Willis Tipps: Juni 2021

Mali-Shouterin posthum

Die starke malische Sängerin Khaira Arby aus Timbuktu, die in Folge eines Schlaganfalls 2018 nicht einmal 60-jährig verstarb, blieb in Europa leider ein Geheimtipp. Als erste Sängerin Nordmalis veröffentlichte sie Anfang der 1990er ein Album unter eigenem Namen und wurde in der Folge als die Nachtigall Timbuktus bezeichnet. Der Terror von Fundamentalisten zwang Arby 2012, nach Bamako zu gehen. Trotz zweier internationaler Plattenveröffentlichungen und Kooperationen mit Ali Farka Touré und Bassekou Kouyaté erreichte sie international nicht den Bekanntheitsgrad, den sie sich in Mali erarbeitet hatte. Nun ist posthum das Album New York Live erschienen, das 2010 aufgezeichnet wurde. Die elektrische Band und die malischen Lauten Tehardant und Ngoni erzeugen hohen Druck und Dramane Touré zaubert auf der verzerrten E-Gitarre. mehr lesen / lire plus

Willis Tipps: Mai 2021

Starker Maloya

Maloya ist die Musik der Insel La Réunion im Indischen Ozean, die auch heute noch zu Frankreich gehört. Als Ausdruck kreolischer Identität galt er als subversiv – auch weil die Kommunistische Partei den Maloya unterstützte. Erst 1981 beendete Frankreich das Verbot; die Unesco nahm ihn 2009 in die Liste des immateriellen Kulturerbes auf. Eine der bedeutendsten Künstler*innen La Réunions ist Christine Salem, die ab 1997 mit ihrer Gruppe Salem Tradition auftrat und seit 2010 unter ihrem eigenen Namen aktiv ist. Nach sechsjähriger Pause ist jetzt ihr Album Mersi erschienen. Der Maloya-Groove kommt von den typischen Perkussionsinstrumenten wie der Kayamb. mehr lesen / lire plus

Willis Tipps: April 2021

Iranischer Meister trifft Niederländer

Manche west-östlichen Kooperationen sind arg gekünstelt. Hier haben wir aber eine wirklich gelungene Aufnahme. Das niederländische Rembrandt Trio hatte bereits 2019 eine starke CD mit dem iranischen Kamantsche-Meister Kayhan Kalhor vorgestellt und hat jetzt eine Aufnahme mit der anderen unbestrittenen iranischen Größe, Hossein Alizadeh, auf den Markt gebracht. Alizadeh beherrscht die traditionellen persischen Lauten Tar und Setar und glänzt auf dieser Aufnahme mit einer Kombination aus beiden, der Shurangiz. Im niederländischen Trio finden sich erfahrene, freie Geister, die keine Kategorien brauchen. Rembrandt Frerichs spielt den Nachbau eines alten Pianoforte, Tony Overwater die sechssaitige Violone, den Vorläufer des Kontrabasses, und Vinsent Planjer fügt genau das an Perkussion hinzu, was die Kompositionen brauchen. mehr lesen / lire plus

Willis Tipps: März 2021

Eine Perle ungarischer Roma-Musik

Schon in den 1990ern hat Mónika Lakatos ihre ersten Erfolge in Ungarn gefeiert und wurde im letzten Jahr von der Weltmusikmesse Womex in Budapest mit dem Artist Award geehrt. Das war die hochverdiente Würdigung einer bedeutenden Sängerin und auch ein politisches Signal gegen die fortgesetzte Diskriminierung der Roma – nicht nur – in Orbans Ungarn. Nun ist die CD Hangszín mit ihrer Band Cigány Hangok (Gipsy Voices) erschienen. Diese kleine, fast zerbrechlich wirkende Frau hat eine ganz starke Stimme, die sowohl bei schnellen Liedern als auch bei getragenen Lamentos Gänsehaut bei den Hörer*innen erzeugt. Mónika Lakatos gehört den Oláh-Roma an, eine Volksgruppe, die einst aus Tschechien nach Ungarn gezogen ist, einen eigenen Dialekt spricht und unter den ungarischen Roma eine Minderheit bildet. mehr lesen / lire plus

