Serien-Empfehlung: High Score (2020)

von | 22.09.2020

Ein wenig Videospielgeschichte, ein wenig Retro-Animation und sehr viele persönliche Anekdoten – die Netflix-Doku „High Score“ ist in erster Linie eine Nostalgie-Serie.

Die geschilderten Anekdoten in „High Score“ sind mit mal mehr, mal weniger gelungenen Animationen unterlegt. (© Netflix)

Eine Dokuserie über die Geschichte der Videospiele – das klingt erst mal ganz vielversprechend. Und die Netflix-Produktion „High Score“ weiß auch zu liefern, obwohl sie nicht unbedingt dem entspricht, was man erwarten könnte. Präsentiert wird nämlich nicht etwa ein chronologischer Verlauf des technologischen Fortschritts. Erzählt wird stattdessen entlang thematischer Schwerpunkte: Werbekampagnen, Gaming-Wettbewerbe, Zielgruppenerweiterung, Videospiel-Magazine und, aus heutiger Perspektive besonders lustig, Game Play Counselors, also Menschen, die rund um die Uhr über eine Helpline erreicht werden konnten und Tipps zu schwierigen Levels gaben – in Zeiten von Youtube, Twitch und Co. eine völlig überholte Dienstleistung.

Wie Garrett Martin in Paste Magazine beschreibt ist die Serie weniger ein „here’s what happened“ als ein „hey, remember this?”. Zu Letzterem zählen etwa Spielhallen oder die ersten Heimkonsolen, aber auch bestimmte Spiele wie „Pac-Man“, „Space Invaders“, „Supermario“ oder „Sonic the Hedgehog“. „High Score“ ist in diesem Sinne vor allem eine Nostalgie-Serie.

Dabei werden jedoch nicht einfach stumpf bestimmte Highlights der Videospielgeschichte abgearbeitet: Stets kommen Menschen zu Wort, die davon erzählen, wie die aufkommende Videospielindustrie ihr Leben beeinflusste. Da ist zum Beispiel eine Gruppe von Männern, die als Studenten anfingen, die Codes erfolgreicher Spiele umzuschreiben, und anschließend eine Videospielfirma gründeten. Da ist die trans Frau, die in ihrer Jugend in der Welt der Videospiele erstmals einen Ort fand, an dem sie sie selbst sein konnte. Da ist auch der Videospieldesigner, der sich in den bestehenden Spielen nicht wiederfand und daraufhin 1992 das queere Videospiel „GayBlade“ programmierte. Im Grunde geht es stets mehr um die Menschen hinter den Entwicklungen als um die Entwicklungen an sich. Dass neben dem Interesse am Programmieren und Geschichtenerzählen viele Entscheidungen vor allem von wirtschaftlichen Interessen beeinflusst waren, versteht sich von selbst.

Kenner*innen werden durch „High Score“ wahrscheinlich nichts über die Videospielgeschichte erfahren, was ihnen nicht ohnehin schon bekannt ist. Wer die Serie jedoch wegen der persönlichen Anekdoten schaut und sich nicht daran stört, dass ausschließlich der amerikanische und der japanische Markt thematisiert werden, wird auf seine*ihre Kosten kommen.

Netflix.

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