Mit einer kleinen aber feinen Skulpturenausstellung kehrt der 2007 verstorbene Jörg Immendorff nach Luxemburg ein.
„Für Immendorff war der Affe ein Leittier“, erklärt die Galeristin in der kleinen Galerie Clairefontaine, in der ? dazu passend – eine Affenhitze herrscht. „Er fühlte sich diesem Tier sehr nahe, denn es verkörpert die absolute Freiheit.“ „Es darf sogar überall hinpinkeln“ – sagte Immendorff, nicht die Galeristin. Und wirklich: Den Affen findet man in fast jeder Skulptur der Ausstellung. Mal auf dem Kopf stehend, mal hinter dem Rednerpult – was sicher Gerhard Schröder gefallen hätte, schließlich bat auch er den Künstler um ein Porträt – mal mit Blumenkranz oder als riesiger Totempfahl, der Affenköpfe aufeinander schichtet, die in alle Richtungen schauen – „der Künstler mit seinen Freunden“. Anscheinend muss man mit der Bildsprache Immendorffs per du sein, sonst könnte man ihn am Ende falsch verstehen.
Bei Immendorff haben die Bilder und Skupturen eine Sprache, oder eher eine symbolische Semantik, die immer mehr zur Sprache wird, je öfter der Künstler diese Symbole benutzt. So taucht zum Beispiel auch die Bienenwabe immer wieder auf, als Hinweis auf den Fleiß des Künstlers. Auch eindeutigere sexuelle Symbole sind in den Immendorffschen Bildern und Skulpturen versteckt. Ein weiterer interessanter Teil der Ausstellung sind die etlichen Skizzen und Arbeitsblätter, die den Weg von der Idee zum fertigen Kunstwerk dokumentieren. Hier kann man zumal den Humor des nicht unumstrittenen Künstlers „live“ erleben. Immendorff beherrschte die hohe Kunst, sich bei vielen Menschen unbeliebt zu machen. War er in den 60er und 68er Jahren noch ein glühender Apo-Anhänger, schreckte er in späteren Jahren nicht davor zurück, mit eher zweifelhaften Gestalten wie André Heller zu kollaborieren. Das Summum für die Fans der ersten Stunde waren aber die Illustrationen, die er für die Bild-Zeitung malte: seine „Bild-Bibel“ in Gold wurde dem Papst persönlich von Kai Diekmann, dem Chefredakteur der Blut und Sperma-Postille, überreicht. Doch auch die bürgerlichen Rechtschaffenen brüskierte er noch kurz vor seinem Tod, mit Koks und Prostituierten. Ausschweifungen, die sich in den Boulevardergüssen des selben Blattes wiederfanden. Ein kontroverser Künstler fordert eben die Öffentlichkeit immer heraus, diese jedoch kann nicht immer in ihm lesen.
Jedenfalls nicht so gut wie der Kunstliebhaber in seinen Werken.
Galerie Clairefontaine, bis zum 31.5.
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