Statt den Menschen im SĂĽden zu helfen, verpuffe das Geld des KlimabĂĽndnisses in Luxemburg, so ein Aufsehen erregender Leserbrief. Die NGO nutzte die Gelegenheit zu einer transparenten Darstellung ihrer Aufgaben.

Aufklärung statt Energiesparlampen. Schulprojekt im Rahmen der Ausstellung „Klima, Kanu Quetschekraut“. (Foto: ASTM)
Missbrauchen Umweltschutzorganisationen die Gutgläubigkeit ihrer SpenderInnen? Das jedenfalls ist die Ăśberzeugung der Autoren eines mit „Le KlimabĂĽndnis, une machine Ă sous?“ ĂĽberschriebenen Leserbriefes, der Anfang Dezember in mehreren Zeitungen erschienen ist. Besonders fragwĂĽrdig sei, so heiĂźt es dort, dass diese Organisation den Leuten das Geld auf Kosten der Armen im SĂĽden „abknöpfe“. Von dem Gesamtbudget von fast 300.000 Euro kämen nur 28.000 Euro den Entwicklungshilfe-Projekten zugute, der Rest werde fĂĽr Reisen und administrative Kosten gebraucht, lautet der Hauptvorwurf. Den Mitgliedern des KlimabĂĽndnisses, also den Gemeinden, gaukle man vor, ihre Spenden dienten dazu, „das Elend der tropischen Bevölkerungen zu lindern“.
Das wollte die Koordination des KlimabĂĽndnisses nicht auf sich sitzen lassen und konterte mit einer Richtigstellung. Anders als man es hätte erwarten können, versucht die Koordination keineswegs zu belegen, dass das KlimabĂĽndnis tatsächlich mehr Geld fĂĽr Projekte und weniger fĂĽr die Verwaltung ausgibt. Im Gegenteil, sie bekennt sich dazu, dass ihr Budget ausschlieĂźlich Ausgaben fĂĽr Aktivitäten in Luxemburg enthält: „… also gar keine Mittel fĂĽr Projekte im SĂĽden der Welt. [Auch] Die 28.000 Euro (…) sind in Wirklichkeit fĂĽr Bildungsprojekte und -aktionen hier in Luxemburg bestimmt.“
Nord oder SĂĽd?
Allerdings ist das KlimabĂĽndnis auf andere Weise an drei Projekten im SĂĽden beteiligt. Diese werden von der Action SolidaritĂ© Tiers-Monde (ASTM) betreut, die mit dem Mouvement Ă©cologique zusammen das KlimabĂĽndnis koordiniert. Zusätzlich zu ihren obligatorischen Beiträgen können die Gemeinden Mittel fĂĽr diese Projekte zur VerfĂĽgung stellen. Rund 150.000 Euro seien hierdurch 2006 zusammengekommen, die, „ohne Abschläge fĂĽr die administrativen Kosten (…) vollständig an die Partnerorganisationen [gehen], denn diese Kosten trägt die ASTM“, so das KlimabĂĽndnis.
Dass es bei der Interpretation eines Budgets zu Missverständnissen kommt, ist verständlich. Umso mehr als die Finanzierung des KlimabĂĽndnisses komplex ist. So gibt die Organisation fast 300.000 Euro aus, obwohl die Mitgliedsgemeinden weniger als die Hälfte dieser Summe einzahlen. Das liegt am Kofinanzierungs-Mechanismus, bei dem der Staat fĂĽr jeden aufgebrachten Euro einen Zuschuss gewährt. Noch komplizierter wird die Sache dadurch, dass die Aktivitäten des KlimabĂĽndnisses sowohl den Umwelt- als auch den Nord-SĂĽd-Bereich betreffen, was zu einer gemischten Kofinanzierung fĂĽhrt. Der Kofinanzierungssatz des Umweltministeriums beträgt nur 29 Prozent, wohingegen jener des Kooperationsministeriums bei 80 Prozent liegt – auf jeden aufgebrachten Euro legt der Staat vier Euro drauf. Auch die zusätzlichen Mittel fĂĽr die KlimabĂĽndnis-Projekte im SĂĽden kommen auf diese Weise zusammen – die Gemeinden tragen nur ein FĂĽnftel, also etwa 30.000 Euro dazu bei.
Alles in allem gibt das KlimabĂĽndnis also rund 300.000 im Norden aus und nur die Hälfte dieser Summe im SĂĽden. Laut Homepage sind die Hauptziele des Zusammenschlusses der Gemeinden „eine Reduzierung ihrer CO2-Emissionen um 10 Prozent alle 5 Jahre und die UnterstĂĽtzung der Völker des Regenwaldes“ Trifft dies real zu? „Auf jeden Fall“, antwortet Dietmar Mirkes, einer der KlimabĂĽndnis-Koordinatoren. „In unseren Augen soll der Hauptbeitrag zum Klimaschutz durch Verhaltensveränderungen der Menschen im Norden geleistet werden.“ Die angeprangerten „administrativen Kosten“ seien größtenteils Lohnkosten – notwendig fĂĽr professionell gemachte Sensibilisierungs- und Bildungsaktivitäten sowie Lobbying.
