MALEREI: Kopfkino

Von Köpfen und ihrem Inhalt erzählen die Bilder der Malerin Gisela Kaufmann – und genau diese kann man sich zurzeit in der Ausstellung „Vorwiegend Köpfe“, die anlässlich ihres 70. Geburtstages in der Tufa Trier gezeigt werden, ansehen.

„Köpfe und das, was ich mir als deren Inhalt vorstelle, beschäftigen mich seit Jahren“ ist Kaufmanns Leitmotivation für ihre farbenfrohen Bilder. Entdecken kann man aber nicht nur Portraits von bekannten Konterfeis wie Lou Reed, dem Träumer, der Tai Chi macht, Karl Marx, dem Macho, der seine Frauen ausgebeutet hat und Ai Weiwei, dem rebellischen Künstler, der sich mit dem Staat China anlegt und sich diesem Kampf kompromisslos stellt. Sondern auch anonyme Frauengesichter und ein tangotanzendes Pärchen, welches mit seiner Mimik und Gestik Kraft und Leidenschaft ausstrahlt.

Auf den in den letzten zwei bis drei Jahren entstandenen Bildern sind jedoch nicht nur Köpfe und Gesichter zu sehen, sondern auch asiatische Elemente wie Tai-Chi-Bewegungen oder Drachen, da die Künstlerin sich intensiv mit diesen Dingen auseinandersetzt: „Eines meiner Gestaltungselemente sind Drachen, die je nach Interpretation des Betrachters ihre Schuppenpanzer drohend oder schützend um die Figuren legen. In der westlichen Mythologie meist schreckliche Ungeheuer, sind sie in Asien als Glücksbringer und Schutzgeister hoch angesehen.“

Während diese Ambivalenz des Drachenwesens das Wesen der Menschen widerspiegelt und aufgrund dessen mal dominierend, mal versteckt in den Bildern thematisiert wird, ist Tai Chi die persönliche Inspirations- und Kraftquelle der Künstlerin.

Die Kompositionen dieser Pop-Art-Bilder sind durchdacht und mit Symbolträchtigkeit versehen. Das Karl-Marx-Bild zum Beispiel sticht dadurch hervor, dass der Kopf selbst einer Silhouette ähnelt, während der Kopf seiner Frau Jenny frontal im Bild platziert ist. Damit möchte die Malerin verdeutlichen, dass ein Großteil des Ruhms von Marx seiner Frau zusteht, da sie ihn immer unterstützt hat und dies von der Allgemeinheit nicht beachtet wird. Marx wird hier bildlich entmachtet und als schwache Person dargestellt, die ohne die Unterstützung seiner Frau ihren Ruhm nicht hätte erlangen können.

Das Portrait von Ai Weiwei hingegen zeigt einen entschlossenen Mann, der festen Blickes seinem Schicksal entgegensieht und den Kampf mit dem Staat aufnimmt. Das Ornament auf seiner Stirn entstand ohne dass Kaufmann sich bewusst war, dass ein solches auf die chinesischen Polizeimützen gestickt ist. Demzufolge wurde dieses Portrait zu einem viel diskutierten Politikum, ohne dass die Malerin dieses beabsichtigt hatte.

„Drachenland“, „Tango“ und „Köpfe“ signalisieren aufgrund ihrer starken, bunten Farben Kraft, Schutz und Selbstbewusstsein. Dies sind die Elemente die sich die Malerin für die Menschen und für sich selbst wünscht. Kaufmann, die hauptsächlich mit Acryl auf Leinwand arbeitet und seit ihrem Studium beim bekannten Trierer Maler Reinhard Heß (1904-1998) schon oft ausgestellt hat, verbindet die Malerei mit Spiritualität und Psychologie. Die Ausstellung ist somit sehenswert für alle diejenigen, die an einem Kopf mehr als nur ein Gesicht und an einem Blick mehr als nur die Augen sehen wollen.

Noch bis zum 25 März in der Trierer Tufa.


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