Willis Tipps: Februar 2021

Madagaskar-Blues

Tao Ravao und Vincent Bucher haben ihre erste gemeinsame Platte bereits 1993 gemacht. Tao ist Franko-Madagasse, singt auf Madagassisch, Französisch und Englisch und spielt die madagassische Kabôsy-Laute sowie die Bambus-Röhrenzither Valiha. Vincent ist in Paris aufgewachsen und ein umwerfender Mundharmonikavirtuose, der auch auf mehreren Platten der malischen Legende Boubacar Traoré zu hören ist. Beide haben schon in jungen Jahren in den USA mit Bluesgrößen wie Walter Horton und Louisiana Red zusammengespielt. Auf ihrer siebten gemeinsamen Platte Piment Bleu präsentieren sie wieder ihre einzigartige Mischung zwischen Baobab und Baumwollfeld. Stücke mit Blues-Fokus erhalten ihren ganz speziellen Charakter durch die madagassischen Instrumente; Kompositionen mit Madagaskar-Orientierung werden von Vincents Mundharmonikaspiel einfühlsam verbluest. mehr lesen / lire plus

Willis Tipps: Januar 2021

Berührendes Bosnien

Wer die Musik des Balkans auf schmissige Blaskapellen reduziert, liegt falsch. Uralte Wurzeln hat der ruhige, melancholische Sevdalinka, der in Bosnien-Herzegowina zu Hause ist. Amira Medunjanin ist die führende Vertreterin dieses Gesangsstils, die aber auch andere Formen glänzend beherrscht. Jetzt ist ihr zehntes Album unter dem Titel For Him and Her veröffentlicht worden. Es enthält Lieder des serbischen Sängers und Komponisten Toma Zdravkovic und der bosnischen Sängerin Silvana Armenulic, die mit ihrer Kooperation den jugoslawischen Folk der 1960er und 1970er geprägt haben. Amira Medunjanin hat zwölf ihrer Lieder neu aufgenommen und entführt uns damit in eine Vergangenheit, in der die ethnische Vielfalt des Balkans nicht nur als selbstverständlich, sondern auch als bereichernd begriffen wurde. mehr lesen / lire plus

Willis Tipps: Dezember 2020

Afro-brasilianisches Debut

Ein Ergebnis des portugiesischen Kolonialismus ist die klangliche Verwandtschaft der aktuellen Musiken der heute unabhängigen Länder. Das Debutalbum der Gruppe Ayom zeigt sehr schön, wie nah sich die Stile Brasiliens, Angolas und der Kapverden sind. Die Sängerin und Perkussionistin Jabu Morales stammt aus Minas Gerais in Brasilien und ging nach Barcelona, wo sie auf gleichgesinnte Musiker traf. Das dort gegründete Ensemble nennt sich nach der Orisha-Göttin der Trommel Ayom. Der Orisha-Glaube stammt aus Westafrika und hat auch in Brasilien seine Anhänger*innen. Der Name der Gruppe ist Programm. Auf der CD werden die afrikanischen Elemente brasilianischer Musik ausgelotet. Jabu Morales singt in verschiedenen Sprachen, mischt unterschiedliche lusophone Musikformen und der italienische Akkordeonist Alberto Becucci fügt noch einen Schuss Mittelmeer hinzu. mehr lesen / lire plus

Willis Tipps: November 2020

Junge Frauenpower aus Benin

Diese Gruppe hier ist eine große Ausnahme, denn Bands, in denen Frauen nicht nur singen, sondern auch alle Instrumente spielen, sind in allen Genres sehr selten. 2016 entstand im westafrikanischen Benin eine Band von Mädchen und jungen Frauen im Alter von 10 bis 17 Jahren. 2018 nahmen sie in ihrer Heimat eine Platte auf, die jetzt auch hier erhältlich ist. Die siebenköpfige Gruppe nennt sich Star Feminine Band und macht auf dem Debütalbum ihrem Namen alle Ehre, denn die Songs sind feministisch und behandeln Themen wie Schulbildung für Mädchen und gesellschaftliche Gleichberechtigung. Die Platte wurde in Benin aufgenommen und hat den erfrischenden, ungeglätteten Charme einer Lo-Fi-Produktion. mehr lesen / lire plus

