Juli 2026: Willis Tipps

von | 17.07.2026

Skandinavische Schnittpunkt

Mit Decennium, seinem dritten Album seit 2016, feiert das skandinavische Frauentrio Fru Skagerrak sein zehnjähriges Jubiläum. Neben gelegentlichen Gesangseinlagen und Flötenspiel stehen sowohl Standardgeigen als auch die mit einer tieferen Saite versehene fünfsaitige Geige und die gänzlich tiefer gestimmte Oktavgeige im Zentrum ihres musikalischen Ausdrucks. So können die Künstlerinnen ihr Klangspektrum im Vergleich zu traditionellen Violinentrios deutlich nach unten erweitern, was mehr Farbe ins Spiel bringt. Maja Kjær Jacobsen kommt aus Dänemark und hat vor zwei Jahren erst mit ihrem größeren Ensemble Maja Kjaer si Orkester eine Platte herausgebracht. Elise Wessel Hildrum ist Norwegerin und ist neben ihrem Geigenspiel eine preisgekrönte Flötenspielerin. Die Schwedin Anna Lindblad beherrscht neben traditionellen Geigenklängen aus ihrer Heimat auch Stile aus dem kanadischen Quebec und dem US-amerikanischen Louisiana. Jetzt haben sie ein stilistisch grenzübergreifendes, aber harmonisches Album mit Traditionellem – meistens aus Skandinavien – sowie Eigenkompositionen veröffentlicht. Das perfekte Zusammenspiel der verschiedenen Violinenformen begeistert dabei besonders.

Fru Skagerrak – Decennium – GO‘ Danish Folk

Kurdische Melancholie

Sakîna Têyna wurde in eine kurdisch-alevitische Familie in Ostanatolien geboren. Sie entdeckte kurdische Musik während ihres Studiums in Istanbul, aber sah sich wegen der restriktiven Politik in der Türkei gezwungen, ihre Musik heimlich zu praktizieren. Bis 1991 war es in der Türkei verboten, kurdische Sprachen zu benutzen. Auch danach wurden die Kurd*innen dort drangsaliert. Weil sie sich politisch engagiert hatte, musste sie 2006 ihre Heimat verlassen und zog nach Wien. Sie tritt in verschiedenen Formationen als Sängerin auf, zuletzt in der international besetzten Formation Sakîna & Friends, und veröffentlichte mehrere Alben. Ganz neu ist jetzt ihre Platte Sûret – Faces and Images erschienen, auf der sie von einem sechsköpfigen akustischen Ensemble, das der iranische Gitarrist Mahan Mirarab führt, begleitet wird. Die beiden haben zusammen oder einzeln einen Großteil der neun Lieder geschrieben und Gedichte anderer kurdischer Poeten vertont. Inhaltlich geht es um die Fotos derer, die aus Kurdistan verschwunden sind, sei es, weil sie verstorben sind oder ins Exil gehen mussten. Ein ernstes Thema, das von Têyna musikalisch stark und bewegend umgesetzt wurde.

Sakîna Têyna – Sûret, Faces and Images – Dreyer Gaido Musikproduktionen

Griotte aus Mali

Mali hat eine ganze Reihe von herausragenden Sängerinnen zu bieten. Einige bringen die alten traditionellen Stile, andere ihre modernisierten Formen zu Gehör. Zur ersten Gruppe gehört Mah Damba aus Bamako, die einer berühmten, alten Griot-Familie entstammt. Nach einer längeren Pause ist gerade ihr neues, sehr empfehlenswertes Album Taabolo Koura in die Läden gekommen. Mit ihrem Ehemann, dem Koraspieler Mamaye Kouyaté, ging sie 1983 nach Frankreich. Nach einer ersten Kassette Ende der 1980er-Jahre war sie 1997 auf der Meilenstein-Kompilation „The Divas from Mali“ zu finden. Nach dem Tod ihres Ehemanns im Jahr 2009 und einem weiteren Album 2011 verlor sie die Motivation, ihre Karriere weiter fortzusetzen. Es ist dem französischen Gitarristen Thierry Fournel zu verdanken, dass Mah Damba 2019 endlich wieder eine Platte aufnahm, die in den Weltmusikcharts sehr erfolgreich war. Auf Taabolo Koura ist wieder die Gitarre von Fournel und ein Ensemble auf meist traditionellen Instrumenten zu hören. Wer eine große weibliche Stimme aus Mali im epischen Griot-Stil genießen möchte, sollte diese Platte auf jeden Fall hören.

Mah Damba – Taabolo Koura – One World Records

Cumbia anders

Mittlerweile ist es recht schwierig mitzubekommen, auf welch abenteuerliche Weise im Süden des amerikanischen Doppelkontinents Roots-Musik mit Elektronik und freien Formen zu ganz verblüffenden, aber gut tanzbaren Sounds vermengt werden. Immerhin sind in Europa ein paar Platten der Meridian Brothers aus dem kolumbianischen Bogota erhältlich. Der Kopf dieser Neo-Cumbia-Gang, Eblis Alvarez, war sogar vor einiger Zeit mit seiner zweiten Combo Los Piranhas in Luxemburg live zu erleben. Die Meridian Brothers sind seit über 20 Jahren Teil der Neo-Cumbia-Szene in Kolumbien und genau so lange ist der mexikanische DJ und Elektroniker Camilo Lara unter dem Namen Mexican Institute of Sound unterwegs. Jetzt haben sich Lara und Alvarez zusammengetan und das Album Ruido Tovar produziert, das die kolumbianische Urform der Cumbia und die mexikanische Variante mischt. Bei zwei Stücken wurde auch der US-Amerikaner Beck (Hansen) mit eingebunden. Es dominiert der drückende, repetitive Cumbia-Rhythmus, meist wird gesungen und die eingängigen Melodien werden mit E-Gitarre, Keyboard und Geräuschen schrill und auch dissonant verbogen. Cumbia aufregend anders!

Mexican Institute of Sound & Meridian Brothers – Ruido Tovar – Ansonia

World Music Charts Europe Juli – Top 20

  1. Mah Damba – Taabolo Koura – One World Records
  2. Tamikrest – Assikel – Glitterbeat
  3. Gaoussou Sobra Kouyaté – Sobra Dance – One World Records
  4. Slavyk – 11 Songs of Love & Suffering – CPL-Music
  5. Paolo Angeli & Tenore de Murales Orgosolo – Vinti e Maju – AnMa
  6. 6. Fatoumata Diawara – Massa – No Format!
  7. 7. Yiddish Glory – The Silenced Songs – Six Degrees
  8. 8. Antti Paalanen – Haitarimarinadi – RockAdillo
  9. 9. The Klezmatics – We Were Made For These Times – Asphalt Tango
  10. 10. Sonetos del Amor Oscuro – Volume II: Secretos de Melancolia – Zephyrus
  11. 11. Kareyce Fotso – GWA – Contre-Jour
  12. 12. Divka – Folk Fatale – Divka
  13. 13. Spok – Raízes – YB Music 14. BCUC – The Road Is Never Easy – Outhere Records
  14. 15. Souad Massi – Zagate – Backing Track
  15. 16. Naked & Mónika Lakatos FolkTrio – Neked – Adriatica Records
  16. 17. Vilma Jää – Loitsui ja taikoi – Jäähile Records
  17. 18. Cocanha – Flame Folclore – Bongo Joe
  18. 19. Dorea – O que mais voce quer sabe a mim? – Ajabu!
  19. 20. Katalena – Meja – Zars

 

Die WMCE TOP 20/40 bei: www.wmce.de, Facebook „Mondophon auf Radio ARA“ und woxx.lu

 

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