Mit neuem Album live im Trifolion
Divanhana ist die international erfolgreichste Gruppe Bosnien-Herzegowinas, die eine moderne Form der traditionellen Sevdah – auch Sevdalinka genannt – spielt. 2022 erreichte sie Top-Positionen in den Weltmusikcharts und das renommierte britische Magazin „Songlines“ kürte sie zur Weltmusikgruppe des Jahres 2023. Sevdah ist von seinem Ursprung her ein melancholischer Gesangsstil, der von Divanhana aber fantasievoll umgesetzt wird. Jetzt ist ihre siebte Platte erschienen, die den Titel Radio Sevdah trägt. Hier sind einige Stücke wie in einer Radiosendung mit Moderationen versehen, die die Geschichte und Hintergründe der bosnischen Sevdalinka erläutern. Stilistisch geht es dann durch ganz unterschiedliche Interpretationsstile: vom alten A-cappella-Gesang über sparsame, teils angejazzte akustische Begleitung bis zu orchestraler Inszenierung, ein Stück mit knalligen Beats nimmt den im Balkan populären Turbofolk auf die Schippe. Der Pianist Neven Tunjić leitet die Gruppe, in der Akkordeon und Geige eine wichtige Rolle spielen. Die tolle Stimme von Selma Droce prägt das ausgezeichnete, abwechslungsreiche Album. Am 21. November kann man die Gruppe live im Trifolion in Echternach erleben.
Divanhana – Radio Sevdah – CPL Music
Slowakische Harmonie
Wer polyphonen A-cappella-Gesang mag oder ihn kennenlernen möchte, ist bei dem Debütalbum des Frauen-Sextetts Neha! genau richtig. Die Gruppe kommt aus der Slowakischen Republik und hat seit ihrer Gründung 2020 bereits eine große Anzahl an Konzerten gegeben – unter anderem in Frankreich. Neha bedeutet auf Slowakisch „Zärtlichkeit“ und tatsächlich gehen alle Bandmitglieder klanglich sehr einfühlsam, oder eben zärtlich, an die zehn Lieder ihres Albums heran. Hier und da kann man Perkussion als Begleitung ihres Gesangs wahrnehmen. Bei drei Liedern haben Gastmusiker*innen mal eine Harfe, mal ein Cello oder Beatboxing hinzugefügt. Der Titel des Albums Svetu (Slowakisch für „An die Welt“) lässt ahnen, dass das Repertoire nicht eng gesteckt ist. Die traditionellen Lieder stammen aus der Slowakei, der Ukraine, Bulgarien, Serbien, Rumänien und Spanien, fügen sich aber ohne Brüche in ein sehr stimmiges Konzept. Das Ensemble sagt selbst ganz passend: „Neha! steht für Harmonie – zwischen Stimmen, Menschen und Kulturen.“ Schöne Stimmen, schöne Lieder, schönes Konzept: ein sehr schönes Album!
Neha! – Svetu – Neha! (erhältlich im CPL Music Shop)
Klezmer-Meilenstein remastered
Der Klezmer, die bis ins Mittelalter zurückreichende Musik der osteuropäischen Jüd*innen, hat den Holocaust vor allem durch jüdische Migrant*innen in den USA überlebt. Das Musical „Anatevka“ und der konzertante Stil des Klarinettisten Giora Feidman brachte ihn dann auf die Bühnen der Welt und ab den späten 1970er-Jahren erlebte er ein junges Revival. The Klezmatics wurde 1986 von nicht-orthodoxen Jüd*innen in New York gegründet, die 1991 mit ihrem zweiten Album Rhythm + Jews ihre weltweite Karriere begannen und einmal auch einen Grammy gewannen. Diese Platte war lange vergriffen und ist jetzt endlich wieder – remastered – erhältlich digital und (limitiert) auf Vinyl. Einige Stücke sind Alternativaufnahmen von den damaligen Studio- sessions. Hier findet man alles, was die Gruppe ausmacht, nämlich Klezmer mit Anklängen an Rock, Jazz und Balkan in einer innovativen, frischen Form mit Schlagzeug und E-Bass. Das verleiht dem Gesang mit Akkordeon, Klarinette, Trompete und Geige einen unwiderstehlichen Schub – auch nach 34 Jahren noch. Eine neue Platte zum 40. Bandjubiläum ist in Planung, aber dieser Meilenstein hier sollte in keiner Sammlung fehlen!
The Klezmatics – Rhythm + Jews Revisited – Piranha
Kenianischer Afro-Pop
Aus Afrika kommen bekanntermaßen zahlreiche große Sängerinnen wie beispielsweise Oumou Sangaré und Angélique Kidjo. Auf eine Sängerin wie Kasiva Mutua mit vergleichbaren stimmlichen Qualitäten, die aber zudem eine ausgezeichnete Perkussionistin ist, musste man lange warten. Jetzt ist Mutuas erstes Album Desturi erschienen, das, für ein Debüt nicht selbstverständlich, in seiner Gesamtheit überzeugt. Das ist aber nicht überraschend, wenn man weiß, dass die Musikerin schon seit vielen Jahren als Perkussionistin international auf großen Bühnen brillieren konnte. Kasiva Mutua kommt aus Kenia, einem Land, das musikalisch leider nur wenig beachtet wird. Alle Lieder sind von Mutua selbst geschrieben und der in Kenia verbreitete, spannungsreiche 6/8-Rhythmus ist in ihnen stets zu finden. Im Studio in Nairobi hat sie daraus ein erstklassiges Afro-Pop-Album geformt, auf dem der kenianische Benga-Stil sowie auch westafrikanische Djembe-Perkussion zu einer panafrikanischen Mischung verschmelzen. Neben der Perkussion von Mutua erklingen Drums, Bass, viel Gitarre und man hört eine kompetente Bläsersektion. Toller Roots-Pop mit Tiefe made in Africa!
Kasiva Mutua – Desturi – Delicious Tunes
World Music Charts Europe November – Top 20
1. Divanhana – Radio Sevdah – CPL Music
2. Lina & Marco Mezquida – O Fado – Galileo
3. Širom – In the wind of the night, hard fallen incantations whisper – Glitterbeat
4. Radio Tarifa – La Noche – Buda Musique
5. Amira Kheir – Black Diamonds – Sterns Music
6. Kasiva Mutua – Desturi – Delicious Tunes
7. Cerys Hafana – Angel – Glitterbeat
8. Alaa Zouiten – Aficionado – Alaa Zouiten
9. Hawa & Kasse Mady Diabaté – Toumaro – One World Records
10. Guitari Baro – Guitari Baro – Chrysalis Global
11. Cheikh Lô – Maame – World Circuit
12. Tania Saleh – Fragile – Tantune
13. Murmurosi – Svitanok – Murmurosi
14. José Peixoto & Nuno Cintrao – Galileo
15. Balkan Taksim – Acide Balkanique – Buda Musique
16. Nabu Pera – Soundscapes of Nicosia – Zero Nove Nove
17. Yasmine Hamdan – I remember I forget – Crammed Discs
18. Neha! – Svetu – Zvukopriestor
19. Duo Ruut – Ilmateade – Duo Ruut Music
20. V.A. – 10 years of sonic explorations – Bongo Joe

