Lucian Freud: Das Leben selbst

Lucian Freud: The Defintive Retrospective. Tate Britain, noch bis zum 22. September. www.tate.org.uk

(rw) – Wer sich in den nächsten zwei Wochen in London aufhält, sollte die Gelegenheit beim Schopf ergreifen, sich in der Tate Galery noch die Lucian Freud-Retrospektive anzusehen. Nicht umsonst wird der Enkel von Sigmund Freud als größter lebender Maler des Realismus bezeichnet. Ob Stillleben, Porträts oder die zahlreichen Akte, anhand dessen sich Freuds malerische Entwicklung eindrucksvoll nachvollziehen lässt: Jedes dieser Werke ist für ihn eine Art Selbstbildnis. Aber darüber hinaus ist es das Leben selbst – das Fleisch und der Körper, das Alter, die Erschöpfung, die Wertlosigkeit, die Intimität der Einsamkeit oder des Zusammenseins – das aus diesen Abbildungen von ¬ungeschminkten« Menschen spricht. Häufig posieren sie zusammen mit einem Tier, meist einem Hund.

Kurator William Feaver spricht hier von der ¬congruence of person and animal, not insulting to either party«. Doch der menschliche Körper offenbart sich dabei als Ausdruck einer seltsamen Spezies: bleich, kahl, mit großen, knochigen Händen und Füßen, und im Vergleich zum Tier unproportioniert. Trotzdem: Die Körperposen die den Blick auf Achselhöhlen, Fußsohlen, Geschlechtsteile, Nackenansätze und Kniekehlen zulassen, bringen zugleich eine geballte Ladung Sinnlichkeit hervor, die sich dort, wo Freud zwei Menschen in ihrer Umarmung darstellt, mit Zärtlichkeit vereint.


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