Willis Tipps: Oktober 2020

Lieder der jüdischen Arbeiter*innenbewegung

Isabel Frey ist eine militante Sängerin und Gitarristin und hat ein hochinteressantes Debutalbum aufgenommen. Es enthält 16 politische Lieder auf Jiddisch. Die kämpferischen Gesänge des jüdischen Teils der Arbeiter*innenbewegung sind ziemlich in Vergessenheit geraten. Deshalb ist es sehr erfreulich, dass die in Wien geborene und aus einer jüdischen Familie stammende Frey dieses Erbe der europäischen Jud*innen wieder auf die Tagesordnung setzt. Der Titel des Albums Millenial Bundist bezieht sich auf die 1897 gegründete Organisation jüdischer Sozialist*innen „Der Bund“. Die Lieder hat Isabel Frey meist sparsam begleitet aufgenommen. Viele dieser Stücke sind weitgehend unbekannt, aber manche Hörer*innen werden sich noch an „Im Kamf“ erinnern, ein Streiklied, das der russische Anarchist David Edelshtat geschrieben hat und auch von den Klezmer-Innovatoren The Klezmatics aufgenommen wurde. mehr lesen / lire plus

Willis Tipps: September 2020

Mit Selma nach Mosambik

Selma Uamusse ist eine junge Sängerin, die schon 2018 mit ihrem ersten Album einen starken Eindruck hinterließ. Sie lebt in Portugal, stammt aber aus Mosambik, und die dortigen musikalischen Traditionen sind die Basis für ihr aktuelles musikalisches Schaffen, obwohl sie mit Gospel, Soul und Jazz begonnen hatte. Erst spät entdeckte sie das musikalische Erbe ihres Herkunftslandes wieder. In ihrer Musik spielen die Klänge der Timbila, dem mosambikanischen Xylophon, eine wichtige Rolle und sind in ihren ganz modernen Stil harmonisch eingebettet. Die Instrumentierung und das Arrangement sind ansonsten rockig-soulig mit markantem Beat. Auf dem neuen Album Liwoningo findet sich auch ein Stück, bei dem die brasilianische Funktruppe Bixiga 70 scharfe Bläsersätze beisteuert. mehr lesen / lire plus

Willis Tipps: August 2020

Amparo Sánchez – Schwere Zeiten

Amparo Sánchez ist eine der starken Frauen der spanischen Musikszene. Viele kennen die Aufnahmen ihrer Gruppe Amparanoia und ihre Soloplatten. Sie stammt eigentlich aus Grenada, hat aber lange in Barcelona gelebt. Grob gesprochen, konnte man sie in die dortige rockige Mestizo-Szene einordnen. Sie hatte aber immer ihren speziellen Sound, der sie aus der Masse heraushob. Es ist vor allem ihre ausdrucksstarke Stimme, die man sofort wiedererkennt. Auf ihren Soloalben streckte sie ihre Fühler auch nach Mexikanischem aus und arbeitete mit Calexico zusammen, der Gruppe aus Arizona. 2014 veröffentlichte sie einen autobiografischen Roman, in dem sie unter anderem ihre schlimmen Erfahrungen mit Gewalt in der Ehe verarbeitet hat. mehr lesen / lire plus

Willis Tipps: Juli 2020

Junger Ghana-Highlife

Highlife war in den 1950/60er Jahren die angesagte Musik in Teilen Westafrikas. Der Nigerianer Fela Kuti hatte mit Highlife begonnen und ihn dann mit Soul und Jazz zum Afrobeat weiterentwickelt. Als Highlife-Hotspot gilt Ghana. Einer der dortigen Superstars war in den 1950er Jahren E.T. Mensah und auch heute noch sind alte Haudegen dieses Stils, wie Ebo Taylor und Gyedu-Blay Ambolley aktiv. Santrofi ist eine achtköpfige Truppe jüngerer Musiker, die bei den alten Meistern in die Lehre gegangen sind und auf Alewa zeigen, dass dieser sehr melodische Musikstil keineswegs zum nostalgischen Rentnerzeitvertreib verkommen ist. Mit scharfen Bläsersätzen, funky Gitarrenläufen, einem dichten Mid-Tempo-Groove und harmonischem Gesang beweisen Santrofi, dass der Highlife lebt und immer noch begeistert. mehr lesen / lire plus

