
(© Netflix)
Noah Baumbachs „Jay Kelly“ wirkt wie ein unerwarteter Ausrutscher des US-amerikanischen Filmemachers, der sich mit frühen Werken wie „Kicking and Screaming“ (1995) und „The Squid and the Whale“ (2005) einen Namen machte. Jay Kelly (George Clooney), sonst der Typus, den Baumbach gnadenlos seziert, wird hier fast schon liebevoll abgefedert – obwohl er ein selbstmitleidiger Boomer bleibt, gefangen in nostalgischen Tagträumen und unfähig, seine eigenen Beziehungstrümmer zu verstehen. Kellys Manager Rob (Adam Sandler) verkörpert exemplarisch, wie Menschen im Orbit eines narzisstischen Stars langsam ausgehöhlt werden. Statt diese Dynamiken klar herauszuarbeiten, verliert sich der Film in nostalgischer Melodramatik, weichgezeichneten Rückblenden und einer Musik, die jede Szene emotional überzuckert. Immer wieder darf Kelly zudem seine „Menschlichkeit“ in Situationen beweisen, die eher wie Karikaturen des Alltags wirken. Zwischen vereinzelten gelungenen Momenten dominiert ein diffuser Promi-Weltschmerz, der Tiefe suggeriert, aber kaum liefert. Die sonstige Nüchternheit Baumbachs fehlt völlig, und so verbringt man über zwei Stunden damit, Kelly beim Stolpern durch seine eigenen Blindstellen zuzusehen.