Kofin-Kuddelmuddel
Die Projekte im SĂĽden reichen vom Bau von Biogas-Anlagen im indischen Bundesstaat Karnataka bis zur Durchsetzung von Landrechten gegen Erdölfirmen am Fluss Putumayo in Peru. Wie viel Geld in solche Aktivitäten flieĂźt, hängt allerdings nicht nur von der GroĂźzĂĽgigkeit der KlimabĂĽndnisgemeinden ab. Die ASTM, unter deren Verantwortung diese Projekte abgewickelt werden, hat wie alle Drittwelt-NGOs nur ein beschränktes Spendenvolumen, fĂĽr das sie eine Kofinanzierung beantragen kann. Wollte man also den Umfang der KlimabĂĽndnis-Ausgaben im SĂĽden substanziell erhöhen, so mĂĽsste man entweder diese Obergrenze lockern oder fĂĽr das KlimabĂĽndnis eine eigenständige Drittwelt-NGO ins Leben rufen – was die administrativen Kosten nicht unbedingt senken dĂĽrfte.
Die Ăśberlegungen von Francis Massen, einem der Unterzeichner des Leserbriefs, bewegen sich auf einer anderen Ebene: „Ich habe nur das KlimabĂĽndnis-Budget gesehen, und fand den Anteil der administrativen Kosten gewaltig“, so Massen gegenĂĽber der woxx. „Unsere Kritik war vielleicht nicht so solide“, gibt er zu. Allerdings stört ihn immer noch, dass so viel Geld fĂĽr Verwaltung und Löhne ausgegeben wird. „Da bleibt nichts ĂĽbrig, um etwas Konkretes fĂĽr das eigentliche Ziel zu tun: die Verbesserung des Klimas.“
Dietmar Mirkes sieht das anders: „Das KlimabĂĽndnis ist nicht darauf ausgerichtet, materielle Aktivitäten zu finanzieren.“ Das habe gute GrĂĽnde: Man mĂĽsse die Leute dazu bringen, einzusehen, dass sie ihr Verhalten verändern mĂĽssen. „Es reicht nicht, Energiesparlampen an alle Haushalte zu verteilen, wenn die Leute sie Tag und Nacht brennen lassen.“ Doch fĂĽr Mirkes liegt mehr vor als nur ein Missverständnis: Die Leserbriefschreiber seien grundsätzlich gegen MaĂźnahmen zum Klimaschutz, vermutet er. In der Tat: Die Internetseite von Francis Massen zum Beispiel enthält neben meteorologischen Daten auch eine Sammlung von Dokumenten, die den Klimawandel in Frage stellen.
Imageschaden
Was auch immer die tieferen GrĂĽnde fĂĽr die Kritik sind, das KlimabĂĽndnis muss mit dem Imageschaden zurecht kommen. Wenige Tage nach der Veröffentlichung des Leserbriefs wurden die darin enthaltenen Fehlinformationen bereits gegen die NGO ins Feld gefĂĽhrt. Im Bartringer Gemeinderat lehnte BĂĽrgermeister Paul Geimer (DP) es ab, dem KlimabĂĽndnis beizutreten, weil, so berichtet das Tageblatt, nach „letzten Erkenntnissen“ 80 Prozent des KlimabĂĽndnis-Budgets „verschwendet“ wĂĽrden.
Die VertreterInnen der Mitgliedsgemeinden dagegen scheinen nicht so empfindlich auf die VorwĂĽrfe zu reagieren. Bei der Generalversammlung des KlimabĂĽndnisses vergangene Woche sei das Budget einstimmig und ohne Enthaltung angenommen worden, berichtet Mirkes. Der Leserbrief habe vor allem „KopfschĂĽtteln“ ausgelöst, und ein paar Fragen. „Die Vertreter wollten korrekt antworten können, wenn sie auf die Kritik angesprochen werden.“
Der Generalversammlung wurde ironischerweise ein Dokument vorgelegt, das sich mit der Gefahr befasst, dass das KlimabĂĽndnis Opfer seines Erfolgs wird: Dass immer mehr Gemeinden beitreten wollten, berge „angesichts der national weiter steigenden Treibhausgasemissionen auch Risiken bezĂĽglich der GlaubwĂĽrdigkeit der Mitgliedsgemeinden fĂĽr nachweislichen Klimaschutz.“ Was in diesem Text nur angedeutet wird, spricht Dietmar Mirkes offen aus: „Der Plan der Regierung, 80 Prozent Emissionsrechte hinzuzukaufen, widerspricht dem Geist von Kyoto.“ Zum einen sei es volkswirtschaftlich gesehen sinnvoller, Geld fĂĽr MaĂźnahmen im Inland auszugeben. Zum anderen sei es schwierig, die Entwicklungsländer in den Klimaschutz einzubinden, wenn die Industrieländer ihre Einsparungen nicht aus eigener Kraft erreichten. „Auch wenn die EU-Kommission den Zukauf Luxemburgs akzeptiert, die UN-Klimakommission wird ihn ablehnen“, sagt Mirkes.
Als Gastredner hatte Umweltminister Lucien Lux den KlimabĂĽndnis-VertreterInnen auch Erfreuliches mitzuteilen: Ein Workshop unter Beteiligung der Zivilgesellschaft soll anspruchsvolle Kriterien zum Ankauf von Emissionsrechten erarbeiten. „Das ist ein Ergebnis unseres Lobbyings“, meint der KlimabĂĽndnis-Koordinator. Angesichts der fĂĽr ihn wenig erfreulichen Debatte ĂĽber den Allokationsplan sieht er allerdings Handlungsbedarf: „Klimapläne sind fast zu einer Geheimwissenschaft geworden. Viele Entscheidungsträger blicken nicht mehr durch.“ Deshalb plant das KlimabĂĽndnis eine Veranstaltungsreihe unter dem Motto „Kyoto verstehen“.
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Meteoro- und klimatologische Seiten von Francis Massen: http://meteo.lcd.lu/
KlimabĂĽndnis: www.klimabuendnis.lu

