FOTOGRAFIE: Erscheinungen

Licht und Schatten, das Unsichtbare im Sichtbaren, mittels dieser Techniken schafft die japanische Fotografin Yuki Onodera eine eigene poetische Bildsprache.

Straßenszenen. Momentaufnahmen von irgendwelchen Passanten, deren Aufenthaltsort und Gemütszustand nicht zu ermitteln sind, da ihre Gesichter von der japanischen Fotografin Yuki Onodera mit filigranen Scherenschnitten überklebt wurden. Schon hier wird ihre Herangehensweise an das Medium Fotografie deutlich: In ihren großformatigen schwarz-weiß Aufnahmen löst Onodera Objekte aus ihrem erzählerischen Zusammenhang und schafft so Distanz.

Yoki Onodera hat ihren eigenen Duktus. In der Düdelinger Galerie „Nei Liicht“ sind nun erstmals einige Fotoserien der 1962 in Tokio geborenen und mittlerweile in Paris lebenden Künstlerin zu sehen. Yuki Onodera ist experimentierfreudig. Sie untersucht in ihren Bildern nicht nur Möglichkeiten des Aufnahmewinkels, ergründet das Potenzial von Licht und Schatten oder optischen Effekten, sondern fertigt ihre Abzüge selbst und greift auch während der Entwicklung ein: So sind alle ausgestellten Bilder Gelatine-Silberdrucke auf speziellem Papier. Dadurch erzielt sie bei ihren Aufnahmen teils einen grobkörnigen Effekt, teils schafft sie aber auch, wie in der Bildserie „How to make a pearl“, einen fast zellartigen Untergrund, der das abgebildete Motiv strukturiert. In der Fotoserie „Roma-Roma“ hat sie alte Techniken ausprobiert, wie das nachträgliche Kolorieren von Schwarz-Weiß-Bildern.

Irgendwie scheinen ihre Fotos immer das Resultat von minimalen Verformungen zu sein, mittels derer sie eine eigene Realität konstruiert. Etwa bei der kleinformatigen Bildserie „Look out of the window“. Onodera hat bei Nacht banale Vorstadt- und Gartenhäuschen fotografiert. Statt dass die Hausstruktur von außen mittels des Fotoblitzes erleuchtet wird, kommt das Licht von innen durch die offenen Fensterumrisse. Alles, was das Gebäude umgibt, hat Onodera in ein tiefes Schwarz getaucht, so dass es unmöglich ist, den Ort der Aufnahme zu bestimmen. Wie Ufos wirken die Häuser mit ihrem funkelnden Lichthof in der Mitte einer schwarzen Fläche.

Typisch für ihre Motivwahl scheint auch, dass Menschen nie wirklich als Individuen präsent sind. Im Gegenteil: ihre Bilder sind nicht mit Emotionen beladen, sie nimmt sich selbst nicht als Motiv und es geht ihr eben nicht um die Dokumentation einer äußerlichen Realität. Die Fotografie wird bei Onodera auf eine schlichte und ästhetische Weise eher zum Medium, um das Nichtsichtbare sichtbar zu machen. In der Fotoserie „Watch your joint“ von 2004 hat sie Fernsehausschnitte von Fußballspielen genommen, wobei sie die traditionelle Bildsprache verfremdet hat: Die Nummern und Namen auf den Spielertrikots wurden entfernt, die Gesichter der Spieler wirken unpersönlich. Die Fotoaufnahmen von Onodora dokumentieren letztlich nur noch gespenstische Erscheinungen – Körper, die sich in einem neutralen Raum bewegen.

Insgesamt eine zu entdeckende Fotografin – interessant wegen ihrer Vielseitigkeit.

Galerie „Nei Liicht“ bis zum 2. März


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