INSTALLATION/VIDEO: Kindergeburtstage und andere Identitätsprobleme

Viele bunte Luftballons hängen an einer großen weißen Wand. Fixiert sind sie mit einem gelben Klebefilm. Lustige Kostüme und witzige Accessoires stehen zum Verkleiden bereit. Betrachten kann man sich dann in einem schönen großen Spiegel dessen Holzrahmen in einem Rosa gestrichen ist, wie nur Prinzessinnen es lieben würden. An der weißen Wand nebenan hat jemand mit brauner Farbe einen Spruch hingemalt. Bunte Bilder, farbige Fotos und zerknitterte Zettel schmücken die restlichen Wände. Ein weißer und ein schwarzer Bildschirm sind in Betrieb. Das leere Glasgefäß am Rand wird vielleicht noch mit Bonbons gefüllt. In der Mitte des Raumes ist auf jeden Fall genug Platz zum Stehen und zum Tanzen. Der Kindergeburtstag kann beginnen! Nur fehlt noch das Geburtstagskind. Und das Haus bleibt leer.

Das Haus von dem hier die Rede ist, ist das „Casino Luxemburg – Forum d’art contemporain“ und im beschriebenen Raum findet die Ausstellung „Moved, Mutated and Disturbed Identities“ statt. Dabei handelt es sich um gemeinsames Projekt der „Asia-Europe Foundation“ und des „Art Workshop“: 18 KünstlerInnen aus Asien und Europa wurden beauftragt, ihre Ideen zum Thema „Moved, Mutated and Disturbed Identities“ beizusteuern. Mitgewirkt hat auch der deutsche Künstler Christoph Schwarz, der sich mit Videoinszenierungen bereits einen Namen gemacht hat. Entstanden sind 22 verschiedene Kunstwerke, die seit dem 18. Juli im Erdgeschoss und im Keller des Casinos zu bestaunen sind.

Allerdings dürfte nicht jedem Besucher von Anfang an klar sein, dass die Ausstellung über den Raum, der einem Kindergeburtstag ähnelt, hinausgeht. Denn ein Teil davon befindet sich im Untergrund und wer nicht versehentlich vergisst hinabzusteigen, darf sich glücklich schätzen, die übrigen Werke zu sehen. Unter anderem ein Film vom Shanghaier Künstler Hangfeng Chen, in dem er selbst die indische Gottheit Shiva nachspielt, eine Videoinstallation rund um das Wortspiel „Now here ? No where“ und ganz versteckt, im hintersten Raum, läuft ein Film in dem Melusina sich minutenlang ein und dieselbe Haarsträhne kämmt wobei sie ausdruckslos in die Kamera schaut. Auf dem Weg zu diesem letztgenannten Kunstwerk, geht es an einem dunklen Raum vorbei, in welchem der Besucher ebenfalls ein Werk vermutet. Aber bei Betätigung des Lichtschalters erhellt sich nicht etwa dieser Raum, sondern das Licht im Keller schaltet sich aus und man befindet sich kurzzeitig im Dunkeln.

Im Dunkeln tappen dürfte man auch bei der Interpretation der Kunstwerke. Was möchte der Künstler mit einer Skulptur, deren Kopf aus einer Klobrille besteht, aussagen? Sieht er darin seine eigene Identität? Beim Anblick mancher Werke möchte man meinen, dass grundlegende Identitätsprobleme im Spiel waren und weniger künstlerische Kreativität. Aber ob genau das zum Ausdruck gebracht werden sollte, bleibt ungewiss.

Der wohl interessanteste Aspekt bei der ganzen Sache bleibt jedoch die Zusammenarbeit von asisatischen und europäischen KünstlerInnen mit dem Ergebnis, dass die Ausstellung viel Raum für Interpretation lässt. Unterschiedliches wird sicherlich geboten und auch zu entdecken gibt es viel.

Die Ausstellung „Moved, Mutated and Disturbed Identities“ ist noch bis zum 6. September im „Casino Luxembourg – Forum d’art contemporain“ zu sehen.


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