
(© JebLoyNichols)
Man kann sich glücklich schätzen, wenn man in seinem Leben einen musikalischen Begleiter wie Jeb Loy Nichols hat. „Fellow Travellers“ – so hieß passenderweise um 1990 auch die erste „richtige“ Band des Musikers, der da längst schon Kolleg*innen wie die Rapperin Neneh Cherry („Raw Like Sushi“), Ari Up von „The Slits“ und den Dub-Produzenten Adrian Sherwood zu seinen treuen Weggefährt*innen zählte. Von Missouri nach Wyoming, Texas und New York hat ihn das Leben über die Squats im London der Achtzigerjahre schließlich auf eine Farm in Wales geführt. Dort schreibt er Erzählungen, fertigt Kunstdrucke und macht Musik. Auf seinem am heutigen Freitag erscheinenden neuen Album „This House is Empty Without You“ wurde der Dub/Reggae-Flow zurückgenommen, der die „Fellow Travellers“-Ära und manch nachfolgende Soloplatten prägt. Das kommt den ohnehin allgegenwärtigen Soul/Country/Bluegrass-Elementen zugute. Wie immer ist Nichols‘ Songwriting von einer leichten Melancholie durchzogen, die sich wie Morgentau auf einer herbstlichen Wiese anfühlt: Die Sonne hat noch Kraft, und diese Wärme scheint auch in den neuen Liedern durch. Dazu tragen das zärtliche Gitarrenspiel, maßvoll akzentuierte Bläser, ein markanter Bass-Sound und natürlich Jeb Loy Nichols‘ samtige Stimme bei. Textlich bringen Zeilen wie „Good morning, Monday, how was your weekend? Good morning, Monday, you’re looking lost, just like me, good morning, Monday, we’re getting through together somehow” zum Schmelzen; deren Vortrag wird von einem souligen Backgroundgesang komplettiert. „This House is Empty Without You” klingt als Albumtitel etwas traurig, aber Jeb Loy Nichols ist ja zum Glück wieder da: Nicht auszudenken, wie leer die Welt ohne Musik von ihm wäre.

