
(© Faber&Faber)
Die Brüder Peter und Ivan sind sich fremd geworden. Nach dem Tod ihres Vaters beginnt der in sich gekehrte und sozial etwas unbeholfene Schachspieler Ivan eine Beziehung mit einer älteren Frau. Der beliebte Peter, ein erfolgreicher Anwalt, verliert dagegen zunehmend seinen Halt. Sally Rooneys vierter Roman „Intermezzo“ geht der Frage nach, wer von den Brüdern sein Leben im Griff hat, wer wen verurteilt und wer wie mit Schmerz umgeht. Teils klischeehaft und mit leicht oberflächlichen Figuren rund um die zwei privilegierten Hauptcharaktere erzählt Rooney von Sehnsucht, Trauer, Abhängigkeit und Entfremdung der Protagonisten. Der Plot entwickelt sich eher schleppend, Dialoge und Dramatik sind, verglichen mit ihren ersten Romanen, reduziert, und die detailreichen Beschreibungen ermüden teilweise. Ihr überzeugender Schreibstil lässt Leser*innen direkt in den Text eintauchen, die Gedankengänge der Figuren erscheinen sowohl nachvollziehbar als auch unterhaltsam. Hierdurch entsteht eine Nähe zu Peter und Ivan – man folgt ihnen gerne durchs Leben.

