Buchtipp: Intermezzo

von | 30.01.2025

(© Faber&Faber)

Die Brüder Peter und Ivan sind sich fremd geworden. Nach dem Tod ihres Vaters beginnt der in sich gekehrte und sozial etwas unbeholfene Schachspieler Ivan eine Beziehung mit einer älteren Frau. Der beliebte Peter, ein erfolgreicher Anwalt, verliert dagegen zunehmend seinen Halt. Sally Rooneys vierter Roman „Intermezzo“ geht der Frage nach, wer von den Brüdern sein Leben im Griff hat, wer wen verurteilt und wer wie mit Schmerz umgeht. Teils klischeehaft und mit leicht oberflächlichen Figuren rund um die zwei privilegierten Hauptcharaktere erzählt Rooney von Sehnsucht, Trauer, Abhängigkeit und Entfremdung der Protagonisten. Der Plot entwickelt sich eher schleppend, Dialoge und Dramatik sind, verglichen mit ihren ersten Romanen, reduziert, und die detailreichen Beschreibungen ermüden teilweise. Ihr überzeugender Schreibstil lässt Leser*innen direkt in den Text eintauchen, die Gedankengänge der Figuren erscheinen sowohl nachvollziehbar als auch unterhaltsam. Hierdurch entsteht eine Nähe zu Peter und Ivan – man folgt ihnen gerne durchs Leben.

„Intermezzo“, von Sally Rooney, 2024. Verlag Claassen, 496 Seiten. Ins Deutsche übersetzt von Zoë Beck.

Dat kéint Iech och interesséieren

KULTURTIPP

Podcasttipp: Im Grunde wäre ich lieber Gedicht

Der schwelgerische Titel „Im Grunde wäre ich lieber Gedicht“ des Poesie-Podcasts des Münchner Lyrik Kabinetts setzt den Ton: Folge um Folge huldigt die Reihe der ältesten aller literarischen Gattungen, der Dichtung. Im Zwiegespräch mit dem Lyriker und Literaturvermittler Tristan Marquardt setzen die eingeladenen Poesie-Expert*innen zwar selten...

KULTURTIPP

Willis Tipps: Januar 2026

Slowakische Roma-Musik Júlia Kozáková kommt aus der Slowakischen Republik und ist eine herausragende junge Sängerin, die Jazz und Flamenco kennt, aber vor allem den Gesang der Rom*nja perfekt beherrscht. Selbst keine Romni, ist sie aber in früher Jugend bereits in den Gesang dieser Bevölkerungsgruppe eingeführt worden. 2022 veröffentlichte sie...

KULTURTIPP

Hedonist: Der Gestank des Krieges

Skapulimantie ist eine archaische Form der Wahrsagerei, bei der die Schulterknochen von Tieren nach deren Schlachtung zu Rate gezogen werden. „Scapulimancy“ ist auch der Titel des ersten Albums der kanadischen Metalband „Hedonist“. Doch bei deren Zukunftsvisionen sind Tierknochen noch das Harmloseste: Es ist eine Welt aus universalem Tod und...

KULTURTIPP

Buchtipp: Déierefabelen

Tierfabeln sind mehr als das dekorative Papier, in das seit Jahrhunderten moralische Botschaften oder politische Kritik eingeschlagen wird. Ihre literarische Bedeutung übersteigt ihren didaktischen Wert auch deshalb, weil sie sich als phantastisch-poetische Erzählungen einer Symbolsprache bedienen, die Kinder wie Erwachsene fasziniert und oft...