Bei den Wahlen in Uganda wurde PrĂ€sident Yoweri Museveni in dem Amt bestĂ€tigt, das er seit 1986 innehat. Regierungsgegner wurden massiv im Wahlkampf behindert, teils wurden auch die MaĂnahmen zur BekĂ€mpfung der Pandemie als Vorwand benutzt.

Hat als PrÀsidentschaftskandidat Ziele wie eine bessere Gesundheitsversorgung und eine faire Justiz formuliert: Der unterlegene Robert Kyagulanyi Ssentamu auf einer Pressekonferenz am 15. Januar 2021, dem Tag nach den Wahlen, in Kampala. (Foto: EPA-EFE/STR)
âDas Problem in Afrika, und insbesondere in Uganda, ist nicht das Volk. Es sind die Regierungschefs, die zu lange an der Macht bleiben wollenâ, sagte Ugandas PrĂ€sident Yoweri Museveni nach seinem Amtsantritt 1986. Dieser Meinung ist er offensichtlich nicht mehr â bei den Wahlen am Donnerstag voriger Woche wurde er mit 58,64 Prozent der Stimmen erneut im Amt bestĂ€tigt, nachdem seine Regierung in den vergangenen Jahren bereits die Altersgrenze fĂŒr PrĂ€sidenten und die Begrenzung der Zahl der Amtszeiten abgeschafft hatte. Der 76-jĂ€hrige ist Ă€lter als 97 Prozent der Bevölkerung im Land, mehr als die HĂ€lfte aller Ugander und Uganderinnen haben nie einen anderen PrĂ€sidenten erlebt als ihn.
In diesem Jahr hatte Museveni einen neuen und populĂ€ren Herausforderer, der nur halb so alt ist wie er selbst. Der 38-jĂ€hrige SĂ€nger Bobi Wine, mit bĂŒrgerlichem Namen Robert Ssentamu, ist seit bald zwanzig Jahren eine GröĂe in der ugandischen Popszene und einer der prominentesten Kritiker des Regimes. Mehrere seiner Songs dĂŒrfen wegen ihrer politischen Texte nicht im Radio gespielt werden, der PopularitĂ€t des âGhetto Presidentâ hat das aber keinen Abbruch getan.
Nachdem Wine bereits 2017 ins Parlament gewĂ€hlt worden war, lieĂ er sich zu den Wahlen 2021 fĂŒr die âNational Unity Platformâ (NUP) als PrĂ€sidentschaftskandidat aufstellen. Seit Wine politisch aktiv ist, lebt er gefĂ€hrlich. Mehrmals wurde er festgenommen und gefoltert, viele seiner AnhĂ€nger wurden getötet oder sind spurlos verschwunden. 2018 wurde sein Chauffeur erschossen â Wine vermutet, dass die Kugel eigentlich fĂŒr ihn bestimmt war.
Bei der ugandischen Jugend ist Bobi Wine sehr beliebt. Im Slum Kamwokya in der Hauptstadt Kampala aufgewachsen, engagierte er sich bereits vor seiner politischen Karriere fĂŒr die Ărmsten in Uganda und finanzierte unter anderem sanitĂ€re Anlagen und ein Abwassersystem im Slum. In seinem Programm als PrĂ€sidentschaftskandidat nennt er ebenfalls vor allem soziale Ziele: bessere Gesundheitsversorgung und Bildung, sauberes Trinkwasser, eine faire Justiz. Auch jenseits der Landesgrenzen hat Bobi Wine AnhĂ€nger, kurz vor der Wahl sprach der nigerianische LiteraturnobelpreistrĂ€ger Wole Soyinka ihm die UnterstĂŒtzung fĂŒr seine Kandidatur aus.
Der oppositionelle Kandidat Robert Ssentamu ist wie andere Regimekritiker davon ĂŒberzeugt, dass die ugandische Regierung die Wahlergebnisse gefĂ€lscht hat.
Doch den offiziellen Wahlergebnissen zufolge hat Bobi Wine nur 34,38 Prozent der Stimmen erhalten. Er ist ebenso wie andere Regimekritiker davon ĂŒberzeugt, dass die Regierung die Wahlergebnisse gefĂ€lscht hat. âDas, was wir gerade erlebt haben, als âWahlâ zu bezeichnen â selbst wenn wir die niedrigen MaĂstĂ€be Afrikas anlegen â, wĂ€re eine sehr freie Verwendung dieses Begriffsâ, so ein Kommentar im âDaily Monitorâ, Ugandas wichtigster oppositioneller Zeitung.
