MALEREI: Transparent und undurchsichtig

Seit einer Woche zeigt das Mudam in sechs neuen Ausstellungen zeitgenössische Kunst, darunter auch Arbeiten des belgischen Künstlers Olivier Foulon.

Foulons Gemälde fügen sich so geschickt in den Raum, dass der Betrachter das Einzelne aus den Augen verliert und gezwungen wird zu fokussieren. Farbexplosionen, die den Gitterrahmen sprengen vor dem sie ausgelöst wurden, auf einigen Gemälden sind es nur ein paar Spritzer. Andere wirken wie mit Farbe durchtränkt. Dazwischen vereinzelte Kontrapunkte überlegt gestalteter weißer Leinwände oder geschickt arrangierter Fotokopien, die in ihren Dimensionen von den umgebenden Bildern abzulenken suchen. Dabei bleibt der Besucher verwirrt und ratlos, bis die Erkenntnis keimt und wächst und ihm schließlich aufgeht: Auch in mir steckt ein Künstler.

Mit den ausgestellten Gemälden, hat Foulon geschafft, was sich wahrscheinlich die meisten Künstler wünschen: sichtbare Reaktionen seines Publikums. Kaum eineR der BesucherInnen im Ausstellungssaal zeigte sie nicht, und bei den meisten war es dieses verhaltene, glucksende Lachen, das wie kaum etwas sonst Zeichen einer fassungslosen Ungläubigkeit ist. Man kann vieles schönreden, und es hilft, den Humor zu bewahren, während man auf die Pointe wartet.

Dabei ist es jetzt wohl an der Zeit, die Pointe dieses Artikels zu offenbaren. Objektiv betrachtet sind die überwältigenden Gemälde kaum mehr als Farbkleckse auf karierten Zetteln in Taschenbuchgröße, die im Abstand von etwas mehr als einem Meter zueinander in einer Reihe an der Wand entlang angebracht sind.

Aber zurück zum Thema. Die Ausstellung hat das Motto „Transparenz und Undurchsichtigkeit der Malerei“ und ist benannt nach dem „Prisma Pavillion“ in Kreuzberg, einem Imbiss für den dritten Hunger um zwei Uhr morgens. Wie dort soll in den gezeigten Arbeiten „Geschmack und Schnelligkeit der Exekution“ verbunden werden – eine für den deutschen Teil der Ausstellungsbeschreibung etwas unglückliche Wortwahl. Die Geschwindigkeit der Ausführung ist unstreitig in den Bildern zu erkennen, denn dem Betrachter kommt vor diesem Hintergrund zwangsläufig der Gedanke, Foulon habe sie geschaffen, während er auf Köstlichkeiten aus dem besagten Schnellimbiss gewartet hat. Vielleicht wäre der Effekt noch größer gewesen, wenn man die „Gemälde“ mit Klebefilm an den Wänden des Museums befestigt hätte.

So einfach kann Kunst sein, und die Fragen, die man sich beim Betrachten stellt, könnten das Thema erklären. Dennoch bleibt das Gefühl, die Projektoren, die Foulon üblicherweise benutzt seien durchgebrannt und er habe auf die Schnelle etwas Neues aus dem Ärmel schütteln müssen. Humor ist, wenn man trotzdem lacht, und immerhin zeigt das Mudam noch fünf andere sehenswerte Ausstellungen.

Alle Ausstellungen noch bis zum 3.1.2010 im Mudam.


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