Centre national de l’audiovisuel: Es brodelt im Kessel

von | 12.02.2026

Vor Kurzem hat ein Ex-Mitarbeiter des CNA schwere Vorwürfe gegen dessen Direktor Gilles Zeimet und den Kulturminister Eric Thill erhoben: Der eine sorge für ein toxisches Arbeitsklima, der andere stecke den Kopf in den Sand. Die Beschuldigten reagierten.

Das CNA in Düdelingen. Bereits unter der Leitung des ehemaligen Direktors Paul Leesch war von internen Spannungen die Rede. (Foto: Romain Girtgen, via Wikimedia Commons)

Die Liste der Beschuldigungen, die Joy Hoffmann als früherer Mitarbeiter gegen das Centre national de l’audiovisuel (CNA) und dessen Direktor Gilles Zeimet kürzlich erhoben hat, ist lang, und die einzelnen Vorwürfe wiegen schwer. In einem offenen Brief, der vergangenen Donnerstag im Tageblatt veröffentlicht wurde, schrieb der Filmkritiker, dass Mitarbeiter*innen nach Mobbing das Handtuch geworfen und Neuzugänge mit wenig Expertise danach die Posten übernommen hätten. Fehlinvestitionen seien getätigt worden und gleichzeitig habe man dort gespart, wo Geld dringend nötig gewesen wäre, nämlich beim technischen Warnsystem. Das Resultat: Die Ausstellung mit wertvollen Fotografien aus dem Nachlass von Lutz Teutloff musste vergangenes Jahr vorzeitig geschlossen werden, weil Exponate durch Feuchtigkeit beschädigt wurden. Sie werden gerade restauriert.

Das CNA komme zudem seinen Hauptaufgaben nicht nach, kritisierte Hoffmann. Obgleich man die Arbeiten hätte progressiv durchführen können, seien das Foto- und Video-Archiv wegen der Zusammenlegung und Inventarisierung der Bestände ein Jahr geschlossen gewesen. Dadurch hätte die Öffentlichkeit keinen Zugang zu den Archivgütern und Katalogen gehabt.

Das Team leide außerdem unter einem „toxischen und chaotischen Arbeitsklima“, einer schlechten internen Organisation sowie dem autoritären Führungsstil und Mikromanagement des seit Mitte 2023 an der Spitze des Hauses stehenden Direktors Gilles Zeimet, so Hoffmann.

In seinem Beitrag ging der Filmkenner nicht nur mit der Leitung des CNA hart ins Gericht, auch das Kulturministerium geriet ins Visier. Dem Kulturminister Eric Thill (DP) unterstellte er Passivität. Dem Herausdrängen zweier Kuratorinnen sowie einer weiteren Person habe das Ministerium zugesehen, ohne sich einzuschalten und die Betroffenen zu schützen, womit es seine Pflichten vernachlässigt habe, beanstandete der ehemalige Verantwortliche der CNA-Filmabteilung.

Aktion und Reaktion

Auf Hoffmanns Rundumschlag folgten prompt Reaktionen, die wiederum Gegenreaktionen provozierten. Am Montag veröffentlichte das CNA ein Pressecommuniqué, in dem es vor allem seine Missionen und Überzeugungen thematisierte. Diese stellten das Fundament des Entwicklungsprozesses dar, den das Zentrum gerade durchlaufe. „Die übergreifenden Prioritäten betreffen die Schaffung eines ruhigen und motivierenden Arbeitsumfelds, die Stärkung der Zusammenarbeit, die Klärung von Rollen und Prozessen sowie die Entwicklung einer transparenten und verbindenden Führungskultur“, betonte das CNA. Der Direktor stehe indes für weitere Gespräche nicht zur Verfügung.

An demselben Tag meldete sich auch Eric Thill in einem 100,7-Interview zu Wort. Er nehme Hoffmanns Vorwürfe zur Kenntnis, aber man müsse festhalten, dass es sich hierbei um eine persönliche Meinung handle. Das CNA mache gerade einen tiefgreifenden Modernisierungsprozess durch und dabei könnten eben Spannungen entstehen. „In der aktuellen Konstellation stehe ich hinter der Direktion, hinter dem Team“, stellte Thill im Gespräch klar.