Das Misstrauen ist berechtigt, bereits bei den vorigen Wahlen 2016 hatten internationale Wahlbeobachter fehlende Transparenz und Fairness bemĂ€ngelt. Der Beobachterkommission des Commonwealth zufolge hat diese Wahl nicht âden wichtigsten demokratischen Standards entsprochenâ. Zu den Wahlen am 14. Januar schickten die USA und die EU keine Beobachter nach Uganda, da nicht mit fairen Wahlen zu rechnen sei und die ugandische Regierung die Empfehlungen, die die EU nach den vorigen Wahlen gegeben hatte, nicht befolgt habe. Beobachter von âAfrica Election Watchâ befanden, der Wahlprozess habe Standards freier und transparenter Wahlen nicht eingehalten.
Vom 14. bis 18 Januar war das Internet in Uganda abgeschaltet â ein beliebtes Mittel afrikanischer Autokraten, um die Opposition mundtot zu machen. Wine steht derzeit unter Hausarrest; Polizisten haben sein Haus umstellt und hindern ihn daran, es zu verlassen. Der BBC sagte der Politiker, er fĂŒrchte um sein Leben. Zudem wurde die Parteizentrale der NUP von der Polizei durchsucht und geschlossen, angeblich um die Opposition daran zu hindern, Krawalle zu organisieren. Der mit Wine befreundete Abgeordnete Francis Zaake, der versuchte, sich Zugang zu dessen Haus zu verschaffen, wurde von der Polizei krankenhausreif geprĂŒgelt. Wine hat nun angekĂŒndigt, gegen das Wahlergebnis gerichtlich vorgehen zu wollen.
Schon in den Monaten zuvor hatte die Regierung die MaĂnahmen zur BekĂ€mpfung der Covid-19-Pandemie als Vorwand benutzt, um Oppositionelle am Wahlkampf zu hindern. WĂ€hrend Musevenis Regierungspartei âNational Resistance Movementâ (NRM) Wahlveranstaltungen abhalten konnte, wurden AktivitĂ€ten der Opposition streng reglementiert oder unterdrĂŒckt. Im November wurde Wine unter der Anschuldigung verhaftet, dass eine seiner Wahlveranstaltungen gegen die MaĂnahmen zur PandemiebekĂ€mpfung verstoĂen habe. Bei den anschlieĂenden Protesten kamen mindestens 54 Menschen ums Leben, die meisten wurden von SicherheitskrĂ€ften erschossen.
Wegen der Pandemie rief die Regierung dazu auf, den Wahlkampf in die Medien zu verlegen, was die Opposition ebenfalls vor Probleme stellte. Gegner Musevenis wurden oft an Fernseh- und Radioauftritten gehindert oder mussten mĂŒhsam Geld sammeln, um die Sendezeit zu bezahlen, wĂ€hrend die AnhĂ€nger der NRM freie Bahn hatten. Ohne PrĂ€senzveranstaltungen war es zudem schwer, die lĂ€ndliche Bevölkerung zu erreichen, die oft nur sehr begrenzt Zugang zu Medien hat und vielerorts ohne Strom lebt.
Neben dem PrĂ€sidenten wurde am 14. Januar auch das Parlament gewĂ€hlt. Die wohl prominenteste Kandidatin war Stella Nyanzi, die im vorigen Jahr ihre Stelle als Dozentin an der Makerere University niedergelegt hatte, um sich als Kandidatin der Oppositionspartei âForum for Democratic Changeâ (FDC) fĂŒr Kampala aufstellen zu lassen. Die Feministin und UnterstĂŒtzerin der ugandischen LGBT-Community verbrachte anderthalb Jahre im HochsicherheitsgefĂ€ngnis Luzira, nachdem sie auf Facebook scharfe Kritik an Museveni geĂ€uĂert hatte. Nach Angaben des ugandischen Fernsehsenders NTV unterlag sie Shamim Malende, der Kandidatin der NUP.
Zum ersten Mal seit 2001 nicht angetreten ist Kizza Besigye. Der ehemalige Vertraute und Leibarzt Musevenis hatte sich in den 1990er-Jahren von diesem abgewandt, nachdem der PrĂ€sident sich immer mehr zum Diktator entwickelt hatte. 2004 grĂŒndete Besigye das FDC. Sein Nachfolger Patrick Omoi Amuriat gewann nur 3,24 Prozent der Stimmen, ein groĂer Teil der WĂ€hlerschaft war zu Bobi Wines NUP abgewandert.

