Nachgegangen wird ihnen jedoch nicht, sodass Maria Schraders Film letztlich weder als Sci-Fi-Film noch als Romanze funktioniert.

Alma und Tom lernen sich bei einem Spaziergang besser kennen. (© Christine Fenzl, Majestic)

Ist eine Liebesbeziehung zwischen einem Menschen und einer Maschine möglich? Mit dieser Frage befassten sich in den vergangenen Jahren gleich mehrere Filme, wobei Spike Jonzes „Her“ (2013) und Alex Garlands „Ex Machina“ (2014) wahrscheinlich die bekanntesten davon sind. In ersterem ist der Protagonist Theodore (Joaquin Phoenix) mit einer körperlosen künstlichen Intelligenz namens Samantha (Scarlett Johansson) zusammen. Die Prämisse von letzterem wiederum geht zwar weit über die einer Romanze hinaus, die Gefühle, die Caleb (Domhnall Gleeson) für Roboter Ava (Alicia Vikander) entwickelt, sind jedoch für den Handlungsverlauf maßgeblich.

Obwohl es sich dabei nur um zwei Beispiele handelt, wird an ihnen bereits eine Tendenz erkennbar: Die Menschen in diesen Konstellationen sind typischerweise männlichen Geschlechts, die künstliche Intelligenz dagegen ist weiblich kodiert. Maria Schraders „Ich bin dein Mensch“ ist einer der ersten Filme, in denen dieses Verhältnis umgedreht wird. Darin erklärt sich die Wissenschaftlerin Alma (Maren Eggert) bereit, an einem Forschungsexperiment teilzunehmen. Das Ziel: beurteilen, ob eine romantische Beziehung mit einem personalisierten Dating-Roboter empfehlenswert ist. Alma ist von Anfang an skeptisch: Sie hat gerade gar kein Bedürfnis nach einer Beziehungsperson – egal ob menschlich oder nicht. Weil sie sich dadurch Fördermittel für ihr eigenes Forschungsprojekt erhofft, willigt sie dennoch ein, den humanoiden Roboter Tom (Dan Stevens) für drei Wochen bei sich wohnen zu lassen.

Trotz Roboter-Aspekt hat „Ich bin dein Mensch“ mehr mit einem Film wie „How to Lose a Guy in 10 Days“ als mit obengenannten Sci-Fi-Filmen gemeinsam. Alma gibt sich nicht die geringste Mühe, um eine Beziehung zu Tom aufzubauen, und wenn sie ihn nicht gerade ignoriert, nörgelt sie unablässig an ihm herum. Das stellt für den Roboter allerdings kein Pro-
blem dar: Gescheiterte Kommunikation sei das beste Mittel, um sich besser auf Alma einstellen zu können, erklärt er ihr an einer Stelle. Reagiere sie negativ auf eine seiner Aussagen und Handlungen, so Tom, nehme er eine entsprechende Korrektur vor, die künftige Unannehmlichkeiten verhindere. Nur: Er tut das im Laufe des Films nicht wirklich. Auch wenn Alma Grenzen zieht, lässt Tom oftmals nicht locker. Nun könnte man das so interpretieren, dass Toms Hersteller*innen ihm bewusst Schwächen einprogrammiert haben, wie etwa die begrenzte Fähigkeit, aus vergangenen Fehlern zu lernen. Ob Tom aber nun nach Design funktioniert oder nicht, bleibt bis zum Ende des Films unklar. Solche und ähnliche Fragen werden in „Ich bin dein Mensch“ immer wieder aufgeworfen, ohne dass ihnen aber konsequent nachgegangen würde.

Maria Schrader war offensichtlich daran gelegen, gängige Handlungsverläufe von Sci-Fi-Romanzen zu vermeiden. Demnach ist es nicht so, dass die skeptische Alma sich im Laufe der Zeit Hals über Kopf in Tom verliebt. Anders als bei „Her“ und „Ex Machina“ emanzipiert sich die künstliche Intelligenz auch nicht irgendwann von den Menschen.

Doch wenn sich keine der beiden Parteien entwickelt, bleibt nur eine weitere Option: der Status quo. Wir lernen Alma, ihre Ambitionen und ihr soziales Umfeld zwar nach und nach besser kennen, ansonsten passiert in „Ich bin dein Mensch“ jedoch herzlich wenig. Dass Tom ein Roboter ist, ist für die Handlung letztlich unwesentlich: Die Selbstreflexion, zu welcher er Alma anregt, hätte ebenso im Rahmen einer Psychotherapie ausgelöst werden können.

Das Gutachten, das die Protagonistin für den Ethikrat über das Experiment verfasst, resümiert die Botschaft, die auch Schrader vermitteln will. Die Vorstellung, dass Menschen wie Alma sich enttäuscht von der Menschheit ab- und zu künstlichen Lebensformen hinwenden, ist für sie eine zutiefst pessimistische. Was auf dem Papier nach einer vielversprechenden These klingt, vermochte Schrader leider nicht zu einem ansprechenden Spielfilm zu verarbeiten.

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