Weltmusik in der Saison 2025/26: Die Klänge der Welt in Luxemburg

von | 01.08.2025

Die Menge an Konzerten in Luxemburg ist angesichts der vergleichsweise geringen Größe des Landes erstaunlich. Dabei dominieren zwar die Kategorien Klassik, Jazz, Blues und Rock, aber die Weltmusik ist auch meist gut vertreten.

Die Philharmonie

Am 26. März kommt die Sängerin Júlia Kozáková mit ihrer Gruppe Manuša nach Ettelbrück. (© Willi Klopottek)

Seit Jahren ist die Philharmonie hierzulande führend, was das Angebot an Weltmusik angeht. Ein Fixpunkt ist stets das zeitlich kompakte „atlântico“-Festival im Oktober, bei dem etablierte und neue Künstler*innen aus der lusophonen Welt vorgestellt werden. Des Weiteren wird bei Konzerten, die sich um die Titel „Autour du monde“ und „World Sessions“ herum gruppieren, die Begegnung mit Musik aus aller Welt möglich. Zu den besonders attraktiven Acts gehört die Fado-Sängerin Gisela João, die aus dem Norden Portugals stammt. Sie schreibt ihre Lieder überwiegend selbst und trägt sie dann – auch mal mit Einsatz von Electronics – sehr intim und nahbar vor. Ihre Musik kann man am 8. Oktober dieses Jahres live erleben.

Am 11. Oktober treten gleich zwei starke Sängerinnen auf. Um 18 Uhr spielt Carmen Souza im Kammermusiksaal. Die Lissabonnerin mit kapverdischen Wurzeln genießt seit 20 Jahren sowohl in der Jazz- als auch in der Weltmusikszene über ein großes Renommee. Mit ihrer außergewöhnlichen, intensiven und variablen Stimme sowie der Begleitung ihres Bassisten Theo Pascal plus Keyboard und Schlagzeug gelingt ihr eine überzeugende Mischung aus kapverdischer Tradition und Elementen aus dem Jazz. Um 20 Uhr steht dann Mayra Andrade auf der Bühne des großen Saals. Geboren wurde sie auf Kuba, ihre Eltern stammen von den Kapverden. Auch ihr gelingt es auf beeindruckende Weise, kapverdische Formen mit Jazzigem zu verbinden. Begleitet wird sie nur vom Gitarristen Djodje Almeida, mit dem sie im letzten Jahr ihr hochgelobtes Livealbum „ReEncanto“ eingespielt hat.

Wer dann noch nicht genug hat, kann am gleichen Abend ab 21.45 Uhr im Foyer Carisa Dias erleben. Die Luxemburgerin mit kapverdischen Wurzeln verbindet in ihrer Musik Tradition und Moderne. Am 13. November gibt es unter dem Titel Raga Night eine Hommage an den bedeutendsten indischen Perkussionskünstler der letzten Jahrzehnte: Zakir Houssain, der 2024 starb. Während der Veranstaltung kann man gleich zwei indische Ensembles erleben, von denen eins von Kaushiki Chakraborty geleitet wird. Sie gilt heute als die bedeutendste junge Sängerin des klassischen indischen Repertoires. Ostanatolische Musik bringt am 10. Dezember das Ensemble von Ali Doğan Gönültaş im Kammermusiksaal der Philharmonie auf die Bühne. Der alevitische Kurde spielt selbst die Tambura-Laute und Gitarre. Er ist tief in der musikalischen Tradition der bedeutenden türkischen Bevölkerungsgruppe verwurzelt und hat bisher zwei erfolgreiche Alben veröffentlicht.

Dafné Kritharas ist eine hervorragende Sängerin, die in Frankreich lebt, aber auf Kreta geboren wurde. Am 22. Januar wird sie – ebenfalls im Kammermusiksaal – mit ihrem Ensemble ein breites Spektrum von Rebetiko bis zu sephardischen Liedern vortragen. In Spanien gilt Israel Fernández gegenwärtig als einer der ganz großen Flamenco-Sänger der jüngeren Generation. Der aus Toledo stammende Rom setzt gerne auch Electronics ein, kommt aber am 7. Februar ganz traditionell nur mit Gitarre und Cajon in das große Auditorium. Für Freund*innen indischer Musik gibt es noch zwei interessante Konzerte. Am 23. April stehen die fünf jungen Inder der Gruppe Araj auf der Bühne, die, wie die Philharmonie schreibt, eine modernisierte Form indischer Musik spielen. Am 17. Mai trifft man die weltberühmte Anoushka Shankar wieder mit ihrer Sitar im großen Auditorium an. Dieses Mal wird sie begleitet vom London Contemporary Orchestra und spielt ihre ganz persönliche Version indischer Musik, die sie auf ihren letzten drei Alben veröffentlicht hat.

