Bolivarianischer Bankrott

von | 01.11.2017

Die Wahlen konnten die regierenden Sozialisten für sich entscheiden, doch Grund zur Hoffnung gibt es deshalb nicht. Venezuela steckt in einer schweren Wirtschaftskrise – und die ist zu einem guten Teil selbst gemacht.

Lange Wartezeiten in der onkologischen Abteilung eines Krankenhauses in der venezolanischen Hauptstadt Caracas – doch die Behandlungsmöglichkeiten sind sehr begrenzt. (Foto: Wolf-Dieter Vogel)

In den venezolanischen Krankenhäusern fehlt es an allem, wie uns unser Lateinamerika-Korrespondent Wolf-Dieter Vogel von vor Ort berichtet: keine Schmerzmittel, keine Blutkonserven, keine Medikamente für die Chemotherapie. Für nicht wenige Menschen ist dies im Grunde ein Todesurteil. Von der kostenlosen Behandlung in Gesundheitszentren, einst ein Aushängeschild der chavistischen „bolivarianischen Revolution“, ist ebenfalls wenig geblieben. Rund 80 Prozent der ehemals 6.000 Zentren wurden dichtgemacht. Laut dem Gesundheitsministerium des Landes ist die Müttersterblichkeit allein zwischen 2015 und 2016 um 65 Prozent und die der Kinder um ein Drittel gestiegen. Auch Lebensmittel sind Mangelware – während die Bevölkerung  im Schnitt lediglich über ein Zehntel des Betrages verfügt, den man monatlich zum Überleben braucht.

Die Misere hat viel damit zu tun, dass dem erdölexportierenden Venezuela die Devisen fehlen, seit der Ölpreis auf dem Weltmarkt um die Hälfte gesunken ist. Sowohl Hugo Chavez als auch sein amtierender Nachfolger Nicolás Maduro betrieben eine Politik der Verteilung gesellschaftlichen Reichtums, der auf Ölrente basierte. In die Diversifizierung der Wirtschaft und die Stärkung des produktiven Sektors, auch für Nahrung und Medizin, wurde, als dazu noch Zeit gewesen wäre, wenig investiert. Nun fehlt das Geld, um die Sozialsysteme zu finanzieren und die dringend benötigten Waren im Ausland zu kaufen. Dennoch konnten die regierenden Sozialisten die Wahlen überraschend deutlich für sich entscheiden, was nicht zuletzt an der Zerstrittenheit der Oppositionsparteien liegt. Alles über die soziale Lage in Venezuela, den Streit um Unregelmäßigkeiten bei den Wahlen sowie die wachsende Kritik auch aus dem chavistischen Lager erfahren Sie in der Reportage unseres Korrespondenten Wolf-Dieter Vogel, die am kommenden Freitag in der woxx erscheint.

Dat kéint Iech och interesséieren

USA

USA: Wer um sein Leben fürchten muss

Nachdem in den USA ein ICE-Agent Renee Good erschossen hat, verbreitet das Weiße Haus Unwahrheiten, schützt die Täter und eskaliert eine ohnehin brutale Abschiebepolitik. Das zeigt, wie weit sich die Regierung von Rechtsstaatlichkeit entfernt hat.

PODCAST

Am Bistro mat der woxx #368 – Umgehungsstrooss Niederkerschen

All Woch bitt d’woxx Iech an hirem Podcast en Abléck an hir journalistesch Aarbecht a beliicht d’Hannergrënn vun engem Artikel. Zanter Jorzéngten gëtt zu Niederkerschen iwwer eng Umgehungsstrooss diskutéiert. Elo hält d’Regierung trotz staarker Kritik un de Pläng fest: D’Bauaarbechte sollen ufänken, nach éier e Geriicht iwwer eng ageleet Klo...

INTERGLOBAL

Venezuela: Demokratisierung nicht vorgesehen

Kurze Zeit keimte unter venezolanischen Oppositionellen die Hoffnung auf einen Sturz des Regimes, als eine US-Spezialeinheit den Diktator Nicolás Maduro am 3. Januar entführte. Doch statt Demokratisierung zeichnet sich ein Kuhhandel zwischen den USA und der autoritären Führung Venezuelas ab.