Apulische Emotionen
Das neue Album San Paolo di Galatina von Maria Mazzotta ist das fünfte seit 2015. Die produktive Künstlerin stammt aus Lecce in Apulien und ist eine ganz große Interpretin des süditalienischen Liedes. Nach ihrer 15-jährigen Zugehörigkeit zur berühmten Gruppe „Canzoniere Grecanico Salentino“ entschloss sie sich, eine Solokarriere zu starten, um Dinge auszuprobieren, die sie in ihrer alten Band nicht realisieren konnte. Nach Alben nur mit Cellobegleitung und der Hinzunahme von Balkanliedern sowie Aufnahmen mit unterschiedlich agierenden Gruppen wird sie auf „San Paolo di Galatina“ ganz zurückgenommen vom spanischen Produzenten Raül Refree auf der akustischen Gitarre begleitet. Hie und da werden elektronische Soundtupfer eingefügt und der spanische Frauenchor „Cor Plèiade“ vertieft gelegentlich den Raum atmosphärisch. So bleibt genügend Platz, damit sich die ganz besonders ausdrucksstarke Stimme Mazzottas entfalten kann. Die Lieder stammen aus der Gegend, in der Mazzotta aufgewachsen ist und man spürt deutlich, dass ihr diese besonders ans Herz gewachsen sind. Da paaren sich tiefe Emotionen mit rauer Expressivität. Klasse!
Raül Refree & Maria Mazzotta- San Paolo di Galatina – Galileo
Kretische Lyra-Exkursionen
Der auf Kreta aufgewachsene Musiker Stelios Petrakis spielt die mit einem Bogen gestrichene Schalenhalslaute Lyra. Die Wurzeln dieses auf dem Knie aufgesetzten Instruments gehen zurück bis ins 10. Jahrhundert; in der kretischen Musik nimmt es eine zentrale Rolle ein. Petrakis hat das ursprünglich mit drei Saiten bespannte Instrument mit zahlreichen weiteren Resonanzsaiten versehen. Er gilt seit vielen Jahren als einer der Großen der jüngeren Generation von Lyraspieler*innen und hat seit über 20 Jahren zahlreiche hochgelobte Platten veröffentlicht. Auf dem aktuellen Album Lyric kooperiert er mit einer Reihe bekannter internationaler Instrumentalist*innen, wie mit dem Spanier Efrén López und dem Perkussionisten Bijan Chemirani, der iranischer Herkunft ist. So wundert es nicht, dass die aktuelle Platte sich nicht allein auf kretische Traditionen bezieht, sondern musikalisch breit aufgestellt ist. So hört man unter anderem anatolisch geprägte Musik, ein Stück, das in Spanien verwurzelt ist und sogar etwas von Metallica wird verarbeitet. Dafür, dass sich all dies harmonisch zusammenfügt, sorgen der tolle Klang der Lyra und die Kongenialität der Mitmusiker*innen.
Stelios Petrakis – Lyric – Buda Musique
Vocal Folk Hop aus Finnland
Auf ein neues Album des Frauen-Vokalquartetts Tuuletar (in Finnland: Göttin des Windes) aus Helsinki hat man lange warten müssen, dabei waren die Sängerinnen mit ihren vorherigen Alben 2017 und 2019 in Finnland und international höchst erfolgreich. Die vier Frauen beherrschen den polyphonen Gesang perfekt und begleiten sich gelegentlich mit Perkussion und Beatboxing. Wie schon auf älteren Platten sind die neuen Stücke meist selbstgeschrieben und sie erhalten ihren spezifischen Klang dadurch, dass die Sängerinnen verschiedene traditionelle Gesangsstile Finnlands nutzen und zusammenführen. Das klingt einerseits modern und andererseits so, dass man die finnländische Herkunft nicht überhören kann. Die Gruppe nennt das Vocal Folk Hop. Das aktuelle Album des Quartetts knüpft musikalisch an das an, was es mit seinem vorherigen bereits zu Gehör gebracht hat. Der Titel des Albums lautet Maammo und meint „Mutter Erde“, die, wie das Booklet verrät, „schon immer das heimatliche Dorf und die weite Welt miteinander verbunden hat“. Die Lieder auf Maammo kreisen dabei um „die fragile Umwelt, die Vielfalt und vor allem um Hoffnung“. Inhaltlich engagiert und musikalisch höchst beeindruckend!
Tuuletar – Maammo – Nordic Notes
Bester Afro-Jazz
Das Balafon ist ein ganz typisches Instrument in Westafrika, das als Urmutter des Xylophons gilt und mit hölzernen Klangstäben bestückt ist, die für einen besonders erdigen Klang sorgen. Ein bedeutender Spieler des Balafons ist Aly Keïta, der aus der Elfenbeinküste stammt. Nach dem Erscheinen seiner ersten Platte im Jahr 2000 hat Keïta eine große Menge an weiteren Alben eingespielt. Häufig hat er mit europäischen Jazzmusikern zusammen aufgenommen und auch auf seiner neuen Veröffentlichung im Trioformat sind gestandene Jazzer involviert. Am E-Bass steht der Italiener Roberto Badoglio und für Schlagzeug und Perkussion ist der Niederländer Marcel van Cleef zuständig. Das Aly Keïta Trio, das gegenwärtig in Berlin ansässig ist, hat das gemeinsam eingespielte Album Balafon Evolution genannt. Die neun Kompositionen sind bis auf eine, bei der die schöne Stimme der malischen Sängerin Mariam Koné erklingt, Instrumentals. Dies hier ist bester Afro-Jazz, bei dem das Schlagzeug groovt, der Bass mal knalligen Funk und mal zweite Stimme liefert und Keïta funkensprühend – oft rasend schnell gespielt – das Balafon bedient. Hervorragender Fusion-Sound!
Aly Keïta Trio – Balafon Evolution – One World Records
World Music Charts Europe März – Top 20
1. Canzoniere Grecanico Salentino – Il Mito – Ponderosa
2. Raül Refree & Maria Mazzotta – San Paolo di Galatina – Galileo
3. Altin Gün – Garip – Glitterbeat
4. Tuuletar – Maammo – Nordic Notes
5. Stelios Petrakis – Lyric – Buda Musique
6. Maria Kalaniemi & Pekko Käppi – Tareportens Pärla – Akerö
7. Nancy Vieira & Fred Martins – Esperanca – Galileo
8. Monoswezi – Moyo – Parallell
9. Mama Sissoko – Diamond Fingers – One Word Records
10. Crossing (Diabaté, Martella, Schiavone) – The Path before us – Circular Music
11. Muluken Mèllèssè – Èthiopiques 31 – Buda Musique
12. Sadu – Probleemid Paradiisis – Sadu
13. Aly Keita Trio – Balafon Evolution – One World Records
14. Yin Yin – Yatta! – Glitterbeat
15. Júlia Kozáková – Manusa II – CPL Music
16. Lina & Marco Mezquida – O Fado – Galileo
17. Dorota Barová – Pisen pro mi – Animal Music
18. WÖR & Kongero – Songbook Live – Nordic Notes
19. Imarhan – Essam – City Slang
20. Catrin Finch – Notes to self – Bendigedig

