FOTOGRAFIE: Visuelles Tagebuch

Im Zentrum der Ville Haute laden das Cercle Cité und die Photothèque de la Ville de Luxembourg Touristen und Einheimische zu einer nostalgischen Zeitreise durch die Hauptstadt des Großherzogtums ein.

Nostalgie pur: Batty Fischers Fotos sind zwar keine Meisterwerke, jedoch vermitteln sie den feinen Sinn für Humor des Fotografen. (©photothèque de la ville de Luxembourg)

Die im Ratskeller gezeigte Ausstellung von Fotografien Batty Fischers erweist sich als regelrechtes Stadtporträt. Nahezu 70 Jahre lang bildete die Stadt Luxemburg für den Hobbyfotografen das Hauptmotiv oder diente als Hintergrundkulisse für all die Alltagsgeschehnisse, die er der Dokumentierung für wert hielt.   

Batty Fischer erblickte das Licht der Welt im Juli 1877 in der Rue du Marché-aux-Herbes. Im Alter von 15 Jahren erhielt er aus Paris seine erste Kamera mit dem programmatischen Namen „Perfect Detective“. Allerdings stand die Famille seiner Leidenschaft für Fotografie und seinem Wunsch, Fotograf zu werden, nicht wohlwollend gegenüber. Seine Eltern, wie die meisten in der bürgerlichen Schicht, verlangten von ihrem Sohn die Wahl eines angesehenen Berufs. Batty entschied sich für den des Zahnarzts, doch genoss er später als solcher keinen besonders guten Ruf. Denn – zumal wenn die Lichtverhältnisse günstig waren – zog er das Vagabundieren durch die Straßen dem Bohren und Plombieren im stickigen Zahnarztkabinett, das auch noch in der von ihm verhassten Avenue de la Gare lag, bei weitem vor. Zunehmend geriet er in den Ruch der Unzuverlässigkeit, und die Patienten fingen an, wegzubleiben. Dies störte Batty jedoch keineswegs, denn so blieb ihm mehr Zeit, um die Läden der Grand-Rue, das Gemeindehaus bei Abendsonnenschein im Mai, die Schouberfouer, den „Bichermârt“ vor dem Athenéeum und das Treiben rund um die historischen Plätze der Stadt fotografisch festzuhalten.   

Die meisten seiner Bilder dokumentieren in der Tat Häuser oder besondere Details von Gebäuden. So widmet er beispielsweise dem Stahlzaun vor dem ehemaligen „Conservatoire de Musique“ besondere Beachtung, da er diesen als Meisterwerk neogotischer Kunst einschätzt. Oder er fotografiert – im Jahre 1943 -das „Hotel Brasseur“ und das „Café de la Paix“, die nun, unter der Besatzung, zum „Hotel Brauer“ und zum „Café zum Frieden“ geworden sind. Eine Veränderung, die er ironisch mit „geniale Idee“ kommentiert. Weitere seiner Notizen aus der Besatzungszeit, und die Verwendung des abwertenden „boche“, zeigen, dass er mit den Nazideutschen keineswegs sympathisierte. Von seinem ironischem Humor und seiner direkten Art zeugen auch vielfach die in der Ausstellung abgebildeten handschriftlichen Notizen. Den ­Schueberfouereingang von 1951, auf dem zwei Damen in weißem Kleid abgebildet sind, zwischen denen sich das Wappen des rouden Léiw und eine Weltkugel befindet, bezeichnet er unumwunden als „grauenhaft“. Notizen dieser Art verleihen der Ausstellung eine persönliche Note und zusätzlichen Charme.

Batty Fischers Aufnahmen ergeben zusammen ein detailliertes Stadtporträt. Auch als einzelne genommen, wirken die Fotos ansprechend, zumal sie gelegentlich den Eindruck erwecken, sie seien als persönliches visuelles Tagebuch konzipiert. Doch unter rein ästhetischen Gesichtspunkten betrachtet, kann man bei ihnen wohl nicht von einem Meisterwerk sprechen. Es gibt keine wirklichen Porträts, oftmals fällt die Rahmung etwas unglücklich aus – Statuen im Hintergrund haben abgeschnittene Köpfe -, und häufig mangelt es den Bildern an einem präzisen Fokus oder schlicht und einfach an Ausdruckskraft.

Im Cercle Cité bis zum 8.9.

 

 


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