Energiepolitik: Altes Gas in neuen Schläuchen

von | 21.05.2022

Mit dem „RePowerEU“-Plan will die EU schneller unabhängig von Energielieferungen aus Russland werden. Einige NGOs befürchten eine stärkere Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen – und negative ökonomische Folgen für nordafrikanische Länder.

Sieht so die ökologische Transition aus? Zehn Milliarden für Gasinfrastruktur wie etwa Flüssiggasterminals will die EU bereitstellen. (Foto: CC-BY-SA Floydrosebridge/wikimedia)

Mitte der Woche stellte die Europäische Kommission ihren „RePowerEU“-Plan vor, mit dem Maßnahmen für einen schnelleren Ausstieg aus russischen Erdgas und -öllieferungen festgelegt werden. Der Plan sorgte bereits im Vorfeld für Kritik, besonders wegen neuer Pipelines, Flüssiggasterminals und der Produktion von Wasserstoff in Nordafrika.

Einige Maßnahmen lesen sich durchaus positiv. So will die Kommission das Ziel für den Anteil erneuerbarer Energien bis 2030 von 40 auf 45 Prozent anheben. Dabei soll vor allem eine spezielle Solarstrategie helfen, die eine Verdoppelung der Leistung bis 2025 und eine Verpflichtung zur Installation von Solarpaneelen auf Neubauten vorsieht. Auch bei der Einführung von Wärmepumpen und Fernwärmeanlagen soll das Tempo verdoppelt werden.

Allerdings sollen die russischen Gasimporte auch ausgeglichen werden, indem eine neue Gasinfrastruktur aufgebaut wird – vor allem Terminals für verflüssigtes Gas (LPG). Rund zehn Milliarden Euro sind hierfür vorgesehen. Laut der NGO Corporate Europe Observatory (CEO) sind diese Pläne der Kommission eng mit sechs großen Energiekonzernen abgesprochen. Das CEO veröffentlichte Dokumente eines Treffens der EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen mit den Chefs von Shell, BP, Total, Eni, Eon und Vattenfall, die sich gegen Preisbremsen oder Marktinterventionen ausgesprochen haben. Die Industrie habe für Langzeitverträge mit den USA plädiert. Die EU würde somit auf Jahrzehnte Gas importieren, das mittels des umstrittenen Fracking gewonnen wurde.

Auch einen anderen Aspekt kritisierte das CEO: die Pläne, Wasserstoff aus Nordafrika zu importieren. Eine Studie, die die NGO in Auftrag gegeben hat, kommt zu dem Schluss, dass die Pläne und Versprechen der Union nordafrikanische Länder in ökonomische Schwierigkeiten bringen könnten. Wasserstoff wird in einer dekarbonisierten Wirtschaft eine wichtige Rolle spielen, um fossile Brenn- und Rohstoffe zu ersetzen.

Wasserstoff für Europa statt Strom für zu Hause

Um Wasserstoff nachhaltig herzustellen, sind gewaltige Mengen an Strom aus erneuerbaren Quellen vonnöten. In Marokko, Algerien und Ägypten gibt es konkrete Pläne für die Herstellung und die EU verspricht, große Mengen zu importieren. Die Herstellung von „grünem“ Wasserstoff ist jedoch um ein Vielfaches teurer als die Förderung von Erdgas. Auch der Transport und die Lagerung ist kompliziert und teuer, die vorhandenen Pipelines sind oft nicht geeignet. Laut CEO wäre es sinnvoller, die nordafrikanischen Länder würden erneuerbare Energien ausbauen, um ihren eigenen Strombedarf zu decken, statt damit in einem hochgradig ineffizienten System „grünen“ Wasserstoff für die EU herzustellen. Außerdem könnten die drei Länder ihre großen Düngemittelindustrien dekarbonisieren, was kurzfristig mehr zum Klimaschutz beitragen würde.

Insgesamt trage die RePowerEU-Strategie die Handschrift der Gasindustrie, so Chloe Mikolajczak von CEO in einer Pressemitteilung: „Wenn es der EU ernst damit ist, ihre Abhängigkeit von fossilem Gas – und nicht nur von russischem Gas – zu verringern, sollte sie aufhören, sich von der fossilen Industrie beraten zu lassen.“

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