
(© forum)
Auf dem Cover räkelt sich ein leicht bekleideter Körper auf weißen Laken, auf ihm liegt ein roter Latexhandschuh: Das ungewöhnliche Bild – fotografiert von Anaïs Kugel im Rahmen eines Auftrags der französischen Nationalbibliothek – fungiert als bewusster Auftakt für die neue umfangreiche Forum-Ausgabe über Sexarbeit in Luxemburg. Es setzt keinen voyeuristischen, sondern einen sensibel-reflektierten Ton, der sich durch das gesamte, 45 Seiten starke Dossier „My Body, My Choice?“ von Jeff Mannes zieht. Mannes, der aus der Perspektive eines schwulen, cis-Mannes schreibt, ist Soziologe sowie Sexualpädagoge und liefert eine dichte Analyse mit spezifischem Bezug auf Luxemburg und auf mehreren Ebenen: die Geschichte der Sexarbeit, ihre rechtlichen Rahmenbedingungen, die Rolle von Medien und gesellschaftlicher Stigmatisierung sowie die gelebten Realitäten der Sexarbeitenden selbst. Dabei zeigt sich auch, dass strukturelle Faktoren die „Freiwilligkeit“-Debatte rund um Sexarbeit prägen: eine Migrationspolitik, die Menschen ohne Arbeitserlaubnis in prekäre Situationen drängt; Armut, fehlende soziale Absicherung und massive Wohnungsnot. Passend dazu, beschäftigen sich die Beiträge außerhalb des Titelthemas unter anderem mit der „House Europe!“ Initiative, die sich mit dem Konzept Umbau statt Abriss für eine nachhaltige und sozial-gerechte Stadtentwicklung einsetzt. Auch die woxx berichtete jüngst darüber (woxx 1859). Ein weiterer lesenswerter Beitrag widmet sich den künstlerischen und kulturellen Herausforderungen der Éducation artistique et culturelle (EAC) in Schulen, vor allem auch aus Sicht der beteiligten Künstler*innen.

