
(© Luchterhand Verlag)
Beim Roman „Halbinsel“ von Kristine Bilkau handelt es sich um eine Mutter-Tochter-Geschichte, die im Gegensatz zu vielen anderen aktuellen Familienerzählungen keine große Drastik enthält. Dennoch ist das dargestellte Verhältnis zwischen Annett und Linn komplex, geprägt von Zärtlichkeit auf der einen und dem – besonders von Linn ausgehenden – Wunsch nach Freiheit auf der anderen Seite. Nachdem Linn einen Unfall erlitten hat, zieht die Mittzwanzigerin wieder zu ihrer Mutter Annett ins Elternhaus, was für beide Parteien eine Umstellung bedeutet. Langsam nähern sie sich an, wobei im Verlauf immer wieder Fragen um Linns Überzeugungen und Tätigkeiten als klimabewusster junger Mensch aufgeworfen werden. Letztlich handelt der Roman von der Bürde, die eine Generation der nächsten auferlegt, wenn letztere als Hoffnungsträgerin in einer krisengeschüttelten Welt fungiert; wobei die Krisen den Romanschauplatz, das nordfriesische Wattenmeer, an dem eine doch recht betuliche Atmosphäre herrscht, kaum zu erreichen scheinen. Stellenweise wirkt die Geschichte zu sehr auserzählt, wobei Linn, die man als Leser*in nur durch die Ich-Perspektive ihrer Mutter kennenlernt, bis zuletzt keine scharfen Konturen erhält. Der Roman wurde vergangenes Jahr mit dem Belletristik-Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet.

