Was ist ein G7?

Nein, es handelt sich nicht um einen Geheimdienst oder -agenten, und auch das Startfeld des linken schwarzen Springerbauern beim Schach wird nicht mit einem großen G geschrieben. G7 bezeichnet die Gruppe der sieben größten Industrienationen, deren jährliche Treffen und manchmal auch deren Mitgliedstaaten. Interessanterweise ist auch die EU eine Art ständige Beobachterin und nimmt sogar gleich mit zwei Vertreter*innen – für Kommission und Europäischen Rat – an den jährlichen Treffen teil.

Bei der Gründung Mitte der 1970er repräsentierten USA, Japan, Deutschland, Vereinigtes Königreich, Frankreich, Italien und Kanada 70 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts (BIP), mittlerweile aber nur noch 40. Schwellenländer wie China, Indien, Korea und Brasilien, deren BIP stark gewachsen ist, sind im G20, nicht aber im G7. Begründet wird diese Selektivität von den einen damit, dass sie keine klassischen Industrieländer sind, von den anderen damit, dass sie die „demokratischen Werte“ nicht genügend hochhalten. Zu letzterem Kriterium passt nicht ganz, dass Russland von 1998 bis 2014 Mitglied der (in G8 umbenannten) Gruppe war, trotz Tschetschenienkrieg, Putin-Regime und Einmischungen in der Ukraine und Georgien.

Dieser Mangel an Kohärenz verhindert aber nicht, dass der Bezug auf „westliche Werte“ derzeit wieder hoch im Kurs steht. Angesichts der zunehmenden Feindschaft des „Westens“ mit China und Russland wird versucht, eine breite „Front der Demokratien“ ins Leben zu rufen. Dazu gehört, dass zum Gipfel in Cornwall Australien, Indien, Südkorea und Südafrika als Gastteilnehmer eingeladen wurden. Es gibt auch Vorschläge, eine erweiterte Struktur unter dem Namen D10 zu schaffen (für die zehn größten Demokratien, ohne das wirtschaftlich schwache Südafrika). Ob Indien wirklich aufgrund seiner demokratischen Vorbildfunktion zu dieser Gruppe zählt, oder weil es ein wichtiger Alliierter gegen China ist, sei dahingestellt.


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