MALEREI: Acedia und mehr

Hochmut, Geiz, Wollust und Zorn (darunter fallen interessanterweise unter anderem auch Rache und Vergeltung), Völlerei, Missgunst und Trägheit sind die sieben Wurzel- oder Todsünden, die die katholische Kirche kennt. Papst Johannes Paul II. hat diese zusammengefasst und präzisiert als denjenigen Akt durch den sich der Mensch im Grunde von Gott und dessen Geboten abwendet und damit wider seine – also des Menschen – eigene gottgegebene Bestimmung handelt.

Und wer hätte noch nicht dagegen verstoßen? Mindestens gegen eine, wahrscheinlich gegen alle.

In ihrer aktuellen Ausstellung in der Galerie Nei Liicht in Dudelange will sich Catherine Lorent mit der titelgebenden Acedia – der Trägheit – auseinandersetzen und scheint sich ihrer auch selbst zu bezichtigen.

Dabei kann man ihr Trägheit kaum vorwerfen. Lorent wurde 1977 in München geboren und verbrachte dort ihre ersten beiden Lebensjahre, ehe es die Eltern mit ihr wieder nach Luxemburg zog. Nach dem Abitur studierte sie Malerei an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Karlsruhe und schloss 2006 ein Kunstgeschichtsstudium in Paris ab. Danach folgte sie dem Ruf ihrer Karlsruher Kommilitonen nach Berlin, wo sie bis heute lebt und arbeitet.

Neben ihren Zeichnungen, Gemälden, Plastiken und Installationen widmet sie sich außerdem noch ihrem Musikprojekt Gran Horno, für das sie selbstverständlich auch die Bühnenbilder erstellt. Das ein oder andere dieser großformatigen Bilder ist auch in der aktuellen Ausstellung zu sehen.

Damit wird auch der Charakter deutlich, den diese Ausstellung hat – im Grunde handelt es sich um eine Retrospektive, in der rund dreißig Arbeiten der Luxemburgerin aus den letzten Jahren gezeigt werden.

Dementsprechend sind beispielsweise auch einige Vettern des Leviathans vertreten, mit dem Lorent im letzten Jahr den Prix révélation beim Salon des „Cercle artistique Luxembourg“ gewonnen hat. Hier sind die kleinen hermaphroditischen Drachen mit dem hervorstechenden Phallus zum Quartett vereint als Luxemburg und seine Nachbarländer.

Doch in erster Linie werden Gemälde und Zeichnungen Lorents präsentiert, die einen guten Überblick über die verschiedenen Techniken mit denen sie arbeitet, aber auch ihre Motivik verschaffen.

Dabei fällt vor allem bei ihren Zeichnungen der große Einfluss auf, den die überbordenden Schnörkel des Barock und Rokoko auf ihre Arbeiten haben und so erklären sich auch ihre Symbole durch ihren Hang zur Heraldik. Oft erinnert ihr collagenartiger Bildaufbau an die Gestaltung eines Wappens, aber auch an Kritzeleien auf einem Notizzettel.

Daneben haben ihre Bilder sehr oft einen spirituellen Charakter, den Lorent aber durch mal mehr, mal weniger deutliche, eingestreute Elemente selbst wieder untergräbt. Dabei bedient sie sich für ihre „Collagen“ aus einem reichen Fundus häufig religiöser, aber auch historischer Elemente, Geschehnissen oder Personen. So werden auch diejenigen Arbeiten, in denen sie sich mit eher soziokulturellen Themen auseinandersetzt, ironisiert und damit zugleich entmoralisiert.

Speziell bei ihren Gemälden zieht sie dabei ihre Ausdruckskraft aus einem plakativen, beinahe naiven Stil, der an die (alp)traumhaften Darstellungen eines William Blake erinnert und so durch geschicktes Weglassen überzeugt.

Ein Nachgeschmack bleibt allerdings von dem Besuch der ansonsten sehenswerten Ausstellung, hat man doch bei einigen Arbeiten den Eindruck sie wären nur halb fertig oder gar etwas schludrig zu Papier gebracht worden.

Aber vielleicht ist auch das gerade der „Trägheit“ geschuldet, die hier thematisiert wird.

Centre d`Art Nei Liicht (rue Dominique Lang, Dudelange, Tel. 51 61 21-292), bis zum 20.4, Di. – So. 15h – 19h.


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