Expotipp: Enthüllte Talente

von | 15.05.2025

(© María Elorza Saralegui/woxx)

Der Mai steht in Luxemburg ganz im Zeichen des Lichtbildes: Anlässlich zum „Europäischen Monats der Fotografie“ präsentieren sieben ausgewählte Künstler*innen eine fotografische Serie: von ausladenden Landschaftsansichten zu detailreichen Porträts schillernder Tauben – Luisa Maria Stagno deckt zum Beispiel ein breites Sprektrum an Motiven ab. Ebenso eindrücklich sind auch die Aufnahmen von mit Nadeln bestickten Körpen von Liz Lambert. Allgemein überzeugen die Werke an den Wänden und Fenstern der Abtei Neumünster sowohl durch ihre Vielfalt als auch durch ihre künstlerische Qualität. Anders als bei klassischen Ausstellungen haben die in der Schau „Plateforme : Révélation(s)“ vertretenen Fotograf*innen die Möglichkeit, ihre Werke nicht nur der Öffentlichkeit, sondern auch einem Dutzend Kurator*innen und Kunstkritiker*innen vorzustellen. Die ausgewählten Fotografien sind demnach Teil größerer Serien und geben einen Einblick in die Gefühlswelten der Künstler*innen. Individuelle und kollektive Geschichte einen sich etwa in der Serie „Antidote“ von Birgit Ludwig, in der sich die Filmemacherin und Fotografin mit den Folgen des bosnischen Krieges beschäftigt. Mit entwaffnender Ehrlichkeit erzählt auch Giulia Thinnes – die neben ihrer Arbeit als Fotografin auch für die woxx arbeitet – über ihr Leben und ihre Beziehung zu ihren zwei Töchtern nach dem Prozess der Geschlechtsangleichung. Julia Vogelweith richtet ihr Objektiv auf ihr Kind und erkundet geerbte Erziehungsmuster. Diesen Serien, die bestimmte Details oder Figuren in den Fokus nehmen, setzen Letizia Romanini und Olivier Schillen distanziertere Bilder einsamer oder mit Tourist*innen bevölkerten Landschaften gegenüber. Trotz der Unterschiedlichkeit der Themen entfalten die Werke in ihrer Gesamtheit eine Stille und Intimität, die sich gut in die ruhige frühere Kapelle der Abtei einfügt.

Plateforme : Révélation(s). Neimënster, Luxembourg, Bis zum 28. Mai. Mehr Informationen auf: www.neimenster.lu

Dat kéint Iech och interesséieren

KULTURTIPP

Podcasttipp: Im Grunde wäre ich lieber Gedicht

Der schwelgerische Titel „Im Grunde wäre ich lieber Gedicht“ des Poesie-Podcasts des Münchner Lyrik Kabinetts setzt den Ton: Folge um Folge huldigt die Reihe der ältesten aller literarischen Gattungen, der Dichtung. Im Zwiegespräch mit dem Lyriker und Literaturvermittler Tristan Marquardt setzen die eingeladenen Poesie-Expert*innen zwar selten...

KULTURTIPP

Willis Tipps: Januar 2026

Slowakische Roma-Musik Júlia Kozáková kommt aus der Slowakischen Republik und ist eine herausragende junge Sängerin, die Jazz und Flamenco kennt, aber vor allem den Gesang der Rom*nja perfekt beherrscht. Selbst keine Romni, ist sie aber in früher Jugend bereits in den Gesang dieser Bevölkerungsgruppe eingeführt worden. 2022 veröffentlichte sie...

KULTURTIPP

Hedonist: Der Gestank des Krieges

Skapulimantie ist eine archaische Form der Wahrsagerei, bei der die Schulterknochen von Tieren nach deren Schlachtung zu Rate gezogen werden. „Scapulimancy“ ist auch der Titel des ersten Albums der kanadischen Metalband „Hedonist“. Doch bei deren Zukunftsvisionen sind Tierknochen noch das Harmloseste: Es ist eine Welt aus universalem Tod und...

KULTURTIPP

Buchtipp: Déierefabelen

Tierfabeln sind mehr als das dekorative Papier, in das seit Jahrhunderten moralische Botschaften oder politische Kritik eingeschlagen wird. Ihre literarische Bedeutung übersteigt ihren didaktischen Wert auch deshalb, weil sie sich als phantastisch-poetische Erzählungen einer Symbolsprache bedienen, die Kinder wie Erwachsene fasziniert und oft...