Die anderen Häuser

Auch das Cape in Ettelbrück wird eine Reihe interessanter Konzerte in der neuen Saison anbieten. Die neue künstlerische Leiterin Ana Maria Tzekov hat Veränderungen angestoßen, die von mehr Publikumsbeteiligung bis zur Modernisierung des Erscheinungsbilds reichen. Die kapverdische Community ist im Programm gut vertreten. Am 18. Oktober dieses Jahres gibt es ein Konzert von Mario Lucio, der bereits vor 25 Jahren in der Weltmusikszene mit seiner Gruppe Simentera Aufsehen erregte. Der Künstler, der neben seiner musikalischen Aktivität auch dichtet und malt, bekleidete von 2011 bis 2016 in seiner Heimat das Amt des Kulturministers. Nach einer damit zusammenhängenden Pause ist er vor einiger Zeit wieder musikalisch aktiv geworden. Man darf hoffen, dass er sein neues Album mitbringt. Passend dazu gibt es ab dem 19. Januar die Woche der kapverdischen Kultur mit Tanz und Musik.

Das Naghash Ensemble ist bekannt dafür, dass es armenische Traditionen bis ins Mittelalter erkundet und diese für die heutige Zeit aktualisiert. Ihr Auftritt am 9. Dezember mit der überwiegend melancholischen armenischen Musik passt wohl gut in die Vorweihnachtszeit. Ganz anders geartet ist der Musikabend am 8. Januar. Dann führt nämlich das französische Sextett Anbessa durch die jahrzehntelange Karriere des Sängers, Saxofonisten und Komponisten Manu Dibango. Vor fünf Jahren verstorben, prägte der Musiker mit seiner jazzig-funkigen Interpretation der Musik seiner kamerunischen Heimat bereits in den 1970er-Jahren die internationalen Hitparaden, als der Begriff Weltmusik noch nicht geboren war. Eine Stunde vor dem Konzert gibt es eine optionale Einführung in die Musik Dibangos.

Das luxemburgische Ensemble Authentica von Martina Menichetti gastiert am 12. Februar im Cape. Das starke Ensemble der Sängerin und vielseitigen Flötistin verbindet Keltisches mit Mittelmeerklängen und der musikalischen Tradition Luxemburgs. Weiter geht es mit Musik aus der Slowakei, die in Luxemburg selten live zu erleben ist. Am 26. März kommt die Sängerin Júlia Kozáková mit ihrer Gruppe Manuša nach Ettelbrück. Die ausgezeichnete Sängerin aus Bratislava beherrscht auch Jazz und Flamenco, reist aber mit einem Roma-Ensemble nach Luxemburg. Die Musik der Roma spielt eine wichtige Rolle in der Slowakischen Republik. Bei Manuša kann man virtuose Instrumentalist*innen und eine ausdrucksstarke Vokalistin erleben, die die Roma-Musik zelebrieren. Eine Stunde vor dem Konzert findet ein Workshop mit Kozáková über die verschiedenen Gesangsstile der Roma-Musik statt.

Die aus Gambia stammende Koraspielerin Sona Jobarteh ist im kommenden Herbst bereits zum dritten Mal in Folge in Luxemburg zu Gast. Nach 2023 in Cube 521 und 2024 in der Philharmonie spielt die auch sozial engagierte Musikerin am 22. Oktober im Düdelinger Kulturzentrum Opderschmelz. Das Echternacher Trifolion hat seinerseits am 21. November die herausragende bosnische Gruppe Divanhana aus Sarajevo zu Gast. Die Band hat sich 2009 gegründet und orientiert sich am berühmten bosnischen, meist getragenen Sevdalinka-Stil, den sie modern auffrischt und bestens tanzbar macht. Offenbar bringen sie ein ganz neues Album mit. Der Cube 521 in Marnach legt wenige Tage später nach und überlässt am 29. November Shantel & Bucovina Club Orchestar die Bühne. Die Gruppe, die von Stefan Hantel geleitet wird, verbindet im Wesentlichen verschiedene Balkanklänge mit Electronics. Sie landete bereits 2007 mit „Disko Partizani“ einen großen Hit. Für den 18. April hat der Cube 521 schließlich das Yilian Cañizares Trio eingeladen. Die gebürtige Kubanerin, die seit Längerem in der Schweiz lebt, ist eine virtuose Geigerin und expressive Sängerin. Bei ihr gehen kubanische Traditionen und Improvisation eine einzigartige Verbindung ein.

Natürlich lohnt es sich immer wieder Augen und Ohren offenzuhalten, was in diesen und anderen Spielstätten im Laufe der Zeit noch an interessanten Konzerten zusätzlich angeboten wird, denn die Saisonplanungen sind bei einigen noch nicht abgeschlossen.

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