Willis Tipps: Juni 2020

Großmeister des Maloya

Die Musikstile auf den verschiedenen Inseln des Indischen Ozeans vor der Ostküste Afrikas sind unterschiedlich und haben sich doch gegenseitig beeinflusst. Für die Überschneidungen sind der französische Kolonialismus und spätere Migrationen verantwortlich. Der Maloya ist der typische Stil La Réunions, der mit dem Séga auf Mauritius und Madagaskar verwandt ist. Charakteristisch für den Maloya sind Call-and-Response-Gesang und die fast ausschließliche Begleitung durch Perkussionsinstrumente. Der bedeutendste Maloya-Musiker ist der 65-jährige Danyèl Waro, der sein erstes Album vor über dreißig Jahren herausbrachte. Auf dem aktuellen Album Tinn Tout singt er wieder mit hoher Stimme auf Kreol und die Kayamb, das typische, flache, kastenartige Schüttelinstrument ist allgegenwärtig. mehr lesen / lire plus

Willis Tipps: Mai 2020

Russland – erstaunliche Vielfalt

Die riesige Russische Föderation ist in Westeuropa – abgesehen von Klassik, den Don Kosaken und Tuva – in musikalischer Hinsicht Terra incognita. Jetzt gibt es aber eine üppige Doppel-CD, die bestens geeignet ist, um in die Vielfalt der dortigen Roots-orientierten Musik einzutauchen. Die Folk-Expertin Daryana Antipova aus dem Sibirischen Krasnojarsk hat Folk & Great Tunes from Russia fachkundig zusammengestellt. Enthalten sind überwiegend aktuelle Aufnahmen vom westlichen Russland bis ins fernste Sibirien. So hört man unter anderem Klezmer aus Sankt Petersburg mit Dobranotch, alte westsibirische Lieder von Daryna Antipovas eigener Gruppe Vedan Kolod, Khöömii-Klänge von Radik Tyulyush aus Tuva und schamanische Gesänge des Frauentrios Ayarkhaan aus Jakutsien mit viel Maultrommeleinsatz. mehr lesen / lire plus

Willis Tipps: April 2020

Aynur – die kurdische Diva

Das Schicksal der Kurd*innen schlägt sich eindringlich im neuen Album von Aynur nieder. Die kurdische Sängerin wurde hier zuerst durch Fatih Akins Istanbul-Film „Crossing the Bridge“ bekannt und musste die Türkei verlassen, nachdem man ihr vorgeworfen hatte, mit dem Lied „Keçe Kurdan“ den bewaffneten Kampf zu unterstützen. Das neue Album trägt den Titel Hedûr (Trost) und fordert zur Selbstbesinnung auf, um den Klang des eigenen Menschseins zu entdecken. Die berührenden kurdischen Lieder mit türkischer und englischer Übersetzung im Booklet werden unter anderem mit Piano und Streichquartett eindrucksvoll in Szene gesetzt. Die Interpretation der Kompositionen geht über pure traditionelle Formen hinaus und schließt auch freie, jazzige Akzente mit ein. mehr lesen / lire plus

Willis Tipps: März 2020

Ambolley quicklebendig

Nicht nur in Nigeria, sondern auch in Ghana stand die Wiege des Afrobeat, als dessen bekannteste Protagonisten Fela Kuti und Tony Allen gelten. Entwickelt hat er sich in beiden Ländern aus dem Highlife. Der Ghanaer Gyedu-Blay Ambolley ist einer der Musiker, die in Europa zu lange im Schatten der großen Namen standen. Der heute über siebzigjährige wurde in der Stadt Sekondi geboren und hat mehr als 30 Platten veröffentlicht. Einige seiner alten Scheiben sind in letzter Zeit wiederveröffentlich worden. 2017 erschien eine neue Platte und jetzt gibt es wieder eine: 11th Street, Sekondi. Die Stücke bewegen sich zwischen swingendem Highlife und Afrobeat mit seinem beeindruckenden Groove. mehr lesen / lire plus

