Indie-Games: Unabhängige Pausenfüller

Vom Riot-Simulator bis zum interaktiven Kunstprojekt – in der Indie-Games-Szene finden sich oftmals die interessanteren Spielideen und frischere Konzepte als in Blockbuster-Titeln. Die woxx hat sich auf Entdeckungsreise gemacht.

Wer sich mit Computerspielen beschäftigt, kommt um die Verkaufsplattform Steam kaum herum. Zwar gibt es mittlerweile Konkurrenz wie Gog.com und den Epic Store, für unabhängige Entwickler*innen sind diese Plattformen jedoch nur bedingt geeignet. Vor allem für Spiele, die eher kurz und experimentell sind, sind die Hürden oft zu groß. Zum Glück gibt es itch.io. 2013 wurde die Site gegründet, um Indie-Spieleentwickler*innen eine Plattform zu bieten, auf der sie einerseits fair bezahlt werden, andererseits aber auch leicht ihre Spiele online stellen und zum Verkauf anbieten können. Neben Videospielen finden sich auf der Plattform auch Comics, Musik, Kunst und Rollenspiele. Um die Black Lives Matter-Demonstrationen zu unterstützen, wurde eine Spendenaktion ins Leben gerufen: Wer mindestens 5 Dollar spendete, erhielt über 1.000 Spiele und andere digitale Inhalte von itch.io. Die hier vorgestellten Spiele stammen alle aus dieser Aktion, sind jedoch auch einzeln zu erwerben.


A Short Hike

Als anthropomorpher Vogel unternimmt man in diesem kurzen Spiel eine Wanderung zum Hawk Peak. Ganz so einfach ist der Weg dahin nicht, denn zwischen Protagonistin und Gipfel stehen so einige Hindernisse. Die Jump’n’Run-Mechanik, die an Klassiker wie „Super Mario 64“ erinnert, ist nicht sonderlich schwer, sodass auch Anfänger*innen oder Menschen, denen das Genre normalerweise nicht liegt, ihren Spaß haben. In dem Erholungsgebiet rund um den Berg gibt es viel zu entdecken und beinahe jedes Gespräch mit den vielen Tourist*innen bringt eine neue Facette zum Vorschein. Auch wenn „A Short Hike“ in wenigen Stunden durchgespielt ist, so lädt die wunderschön gestaltete Landschaft zum mehrmaligen Spielen ein. Ein digitaler Kurzurlaub für Tage, an denen das Wetter zum Drinnenbleiben statt zum Wandern einlädt.


Democratic Socialism Simulator

Es gibt viele Games, bei denen die Spieler*innen in die Rolle von Politiker*innen schlüpfen sollen. Der Handlungsspielraum ist dabei jedoch paradoxerweise oft begrenzt. Ein gutes Beispiel ist „Sim City“, das überhaupt kein anderes Modell als die autozentrierte US-amerikanische Stadt vorsieht. An der herrschenden Wirtschaftsordnung kann, wenn überhaupt, höchstens ein wenig herumgeschraubt werden. Der „Democratic Socialism Simulator“ der Spiele-Aktivist*innen von Molleindustria ist anders: Als erste*r sozialistische*r Präsident*in der USA sollen die Spieler*innen sich beweisen, ohne dabei die Chancen auf eine Wiederwahl zu verspielen. Das Spiel funktioniert ähnlich wie die bekannten Fragebögen, die vor jeder Wahl eine Hilfestellung zur Entscheidungsfindung geben sollen: Eine politische Maßnahme wird vorgestellt und man kann sie ablehnen oder ihr zustimmen und dementsprechend ändert sich die politische Zustimmung und das zur Verfügung stehende Budget. Ein Durchlauf dauert etwa eine halbe Stunde – trotzdem lernt man in der kurzen Zeit viel über Politik und das, was theoretisch möglich wäre.

Kids

Ist „Kids“ ein Spiel oder doch eher ein interaktives Kunstwerk? Es ist müßig, diese Unterscheidung machen zu wollen, aber es würde wohl niemanden überraschen, tauchte dieses Spiel in einem Museum für moderne Kunst auf. Als Spieler*in kontrolliert man stilisierte weiße Figuren in einer schwarz-weißen Landschaft. Mal alleine, mal in einer großen Gruppe springen jene in bodenlose Löcher, schwimmen durch Kanäle, klatschen, suchen einen Ausgang. Was genau das Ziel des Spieles ist – oder ob es überhaupt eins gibt – ist nicht ersichtlich. Das ist aber auch überhaupt nicht nötig, die visuelle und akustische Stimulierung, die „Kids“ bereithält, ist auf eine so seltsame Art und Weise befriedigend, dass sich die Frage gar nicht mehr stellt.


Tonight We Riot

Straßenschlachten mit der Polizei führen, Fabriken besetzen, Molotowcocktails werfen – in „Tonight We Riot“ lässt sich das revolutionäre Potenzial ganz ohne realen Sachschaden ausleben. Das spielt sich jedoch nicht wie ein Action-Game oder Shooter, sondern eher wie ein frühes „Super Mario“ oder sonstige Gameboy-Titel. Neben der pixeligen Retrografik sind auch beim Design der Level und der Spielwelt einige Anlehnen an Mario zu bemerken. „Tonight We Riot“ ist dennoch mehr: Neben der eigenen Spielfigur muss die Gruppe der Demonstrierenden kontrolliert werden, außerdem müssen verschiedene Gegenstände wie Pflastersteine oder Molotowcocktails gemanagt werden. Auch einige linksradikale Ikonen wie etwa der griechische „Riot Dog“ Loukanikos haben einen Gastauftritt.

Catlateral Damage

Viele Katzenhalter*innen kennen das Phänomen vermutlich: Man schaut zwei Minuten nicht hin und schon ist die Wohnung komplett demoliert. In dem Spiel „Catlateral Damage“ ist es möglich, in die Rolle eines zerstörungswütigen (aber sehr süßen) Kätzchens zu schlüpfen und eine Wohnung auseinanderzunehmen. Ziel ist es, innerhalb einer bestimmten Zeit so viel Chaos wie möglich zu verbreiten und möglichst viele Gegenstände auf den Boden zu werfen. Für verschiedene Objekte gibt es Bonuspunkte, außerdem können nach und nach verschiedene Katzen freigeschaltet werden. Neben dem Spiel an Computer und Konsole ist es auch möglich, „Catlateral Damage“ mit einem Virtual Reality-Headset zu spielen und so möglichst authentisch in die Rolle einer Katze zu schlüpfen. Besonders viel Tiefgang hat das Spiel nicht, dafür macht es unglaublich viel Spaß – und es gibt keine Katzenklos, die gereinigt werden müssen.


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