KOLLEKTIVAUSSTELLUNG: Schöne heile Welt

Die Gemeinschaftsausstellung von Sali Muller und Rafael Springer erlaubt einen Blick hinter die Fassade der glitzernden Glamour-Welt und ihrer Produkte.

Markenschweine und Rampensäue sind Sali Müllers und Rafael Springers gemeinsame Nenner.

Schon Andy Warhol hatte Erfolg damit: das Abpausen von Werbemotiven und ihre schier endlose Reproduktion und Verfremdung. Auch Rafael Springer, seit 30 Jahren umtriebig in der Kunstszene, setzt auf Werbetafeln und deren gezielte Verfremdung. Der Autodidakt, der seinen Stil ständig neu erfindet und sich nicht festlegen lassen will, greift sich Reklameposter mit bekannten Gesichtern, wie Naomi Campbell, erstellt Drucke und füllt sie mit pastelligen und trotzdem grellen Offsetfarben. Betrachtet man seine Bilder, stellt sich immer ein Wiedererkennungs-Effekt ein. Seine Bildserien heißen „Abklatsch 1-3“, „Antiflirt“ oder „Dolce & Gabana“, und wenngleich er meint, damit keine konkrete Aussage zu verfolgen, so denkt er sich doch, wenn er diese schöne heile Reklamewelt sieht: „macht mal alle langsam!“.

Auch Sali Muller setzt auf das Spiel mit der Werbe-Ikonographie. Gezielt verfremdet die Luxemburger Künstlerin, die in diesem Jahr bereits zwei Preise mit ihrer Bildreihe „Hairy Tales“ – darunter den „Prix d’encouragement jeune artiste“ auf der Strassener Biennale – abgeräumt hat und mit 21Artstreet vor Kurzem ihr eigenes Künstlernetzwerk gegründet hat, bekannte Werbemotive. Aus ihren Werken spricht deutlich Konsumkritik. Ihre Exponate bringen einen zum Schmunzeln und regen zum Nachdenken an. Wie „I’m a Brand and You Will Pay for It“ – einem aus bekannten Designer-Etiketten zusammengenähten Portemonnaie. Man bezahle nur für den Namen des Produkts, obwohl die Artikel unter den gleichen Bedingungen und in ähnlichen Fabriken in China oder Indien hergestellt würden und oft mit den gleichen Materialien wie die Billigprodukte von H&M oder C&A. Mit „Blackberry“ hat Muller einen Kopfhörer aus Modelliermasse erstellt. Wie der Name es schon suggeriert, geht es um das Statussymbol Handy. Im Konkurrenzkampf der Statussymbole geht es darum, wer das neueste Modell hat. Gerade unter Jugendlichen verliere an Ansehen, wer nicht das neueste Modell des i-Phones oder Blackberrys besitze. Muller hat das Blackberry deshalb in eine konsumierbare essbare Schwarzbeere verwandelt. Ganz so, als wolle sie sagen: „Seht her, ihr seid Opfer der Konsumgesellschaft!“ Aber auch mit ihrem „Markenschwein“ setzt sie auf mehr als Understatement. Auf dem Druck auf Aluminium unter Plexiglas blinzelt einem ein rosa Schwein entgegen, das mit den Initialen „LV“ tätowiert ist. Im Hintergrund sieht man das Blümchenmuster des teueren französischen Taschenherstellers Louis Vuitton. Obwohl Initialen und Monogramm mit Rücksicht auf das Copyright leicht verfremdet sind, erkennt man sofort, dass es sich um das berühmte Label handelt, dem „must have“ unter den Designern und ein klassisches Statussymbol. Schrill und peppig kommen auch Mullers Skulpturen daher. Zumindest auf der einen Seite.

Auf der anderen „dunkleren“ findet man Bilder aus ihrer Serie „Hairy Tales“, die mit Chinatusche und fein verarbeiteten Gewebe entstanden sind. Hier steht die Qualität von Textur und Strich im Vordergrund. Mit Kohle und Tusche setzt Muller auf traditionelle Utensilien, die einst Japaner für ihre Landschaftsbilder auf Papier benutzten und hat deren alternative Verarbeitung ausgelotet. Dabei legt sie fotografische Selbstbildnisse zu Grunde. Die etwas düstere, doch fein gearbeitete Serie harmoniert hervorragend mit Springers Reihe „Je t’aime moi non plus“ – einer Serie von Holzschnitten auf Papier. Im Wechselspiel wirken die technisch so unterschiedlichen Werke der beiden Künstler, deren gemeinsamer Nenner das Spiel mit Werbe-Ikonographie ist, so gut zusammen, dass sie nicht nur aufeinander zu verweisen scheinen, sondern sich gegenseitig hervorheben.

Noch bis zum 25. August im Konschthaus beim Engel.


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