Willis Tipps: Februar 2020

Haiti trifft New Orleans

Es ist schon eigentümlich, dass auf der karibischen Insel Hispaniola zwei ganz unterschiedliche Musikstile nebeneinander existieren. Im Osten, in der Dominikanischen Republik, findet man spanisch geprägte Latinoklänge. Im Westen, also in Haiti, das von Frankreich besetzt war, gibt es einen ganz spezifischen kreolischen Sound mit unüberhörbar afrikanischen Wurzeln. Die Folgen des verheerendes Erdbebens im Jahre 2010 sind im bitterarmen und krisengeschüttelten Land bis heute nur unzureichend behoben worden. In der Folge dieses Unglücks gründeten alte und junge Musiker*innen des Landes die Band Lakou Mizik, die jetzt ihr zweites Album veröffentlicht hat. Für HaitiaNola haben sie den Kontakt zu Musiker*innen aus New Orleans, unter anderem Cyril Neville und Leyla McCalla, gesucht; gar nicht abwegig, denn dort leben viele Nachkommen von Haitianer*innen, die vor 200 Jahren flüchteten. mehr lesen / lire plus

Willis Tipps: Januar 2020

Frauen-Gnawa-Funk

Gnawa-Musik ist – war – eine strikt männliche Domäne: Die erst 23-jährige Marokkanerin Asmaâ Hamzaoui schreibt mit ihren Mitstreiterinnen von Bnat Timbouktou ein neues Kapitel der langen Gnawa-Geschichte. Gnawa sind die Nachkommen verschleppter schwarzafrikanischer Sklav*innen in Nordafrika mit einem ganz besonderen, gleichnamigen Musikstil. Typisch dafür ist der Call-and-Response-Gesang, die rhythmische Begleitung mit den Metallkastagnetten Qraqab und der Klang der jahrhundertealten großen Gmiimbri-Laute, die mächtige Basstöne beisteuert. Asmaâ Hamzaoui lernte bei ihrem Vater, einem hochgeachteten Gnawa-Experten. Kritik von Traditionalist*innen, die eine weibliche Gnawa-Band unschicklich finden, ignoriert sie konsequent. Auf dem Album Oulad Lghaba hört man starke Stimmen, treibenden Qraqab-Groove und Hamzaouis virtuoses, höchst perkussives Gimbrispiel. mehr lesen / lire plus

Willis Tipps: Dezember 2019

Westpapua – eine musikalische Anklage

1998 verübten indonesische Einheiten auf der Insel Byak (Biak) im besetzten Westpapua ein Massaker an unbewaffneten Demonstrant*innen, die für die Unabhängigkeit eintraten. Das Land war in den Jahrhunderten zuvor unter Kontrolle von niederländischen, britischen und deutschen Kolonialtruppen gewesen und wurde 1963 auf Druck der USA von der UNO Indonesien zugesprochen. Die Greueltaten während des sogenannten Byak-Massakers wurden 2013 im Rahmen eines unabhängigen Tribunals aufgearbeitet. Das australische Wantok Label hat die wichtigsten Ergebnisse dieser Untersuchung jetzt in musikalischer Form als CD mit einem großformatigen Booklet aufbereitet. Zahlreiche Musiker*innen aus Westpapua und benachbarten Ländern haben das Werk eingespielt. mehr lesen / lire plus

Willis Tipps: November 2019

Miriam Makeba remastert

Miriam Makeba hat als erste afrikanische Künstler*in 1968 die Pop-Hitparaden Europas und Amerikas mit ihrem Lied Pata Pata erobert. Sie hatte das in der Sprache der Xhosa gesungene Stück schon Jahre vorher einmal in ihrer Heimat, der Republik Südafrika, aufgenommen. Nach einer Auslandsreise 1959 ließ das weiße Apartheidsregime sie nicht zurück und mit Unterstützung des Sängers und Bürgerrechtlers Harry Belafonte setzte sie ihre Karriere in den USA fort. Trotz ihres Charterfolges führte ihr Engagement für die US-Bürgerrechtsbewegung zu Repressalien, die sie zwangen, in das westafrikanische Guinea zu gehen. Auch hier blieb sie eine laute und scharfe Kritikerin von Apartheid und Rassismus. mehr lesen / lire plus