MEDIENPLURALISMUS: Elefanten unter sich

Das Konzept der Regionalsender ist gescheitert. Radiopluralismus ist mit reinem Kommerzfunk nicht zu vereinbaren.

Gerade mal elf knappe Zeilen umfasste das am Donnerstag letzter Woche von „RTL Communication und Luxemburger Wort“ veröffentlichte Kommuniqué, in dem der Öffentlichkeit mitgeteilt wurde, dass die beiden Häuser ihre „Kräfte vereint [haben], um ein frankophones Radio zu lancieren“.

Das kurze Statement, das mehr Fragen aufwirft, als es Antworten liefern kann, ist mit heißer Nadel genäht. Die vom neuen Sender ab Februar 2014 genutzten Frequenzen sind die des DNR, der im Text keine Erwähnung findet.

Der Verdacht, dass es sich eigentlich um ein reines RTL-Vorhaben handelt, wurde denn auch durch RTL-Chef Alain Berwick bestätigt, der 100,7 gegenüber erklärte, RTL „wisse wie man Radio macht“ weshalb es auch den „Lead“ in dem Vorhaben habe. Der Partner LW werde „natürlich“ über die langfristigen Entscheidungen informiert. Die Stimmung zwischen den beiden Medienriesen ist also trotz dieser kommerziellen joint venture wohl immer noch die alte.

Doch was kümmert uns die Gemütslage der beiden größten Medienhäuser in Luxemburg? Nun, wenn beide sich streiten oder – wie im vorliegenden Falle – sich auch einmal zusammenraufen, um etwas Neues auszuhecken, dann geschieht das oft auf Kosten der anderen Medientreibenden in Luxemburg.

Das Radioliberalisierungs-Vorhaben der frühen 1990er ist am Ende.

Mit dem Mediengesetz von 1991 sollten, neben dem soziokulturellen Radio, auch vier Regionalradios einen gewissen Medienpluralismus ermöglichen. Mit der Gründung von „Den neie Radio“ versuchte Saint-Paul, sich ein zusätzliches Standbein zu schaffen. Allerdings brachte der Sender es nie dahin, zu einem ernsthaften Konkurrenten von RTL zu werden. Auch im Saint-Paul-Kerngeschäft, den Printmedien, wurden strategische Fehler gemacht, die den Medienriesen zwangen sich von unprofitablen Geschäftsbereiche zu trennen … und jetzt eben auch vom DNR.

Auch die drei anderen Regionalsender, die 1992 antraten, Luxemburgs Medienlandschaft neu zu bestellen, mussten sich dem Kommerzdiktat fügen. Eldoradio, eine joint venture von RTL und einigen Nicht-Saint-Paul-Zeitungsverlagen, fand sein jugendliches, konsumfreundliches Publikum. Radio latina hatte zwar auch ein spezifisches, werbetechnisch aber wenig ergiebiges Zielpublikum. Und schließlich Radio Ara, das schon vom Ansatz her alles, nur nicht kommerziell, war.

Nach einer Aufweichung des Radiogesetzes geriet Radio latina unter die Fuchtel von Saint Paul, Eldoradio und DNR wurden ganz ihren Mutterhäusern einverleibt. Radio Ara überließ die morgendlichen Sendestunden einem englischsprachigen durch Werbung finanziertem Programm, um die laufenden Kosten zu decken.

Nach fünf Jahren Krise ist das Radioliberalisierungs-Vorhaben der frühen 1990er am Ende: DNR „vermietet“ die ihm zugedachten Frequenzen an RTL, ganz so, als wären sie sein Eigentum. Aber die Frequenzen gehören der Allgemeinheit, das heißt dem Staat, der die Nutzung in einem internationalen Abstimmungsverfahren aushandelt.

Radio Ara hatte 1992 als Hauptfrequenz die 103,3 erhalten. Schon damals war bekannt, dass diese von belgischer Seite gestört werden würde, wenn ein für die Zukunft geplanter Sender im Grenzgebiet tatsächlich in Betrieb gehen sollte. Die langjährigen Forderungen von Ara, für Ersatz zu sorgen, blieben ergebnislos. Im Frühjahr 2013 war es dann soweit: Die Station konnte im Westen und in der Hauptstadt des Landes nicht mehr empfangen werden. Als Notlösung wurde eine Umstellung auf die Frequenz 103,4 vorgenommen, doch diese Frequenz steht Luxemburg eigentlich gar nicht zu – und stört andere Sender im nahen Ausland.

Eine saubere Lösung wäre ein Tausch mit einer der DNR-Frequenzen gewesen. Aber dazu müssten die staatlichen Stellen aktiv werden. Das alte Kontrollgremium wurde vor wenigen Wochen aufgelöst, das neue ist noch nicht zusammengetreten. Ein Vakuum, das den beiden Riesen jetzt erlaubt, Fakten zu schaffen.


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