Buchtipp: Reden für die Menschlichkeit

von | 16.01.2026

(© Luchterhand)

„Die Rede ist ein performatives Genre mit dem Charakter einer Produktwerbung, aber für eine Idee“, schreibt Saša Stanišić im Vorwort seiner Redensammlung „Mein Unglück beginnt damit, dass der Stromkreis als Rechteck abgebildet wird“. Ziel der Rede sei es, das Publikum dazu zu bringen, diese Idee in die Welt hinauszutragen. Gleich die erste der neun Reden löst das Rätsel des sperrigen Titels und lädt ein, Stanišić in seine teils abschweifende Gedankenwelt zu begleiten. Immer wieder bleibt er bei der Einsicht hängen, dass Menschlichkeit im Handeln jedes Einzelnen wirksam werden kann. Nicht umsonst der Untertitel „Eine Ermutigung“. Jede Rede ist eine Aufforderung zum Handeln gegen Ungerechtigkeit, Krieg und Leiden – und gegen das um sich greifende Gefühl von Sprach- und Hilflosigkeit angesichts all dessen. Stanišić, 1978 als Sohn einer bosnischen Mutter und eines serbischen Vaters in der bosnischen Kleinstadt Višegrad geboren, erlebte durch den Bosnienkrieg 1992 früh Krieg und Flucht. Diese Erfahrungen prägen sein gesamtes Werk und sorgen auch in dieser lesenswerten Redesammlung durch immer wieder eingestreute biografische Schnipsel für einen starken emotionalen Impakt.

Saša Stanišić: Mein Unglück beginnt damit, dass der Stromkreis als Rechteck abgebildet wird. Eine Ermutigung. 156 Seiten. Luchterhand, 2025

Dat kéint Iech och interesséieren

KULTURTIPP

Willis Tipps: Oktober 2026

Glanz iranischer Frauenstimmen Quasi im Alleingang haben die beiden Schwestern Mahsa und Marjan Vahdat seit mehr als 20 Jahren den Gesang iranischer Frauen auf dem Globus bekannt gemacht. Wegen der repressiven und besonders frauenverachtenden Politik des Mullah-Regimes, das in Iran sogar Sologesang von Frauen verbietet, mussten beide ins...

KULTURTIPP

Buch: Seerauchen

In einer farbenfrohen, doch nicht zu verschnörkelten Sprache erzählt Sabine Eschbach in ihrem Romandebüt „Seerauchen“ die Geschichte eines Jungen, der anders als die anderen Kinder einer Dorfgemeinschaft ist. Josef Leible fängt erst mit sieben Jahren zu sprechen an, besucht zwei Jahre später erstmals die Schule, sieht Töne – gesprochene Worte...

KULTURTIPP

Kulturtipp: CinEast Festival

Das CinEast-Festival hat sich längst als Tradition etabliert. In seiner 19. Ausgabe öffnet es Filmbegeisterten erneut ein Fenster zur aktuellen Landschaft des mittel- und osteuropäischen Kinos. Vom 9. bis zum 25. Oktober wartet es mit einem besonders dichten wie vielfältigen Programm auf: Insgesamt finden mehr als 120 Vorführungen von über 65...

KULTURTIPP

Lyrik: Sonné d’Amérique

C’est en sortant des sources thermales, lors de son périple au nord de l’Amérique, que Florent Toniello a une idée, « il est vrai, un peu folle » : raconter ce voyage en sonnets. Des sonnets pas très orthodoxes, comme le poète le reconnaît lui-même, mais authentiques. Les quatrains et tercets recueillis dans « Sonné d’Amérique » contiennent...