Erdüberlastungstag: 7,7 Planeten

von | 19.02.2026

(Foto: Rudy and Peter Skitterians/Pixabay;)

Luxemburg lebt über seine Verhältnisse: Am vergangenen Dienstag war der nationale „Overshoot Day“. Während Umweltorganisationen diesen Fakt kritisierten, ignoriert die Politik ihn weitestgehend.

Der 17. Februar markiert auch 2026 den „Erdüberlastungstag“ für Luxemburg. Würde die ganze Welt so viele Ressourcen verbrauchen wie das Großherzogtum, wären bereits nach der zweiten Februarwoche keine nachwachsenden Ressourcen mehr vorhanden. Die Menschheit bräuchte also insgesamt 7,7 Erden, wollten alle so leben wie Luxemburger*innen. Das Land steht damit international an zweiter Stelle nach Katar, das den „Overshoot Day“ bereits am 4. Februar hatte. Das nächste europäische Land ist Dänemark (20. März). Ausgerechnet werden diese Zahlen jedes Jahr vom „Global Footprint Network“. Die Zahlen stammen aus dem Jahr 2024, die mit Berechnungen aus 2025 aktualisiert wurden. Gegenüber dem Vorjahr hat sich Luxemburg weder verschlechtert noch verbessert.

Das Footprint Network veröffentlicht einen zusätzlich Wert, den „Defizittag“. Dieser gibt an, ab wann ein Land seine eigene Biokapazität verbraucht hat. Dieser Stichtag war für Luxemburg bereits am 11. Februar. Zu beachten ist bei dieser Betrachtungsweise, dass nicht alle Länder gleich viele Ressourcen haben. So haben die Industrieländer Kanada und Aotearoa („Neuseeland“) trotz „Overshoot Day“ keinen Defizittag.

Die Politik ist desinteressiert

Der Luxemburgische Nachhaltigkeitsrat (Conseil supérieur pour un développement durable – CSDD) verkündete via Pressemitteilung, der Overshoot Day sei „trotz Kritiken an der Methodik essenziell“, da er „unseren Überkonsum aufzeigt und uns dazu auffordert, über andere ökonomische und gesellschaftliche Modelle nachzudenken, um in den Grenzen des Planeten zu bleiben.“ Weiter heißt es in dem Schreiben, es sei wichtig, die kollektive Verantwortung anzunehmen, statt individuelle Verhaltensweisen anzuprangern. Der CSDD regt dazu an, die notwendige ökologische Transition als Chance zu sehen.

Auf konkrete Sektoren, die der Nachhaltigkeitsrat 2023 in einer gemeinsam mit dem „List“ durchgeführten Studie als die schwerwiegendsten für den ökologischen Fußabdruck des Landes identifiziert hatte, wies er jedoch nicht hin. Die Aufgabe übernahm die NGO-Plattform „Votum Klima“, die daran erinnerte, dass es sich um Tanktourismus, Ernährung, Industrieprodukte, privaten Konsum, Baugewerbe, Dienstleistungssektor und Luftfracht handelte. In dieser Berechnung kam man auf 6,88 Planeten, davon allein 1,63 für den Tanktourismus. Damit sei klar, dass der frühe Overshoot Day Luxemburgs kein unveränderbares Schicksal sei, sondern das Ergebnis politischer Entscheidungen, urteilte die Plattform in ihrer Pressemitteilung.

Zur Verdeutlichung der Problematik hat Votum Klima eine Weltkarte veröffentlicht, in der alle Länder so groß wie ihr ökologischer Fußabdruck sind: Europa sieht vollkommen verzerrt aus, mit einem gigantisch aufgeblasenem Luxemburg. Der afrikanische Kontinent hingegen schrumpft gravierend, weil vor allem die Länder der Subsahara viel weniger Ressourcen verbrauchen. Die NGO-Plattform fordert statt dem von Premierminister Luc Frieden (CSV) auf Wunsch der Industrielobby „Fedil“ ausgerufenen „Jahr der Wettbewerbsfähigkeit“ eine gänzlich andere Politik. Sie will eine strukturelle Reduzierung des Ressourcenverbrauchs, einen schnelleren Ausstieg aus fossilen Energien und eine Reorientierung des Finanzplatzes.

Für seine Rede an der US-Universität Harvard erntete Frieden viel Lob. Doch Votum Klima kritisiert vor allem eine Aussage: Europa schaffe es, ökonomisch zu wachsen und soziale und ökologische Grenzen zu achten. Mehr hatte die Regierung auch nicht zum Erdüberlastungstag zu sagen. Vor zwei Jahren mahnte Martine Hansen (CSV) in ihrer Rolle als Verbraucher*innen- schutzministerin noch dazu, nachhaltiger zu konsumieren und alte Geräte zu reparieren, statt neue zu kaufen – 2026 gab es keinerlei Mitteilungen zu dem Thema.

Auch die Oppositionsparteien hielten sich überraschend bedeckt: So ließen sich „Déi Gréng“ lediglich zu einer Fotocollage hinreißen, in der Sprecher Francois Benoy seine Klimasünden (Fondue, Skifahren, Autofahren, hohe Handynutzung) aufzählt und fragt, was die Regierung denn tue. Die LSAP veröffentlichte ein kurzes Video, in dem Franz Fayot eine nachhaltigere Politik und Wirtschaft fordert. Die Prioritäten scheinen jedoch, wie bei der Regierung, derzeit woanders zu liegen.

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