Didier Eribon: Rückkehr nach Reims

von | 10.04.2017

Als sein Vater stirbt, kehrt Didier Eribon nach Reims, seiner Heimatstadt, zurück. Der in Paris lebende, homosexuelle Wissenschaftler entstammt der französischen Arbeiterklasse, hatte aber bei seinem „Klassenwechsel“ auch alle Verbindungen zu seinem Ursprungsmilieu gekappt  – sogar die zu seine Familie. Nun begibt er sich auf Spurensuche in dieser Welt, die er vor langer Zeit hinter sich gelassen hat. Und diese Welt hat sich verändert: die abgehängte französische Arbeiterschaft, die sich wie Eribons Familie stets mit „der Partei“ – dem Parti communiste français – identifizierte, wählt nun Front national und schimpft statt über die Bourgeoisie über die MigrantInnen. Auf der Suche nach Erklärungen für diesen Wandel, die auch eine Suche nach seiner eigenen Identität ist, nimmt Eribon die LeserInnen auf eine schmerzhafte Reise in die soziale Realität Frankreichs mit, eine Reise, deren Bericht zwischen persönlicher Erzählung und soziologischer Analyse kunstvoll changiert. „Rückkehr nach Reims“ („Retour à Reims“) ist in Frankreich bereits 2009 erschienen. 2016 wurde das Buch ins Deutsche übersetzt und findet seitdem vor allem bei der deutschsprachigen Linken großen Anklang. Erschienen ist es im Suhrkamp Verlag (die französische Ausgabe bei Flammarion).

Dat kéint Iech och interesséieren

KULTURTIPP

Expotipp: Theatre of Cruelty

Das monotone, disharmonische Klaviergeklimper im Treppenaufgang zu den Ausstellungsräumen signalisiert den Besucher*innen bereits: Das hier wird unangenehm. Der durch dunkle Vorhänge abgetrennte Hauptsaal führt in die Welt der Grausamkeit des französischen Künstlers Antonin Artaud (1896–1948), der in der Mitte des 20. Jahrhunderts eine...

KULTURTIPP

Buchtipp: Reden für die Menschlichkeit

„Die Rede ist ein performatives Genre mit dem Charakter einer Produktwerbung, aber für eine Idee“, schreibt Saša Stanišić im Vorwort seiner Redensammlung „Mein Unglück beginnt damit, dass der Stromkreis als Rechteck abgebildet wird“. Ziel der Rede sei es, das Publikum dazu zu bringen, diese Idee in die Welt hinauszutragen. Gleich die erste der...

KINOKULTURTIPP

Im Kino: The Chronology of Water

Kristen Stewart gibt mit „The Chronology of Water“ ein kompromissloses Regiedebüt. Die Adaption von Lidia Yuknavitchs Memoiren überzeugt jedoch weniger durch formale Konsequenz als durch die intensive Präsenz von Hauptdarstellerin Imogen Poots. Mit „The Chronology of Water“ legt Kristen Stewart ihr Regiedebüt vor – und zwar keines, das sich...