MALEREI: Expressive Abstraktion

Der junge Künstler Martin Werthmann mag es zurückhaltend: Die abstrakte Malerei ist seine Ausdrucksspielwiese. Dabei ist er kein Unbekannter mehr in Luxemburg. Zum zweiten Mal stellt der 1982 in Giessen geborene und in Berlin lebende Künstler mittlerweile in der Galerie Lucien Schweitzer aus – dieses Mal vor allem mit großformatigen Drucken auf Papier und weniger mit Installationen.

„Notion“ nennt sich die Ausstellung – und der Begriff der Ahnung, der unklaren Wahrnehmung passt gut zu seiner abstrakten Darstellungsweise.

Seine großformatigen Drucke auf Holz verfügen alle über einen schwarzen oder dunkelblauen Untergrund, der auch mal mit schwefelgelben Pigmenten überzogen ist. Auf diese monochromen Farbflächen setzt Werthmann verschiedene abstrakte Formen in leuchtenden Farben – vor allem Grundfarben -, die an expressive Masken oder Helme erinnern, die auf einem manchmal nur angedeuteten Körper in Form von einem Skelett auf einer leeren Bühne zu agieren scheinen. Einzig wiederkehrendes Motiv in den Bildkompositionen von Werthmann ist eine Kreisform, die wie eine Zielscheibe im unteren Bildrand schwebt.

Die Bilder von Werthmann sind abstrakte Mobiles, die in ihrer Lesart sicher alles andere als einfach sind und deshalb auch nicht unbedingt inspirieren.

Seine spielerisch gemalten Welten fragen nach Bezügen, die der Betrachter nicht unbedingt in der Gegenwart findet. So erinnern Wertheims Bilder in ihrer Darstellungsart an die abstrakten Gemälde von Paul Klee, der Motive „primitiver“ Kunst der Naturvölker in seinen Werken benutzte und außerdem ein großer Grafiker war – vom Gesamtwerk des Kleeschen Oeuvrekatalogs sind mehr als die Hälfte grafische Werke. Aber auch Joan Miró scheint bei den Arbeiten von Werthmann Pate gestanden zu haben. Miró, der in seinen Werken mit den leuchtenden Farben der Fauvisten und den gebrochenen Formen der Kubisten arbeitete, meinte einmal: „Es gibt drei Formen, die mich ständig verfolgen: ein roter Kreis, der Mond und ein Stern“. Während Mirós Ausdruckskunst trotz dieser Formenknappheit von den Kunstkritikern noch als heitere Naivität bezeichnet wird, haben die Drucke von Martin Werthmann eher etwas Düsteres, Existentielles. Vielleicht genau die richtige Ausstellung um das neue Jahr zu beginnen.

Zu sehen noch bis zum 26. Januar in der Galerie Lucien Schweitzer.


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