Die Darstellungen des Ministers blieben nicht lange unwidersprochen. Er könne alle Vorwürfe belegen, versicherte Hoffmann einen Tag später ebenfalls auf 100,7. Es gehe um Fakten, nicht um subjektive Sichtweisen. Im Juli vergangenen Jahres habe er bereits um eine Unterredung mit dem Minister gebeten und dem Ministerium bei der Gelegenheit alle wichtigen Informationen über die Missstände im CNA zukommen lassen. Genützt habe das ebenso wenig wie das Treffen mit Thill, das vor drei Monaten stattgefunden habe. Selbst seine Drohung, an die Öffentlichkeit zu gehen, wenn das Ministerium nicht tätig werde, habe nichts geändert, sagte Hoffmann.

Der CNA-Direktor Gilles Zeimet äußerte sich, gleichfalls im Radio, am Mittwoch zum ersten Mal zu der harschen Kritik. Er sieht die Probleme, mit denen das CNA derzeit konfrontiert ist, in der Umorganisation des Organigramms begründet. Zwischen einzelnen Personen seien im Zuge der Umstrukturierung neue Verbindungen geschaffen worden, und das habe nicht immer reibungslos funktioniert. Die daraufhin geführten Mit- arbeiter*innengespräche seien aber durchweg zielorientiert und in einem höflichen Ton verlaufen, sagte Zeimet, womit er die Mobbingvorwürfe dementierte.

Maßnahmen des Kulturministeriums

Die Berichterstattung und der öffentliche Schlagabtausch zwischen Hoffmann und dem Minister hatten indes andere Politiker*innen hellhörig werden lassen: Anfang der Woche stellten Déi Lénk eine parlamentarische Anfrage zu den Vorkommnissen im audiovisuellen Zentrum. Thill antwortete Mitte der Woche. Neben Informationen zur extern durchgeführten Analyse der Klimaanlage, welche wegen der Beschädigungen an der Teutloff-Sammlung veranlasst wurde, lieferte der Kulturminister Erklärungen zur Schließung der Archive sowie den Investitionen in das Ciné Starlight, die Hoffmann in seinem offenen Brief als unverantwortlich, weil unverhältnismäßig bezeichnet hatte. Der Zugang zu Dokumenten sei bei Bedarf die ganze Zeit über sichergestellt gewesen, bekräftigte Thill. Die Modernisierung der beiden Kinosäle erfolge ihrerseits im Sinne der Vorausschau und Nachhaltigkeit.

Zu den Personalproblemen äußerte sich Thill wie folgt: „Die Spannungen und Herausforderungen auf Personalebene wurden in jeder Phase des Transformationsprozesses kontinuierlich vom Ministerium begleitet und überwacht.“ Zu den von ihm eingeleiteten Maßnahmen gehörten unter anderem eine interne Zufriedenheitsumfrage und eine partizipative SWOT-Analyse, bei der sowohl interne Stärken und Schwächen als auch externe Chancen und Risiken identifiziert wurden. Überdies wurde ein „Guide de l’agent“ erstellt, um interne Regeln transparenter zu machen, das Koordinationsteam wurde gezielt begleitet und ein Experte für Prozessmanagement eingestellt. „Wie jede Strukturreform sind diese Maßnahmen langfristig angelegt und sollen nachhaltige Auswirkungen zum Wohle der Einrichtung und des Personals erzielen.“

Auf Nachfrage der woxx bekräftigte das Ministerium, dass es kein Mobbingverhalten toleriere. Über die Zufriedenheitsumfrage schrieb es: „Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass das Personal sich stark mit dem CNA und seinen Aufgaben identifiziert und ein hoher Grad an professionellem Engagement besteht.“

Die Diskussionen um die CNA-Managementprobleme werden Kulturminister Eric weiterhin begleiten: Mit ihnen wird sich die parlamentarische Kulturkommission am 25. Februar befassen.

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