BILDENDE KUNST: Null Dialog

Die Werke der beiden Kontrahenten Robert Brandy und Filip Markiewicz im zweiten Teil des „cycle d’art en dialogue“ sind kaum überzeugend.

Hat kapitalismuskritsche Pop-Art ausgedient?

Ein Dialog ist ein Zwiegespräch, in dem zwei oder auch mehr Personen Argumente austauschen, mit dem Ziel den oder die jeweils anderen von der eigenen Meinung zu überzeugen. Es ist im besten Sinne ein Streit, bei dem bis zum Ende auf jede Aktion eine Reaktion folgt, ein Wettstreit, der wie ein Boxkampf geführt wird in Form von Rede und Gegenrede, Äußerung und Erwiderung.

Im dritten Jahr in Folge präsentiert der Cercle Artistique de Luxembourg (CAL) seinen „cycle d’art en dialogue“, eine Reihe von drei Austellungen, die dazu beitragen sollen, die Vielfalt der künstlerischen Landschaft in Luxemburg auszuloten. Das Konzept des Zyklus sieht dazu vor, dass in einer Ausstellung jeweils zwei Künstler, die bereits einmal am jährlich stattfindenen Salon des CAL teilgenommen haben, miteinander in einen künstlerischen Dialog treten sollen. Unterstützt wird der CAL dabei von der BGL BNP Paribas, in deren Räumlichkeiten am Royal-Monterey die Arbeiten der beteiligten Künstler auch ausgestellt werden.

Begonnen wurde der diesjährige Reigen von Tina Gillen und Véronique Kolber, in der zweiten und aktuellen Ausstellung „diskutieren“ Robert Brandy und Filip Markiewicz miteinander. Ein Dialog, der durchaus interessant hätte werden können. Doch fast gewinnt man als Betrachter den Eindruck, als wären die beiden Disputanten nicht mit dem Herzen bei der Sache gewesen. Ein Vorwurf, den man vor allem Markiewicz machen will.

Die Arbeiten Robert Brandys sind erkennbar seine. Dabei beklagt er in Textschnippseln den sichtbaren Verlust seiner Farben und merkt einmal gar an „I get the hell out of here“. Und zweifelsfrei erkennt man auch Filip Markiewiczs Arbeiten wieder: Collagenartige Bleistiftzeichnungen, von denen die größten schlicht mit Reißzwecken an die Wand gehängt wurden. An der Technik liegt es nicht, dennoch bleibt er weit hinter seinen Möglichkeiten zurück. Die Motive der hier ausgestellten Arbeiten sind banal und ohne Aussage. Und die Tatsache, dass er sie mit bunten Dreiecken aufgehübscht hat wie mit Glitter, macht die Sache auch nicht besser. So macht er sich als Künstler zum zahnlosen Illustratoren. Vielleicht rührt diese Einschätzung aber auch schlicht aus der Erwartungshaltung des Betrachters her, der sich gerade in der Galerie einer Bank andere Motive von Markiewicz erhofft hätte als Adlerköpfe, einsame Indianer und Superman.

Vielleicht ist er auch nur auf der Suche nach etwas Neuem. Aber es kommt einem der Gedanke in den Sinn, Markiewicz, der sonst durch seine Kapitalismuskritik aufgefallen ist, und der unter anderem durch seinen Mao-Dollar bekannt wurde, wolle an diesem Ort mit seinen kitschigen Motiven eine Art Arbeitsverweigerung zelebrieren. Doch dazu ist sie zu wenig offensichtlich und geht daher auch zwangsläufig nach hinten los.

Darüber hinaus bleibt auch der viel beschworene Dialog der Kunst schlicht auf der Strecke. Es gibt nur die Argumente – will sagen Bilder – der einen und die Argumente der anderen Seite, aber keinerlei Austausch. Dazu kommt, dass von Seiten des Kurators auf jegliche Information verzichtet wurde, die eine Einordnung der Arbeiten in die künstlerische Landschaft vereinfacht hätte. Sicher kann man sich diese Informationen anhand der Bilder teilweise selber erarbeiten. Vielleicht sollten die Arbeiten auch nur für sich allein sprechen. Doch selbst dann wirkt die Ausstellung immer noch ausgesprochen lieblos zusammengestellt und aufgebaut, was insgesamt den Eindruck hinterlässt, als hätte keiner der Verantwortlichen wirklich Interesse daran gehabt.

Bis 24. Juni im Espace BGL BNP Paribas


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