Im Kino: Men

Wie schon in „Ex Machina“ stellt Alex Garland auch in seinem neusten Film toxische Männlichkeit in den Fokus. Auch wenn dies in „Men“ sehr viel plakativer geschieht, so gibt es dennoch viele Gründe, sich den Horrorstreifen anzuschauen.

Als Harper im Wald auf einen dunklen Tunnel stößt, fängt „Men“ an, gruselig zu werden. (© Ascot Elite Entertainment Group. All Rights Reserved)

Eine Frau namens Harper (Jessie Buckley) bezieht alleine für zwei Wochen ein Landhaus. Sie, die gerade Traumatisches erlebt hat, will zur Ruhe kommen, sich emotional auf einen Neubeginn vorbereiten. Entspannen, spazieren gehen und auch ein wenig arbeiten steht auf dem Programm. Das Abschalten fällt ihr jedoch schwer, immer wieder wird sie von Erinnerungen überwältigt: an ihre gewaltvolle Ehe und deren brutales Ende. Doch es bleibt nicht bei Erinnerungen, Harper wird zunehmend von Horrorvisionen heimgesucht.

Das beschreibt im Grunde schon die gesamte Handlung von Alex Garlands „Men“. Herzstück des Films ist neben der gruseligen Atmosphäre und der nicht abreißenden Spannung vor allem eine Analogie, auf die bereits der Titel hindeutet: die Allgegenwart toxischer Männlichkeit. Garland verortet deren Ursprung offenbar im biblischen Eden, wie an zahlreichen visuellen Referenzen deutlich wird: Äpfel, Feigenblätter und ein mysteriöser, splitterfasernackter Mann sind nur einige davon.

Es ist nicht der erste Film, in dem sich Regisseur und Drehbuchautor Garland mit patriarchaler Unterdrückung auseinandersetzt: Auch schon der 2014 erschienene „Ex Machina“ handelt vom Kontrollbedürfnis der männlichen Figuren gegenüber den weiblichen. Anhand zwei sehr unterschiedlichen Figuren, dem Macho Nathan einerseits und dem sensiblen Caleb andererseits, zeigte Garland auf, wie dieses Machtverhältnis hergestellt werden kann: sei es durch Beschützerverhalten, das Gefühl intellektueller Überlegenheit oder auch durch Gewalt und Manipulation.

„Men“ ist weniger nuanciert, hier geht es allerdings auch nicht um Männer aus Fleisch und Blut. Was Harper erlebt, ist vielmehr Ausdruck ihrer Ängste. „Men“ handelt nicht von den Handlungsmotiven und Rechtfertigungsversuchen von Männern. Anhand verschiedener Männer-Typen zeigt Garland zum einen vielmehr die unterschiedlichen Wirkungsweisen des Patriarchats auf: Stalking, Victim blaming, Slut Shaming, Gewaltverharmlosung, um nur einige zu nennen. Zum anderen geht es vor allem um das Erleben und die Verteidigungsversuche des Opfers. Äußern sich die Visionen zunächst noch in Form von unerklärlichen Geräuschen, so nehmen sie irgendwann Gestalt an. Egal wo Harper hingeht, überall begegnet sie gleich aussehenden Männern und auch wenn manche anfangs sympathischer wirken als andere, so werden früher oder später alle zur Bedrohung – und sei es nur dadurch, dass sie toxisches Verhalten anderer Männer begünstigen. Doch auch wenn im Laufe des Films immer wieder die gleiche Idee wiederholt wird: Die Ästhetik, das Sounddesign und die durchweg beeindruckenden Schauspieler*innen verleihen jeder Szene etwas Einzigartiges.

Eine große Schwäche gegenüber „Ex Machina“: In letzterem wird männliche Unterdrückung auf soziale und kulturelle Ursprünge zurückgeführt. Im Gegensatz dazu wird in „Men“ impliziert, dass sie bereits in der menschlichen Natur verankert ist. Männer, so suggeriert Garlands Film, sind von Geburt an frauenfeindlich. Doch auch wenn eine weniger essenzialistische Darstellungsweise wünschenswert gewesen wäre, sehenswert ist Garlands neuer Film allemal. Was Jordan Peele in „Get out“ (2017) in puncto Rassismus verdeutlichte, illustriert „Men“ in Bezug auf Sexismus: Auch wenn sich diese Diskriminationsformen je nach Situation und Person unterschiedlich äußern, auf struktureller Ebene gibt es kein Entkommen vor diesem omnipräsenten Horror.

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Bewertung der woxx : XX


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